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Seit 16:00 Uhr Nachrichten
StartseiteLyrixlyrix im "Gestern & Morgen"06.06.2008

lyrix im "Gestern & Morgen"

Bei lyrix können die Monatsgewinner von Gestern die Jahresgewinner von Morgen werden. Aus den 60 Monatsgewinnern 2008 (jeden Monat fünf) wählen wir 12 Nachwuchsdichter aus, die wir zu unserem Lyrik-Workshop nach Berlin einladen! Hier die fünf Gewinner des Vormonats.

Blick auf einen Kalender (Stock.XCHNG / Doru Lupeanu)
Blick auf einen Kalender (Stock.XCHNG / Doru Lupeanu)

Auch wenn vielen von euch das Leitmotiv "Gestern & Morgen" sicher nicht leicht gefallen sein wird, haben uns im Mai wieder zahlreiche Gedichte erreicht, die uns sehr gut gefallen haben. Die fünf Gedichte des Monats Mai zeigen die große Bandbreite der Assoziationen, die ihr zu Papier gebracht habt.

Wir gratulieren den lyrix-Gewinnern im Mai und wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch im Juni viel Erfolg mit unserem Monatsthema: Ich sehe was, was Du nicht siehst. Wir freuen uns auf eure Gedichte!


Carpe diem

Heute ist morgen schon gestern,
heute sind wir wie Schwestern.
Gestern fieberten wir dem Morgen entgegen
Geburtstag rot im Kalender, Altern ein Segen
Morgen sehnen wir das Gestern herbei
"Forever young" heißt der Slogan, das Werbegeschrei.
Darum leben wir jetzt, ignorieren das Ticken der Uhren
Und hinterlassen irgendwann im Sand unsere Spuren.


(Daniela Appelt aus Freiburg, St. Ursula Gymnasium Freiburg, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Gestern und Morgen

Heute
Ist Morgen Morgen
Und Gestern Gestern

Gestern
War Heute noch Morgen
Und an Morgen hat niemand gedacht

Morgen
Wird Heute schon Gestern sein
Und Gestern ist schon völlig vergessen

Also lebe
Im Heute
Und nicht im Gestern oder Morgen

Denn
Was Gestern war
Ist Heute schon vergessen

Und
Was Morgen ist
Kann jetzt noch niemand wissen


(Kathrin Burmester aus Jelmstorf, Fritz-Reuter-Schule, Klasse 8, Muttersprache: deutsch)



Gedicht

Hier
Sitz ich nun
Und denk
An gestern

Wie viel Zeit
Ist schon vergangen
Unsere Neugier,
Schon vom Wind verweht

        Der Tag ändert sein Licht
        Und schiebt
        Den Nebel fort

Zeigt mir
Das Ungewisse
Das tief
In der Zukunft liegt

Ich warte immer noch
Auf ein Zauberwort
Das sagt
Wie es weitergeht

Wenn die Sonne untergeht
Such ich für dich
Die letzten
Leuchtenden Hoffnungsschimmer

        Schließ die Augen
        Und du kannst
        Sie wiedersehen

Ich mal
Für dich
Die hellsten Träume
In die Nacht

Hast du den Weg
Gefunden
Ich weiß
Du bleibst nie stehen

So entsteht
Wenn die Sonne
Untergeht
Etwas Neues


(Aswini Ravichandran aus Nienburg, Albert-Schweitzer-Schule, Klasse 9, Muttersprache: tamilisch)


Irgendwo dazwischen

Das, was war
Und das, was ist
Und hier das Gestern,
noch kaum angestaubt,
und hier das Bald, das Dann,
das Morgen,
nicht so wie es sein soll-
so wie es ist.

Und ich,
ich irgendwo dazwischen,
greife nach roten Fäden,
die mir die Zeit entreißt
und sehne
nach ein wenig echter Sehnsucht,
nach ein bisschen
mehr.

Die Zeit,
die ich nicht wollte,
verstreicht so gänzlich
unbemerkt
mir hinterm Rücken,
während ich noch
auf der Suche nach vergilbten Fotos bin.
Im digitalen Zeitalter.

Schon meine ich,
es in den Händen zu halten,
endlich,
ein Hauch vom Heute,
der endlich auch ein wenig
funkelt
und dann doch
nach gestern
riecht und schmeckt.

Und ich,
ich irgendwo dazwischen,
im ewigen Versuch
nach vorne zu sehen,
was immer das auch heißen mag
und hab doch längst
die Orientierung verloren.
Verlieren wollen.


(Andreas Thamm aus Bamberg, Dientzenhofer Gymnasium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Kokon

Weißt du noch, als wir gestern Hand in Hand
Am Fluss, wo nichts steht außer diesem Kiosk
In dem wir immer so gern sind, halt machten?
Wo es bis in den Herbst hinein noch Eis gibt
Bei der alten Frau, die immer lächelt wenn du ihr
Ein Geldstück zusteckst
Und die zufrieden aussieht, auch wenn wir
Die einzigen Kunden sind?
Wären wir gestern nicht das letzte Mal Hand in Hand
Am Fluss gewesen, der öde ist und den Müll der Stadt
Wie beißenden Eiter aus einer Wunde an uns vorbei schwemmte.
An dieser Eisbude, an der das Elend
Nicht mehr gesichtslos ist und wo
Selbst ein Geldstück die Pein nicht lindert.
Und hätte die Welt nicht mit einem Schlag widergehallt
Von all der Qual, die in uns steckt wie ein Parasit, die alles lähmt.
So könnte ich morgen noch Träume haben.


(André Thyroff aus Heinersreuth, Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)

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