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Lust auf Macht

SPD hat Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten nominiert

Von Klaus Remme, Hauptstadtstudio

Endgültig soll Steinbrück auf dem Wahlparteitag am im Dezember als Kanzlerkandidat bestimmt werden.
Endgültig soll Steinbrück auf dem Wahlparteitag am im Dezember als Kanzlerkandidat bestimmt werden. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Wenn Peer Steinbrück Selbstzweifel kennt, dann kann er sie blendend verbergen. Wie er so dasteht in der Parteizentrale, das einstimmige Votum des Vorstands im Rücken, ist der Kontrast zwischen ihm und der Willy-Brandt-Statue neben ihm augenfällig, Brandt, der nachdenklich abzuwägen scheint, Steinbrück, der mit jeder Faser ausdrückt: Ich will’s wissen!

Steinbrück, der sich mit seiner Bewerbung deshalb auch eher in der Kanzlertradition von Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sieht. Das der junge Peer einst ungeduldig am Kanzleramtszaun rüttelte, ist nicht überliefert. Zuzutrauen wär’s ihm. Doch nicht so schnell, so weit ist es noch lange nicht. Zunächst hat die SPD jetzt einen starken Kandidaten, nicht mehr und nicht weniger. Die Partei sollte sich freuen über diesen Mann, seine Qualitäten, seine Lust auf Macht.

Steinmeier verkörperte Große Koalition, Steinbrück hingegen verspricht Spannung, verspricht Reibung, verspricht Konfrontation. In den eigenen Reihen, sicherlich auch, doch das ist nicht mehr als die erste Herausforderung. Können sich Partei und Kandidat schon im Wahlkampf nicht einigen, haben sie die Macht ohnehin nicht verdient. Nein, Steinbrück und Merkel kämpfen auf Augenhöhe. Und wir haben die Wahl im wörtlichen Sinne.

Hier die Kanzlerin, vom Typus her präsidial, zurückgenommen, mit erheblichem Amtsbonus, dort der Herausforderer, streitlustig, eloquent, ein Experte auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Finanzpolitik, dem aus heutiger Sicht mit Abstand wichtigsten Wahlthema. Natürlich wird es schwer für ihn. Gerät die Bundestagswahl zu einem Referendum über die Amtsführung Angela Merkels, dann wird Peer Steinbrück schlecht aussehen.

Nein, die Sozialdemokraten sind gezwungen, die Wähler von sich als der besseren Alternative zu überzeugen. Der Kandidat hat heute die richtigen Fragen gestellt, er hat nach vorn geschaut: Wo wollen wir hin, in was für einer Gesellschaft wollen wir zukünftig leben. Ungeachtet der Erfolge auf dem Arbeitsmarkt – diese Fragen stellen sich viele in diesem Land. Steinbrück will ein "Werteinteressenbündnis" schmieden, so hat er es jetzt formuliert. Er zielt auf Wähler rechts von der SPD, hofft auf starke Grüne und wird die Liberalen umgarnen, sollten sie – wie schon so oft – koalitionstechnisch wichtig werden.

Dieser Wahlkampf bietet viele Optionen, drei, vier, fünf, sechs Parteien im Bundestag sind möglich. Freuen wir uns über diesen Wettbewerb. Peer Steinbrück hat eine Chance! Schafft er es, eine breite Basis zu mobilisieren, lauert mit einer enttäuschten linken SPD-Basis zwar nach einem Wahlsieg die nächste Gefahr – wir erinnern uns, heute vor 30 Jahren verlor Helmut Schmidt die Macht – doch bis Steinbrück diese Sorgen hat, ist es noch lange hin.



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