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»lyrix«-Jahresgewinner aus dem Ausland

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Internationale Nachwuchsdichter treffen sich in Berlin.

Zusätzlich zu den dreizehn deutschen »lyrix«-Jahresgewinnern 2009stehen jetzt auch die zwölf Preisträger aus dem Ausland fest. Die Verfasser der ausgewählten Gedichte kommen aus nah- und ferngelegenen Ländern wie Polen, Portugal, Kirgisistan oder Brasilien. Gemeinsam mit den deutschen Jahresgewinnern werden sie im Juni zu einem verlängerten Wochenende mit Schreibwerkstatt und Preisverleihung nach Berlin eingeladen. Im Vorfeld der Schreibwerkstatt nehmen die Preisträger aus dem Ausland an einem mehrtägigen Sprachkurs teil, um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen.



Die »lyrix«-Preisträger 2009 aus dem Ausland in alphabetischer Reihenfolge:

Beatriz Albuquerque aus Amadora, Portugal
Deutsche Schule Lissabon, Jahrgang 1994
»lyrix«-Monat: November
Leitmotiv: Der Mond

Mond

Dort, wo ich bin,
wo man alles sehen kann,
bin ich glücklich.
Durch das Fenster fliegen meine Träume,
sie sind frei.
Und ich sehe sie:
weiß und glänzend,
die Lampe des Himmels.
Wie ein Freund, der dort immer gewesen ist.
Und die Träume laufen,
und dann fliege ich dorthin...
Hier, wo ich bin,
wo man alles sehen kann,
die Sterne kommen zu mir, wie Freunde
und erzählen mir Geschichten.
Dort, woher ich komme,
jetzt weiß ich,
man sieht nicht alles...
Ich sehe den Weg der Fantasie,
der dir folgt,
dir, dem Licht des Himmels.




Tarik Bazdalic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina
Prva gimnazija u Zenici, Jahrgang 1990
»lyrix«-Monat: Mai
Leitmotiv: Irren ist menschlich

Irren ist menschlich - Kollateralschaden

Wenn ein Kind
von einer Bombe stirbt,
dann sagen sie:
"Irren ist menschlich."

Wenn eine Familie
ihr Heim verlässt,
dann sagen sie wieder:
"Irren ist menschlich."

Wie lange lassen wir das zu?
Wie lange werden wir unsere Augen
davor verschließen?

Wie lange lassen wir diese Irrtümer zu?
Wie lange...?
Zu lange.




Isabella Correa von Wallwitz aus São Paulo, SP, Brasilien
Colegio Visconde de Porto Seguro, Jahrgang 1998
»lyrix«-Monat: Oktober
Leitmotiv: Veränderungen

Veränderungen

Ich steh vor dem Spiegel und finde mich nicht
Was ist mit mir los?

Warum sind mir die Hosen zu eng?
Warum muss ich einen BH tragen?
Was sollen diese Pickeln in meinem Gesicht?
Was ist mit mir los?

Warum kaufe ich gerne Kleider?
Warum sehe ich nicht schöner aus?
Warum schaut dieser Junge immer zu mir?
Was ist mit mir los?

Meine Mutter sagt, ich streite nur
Mein Vater sagt, ich schreie nur
Mein Bruder sagt, ich denke nur an mich

Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt
Ich bin nicht mehr ich
Wer bin ich?




Edin Ibraljic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina
Prva gimnazija u Zenici, Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: September
Leitmotiv: Die Jahre von dir zu mir

Die Jahre von mir zu dir

Wenn der Uhrzeiger die Momente der Trauer bewegt,
wenn ich einsam vor der Welt stehe,
wenn ich entmutigt durch's Leben schreite,
wenn ich einen Kampf ohne Waffe führe,

Streckt mir eine Person durch die Kraft ihrer Liebe
freundlich ihre Hand aus.
Durch ihren zärtlichen Blick gibt sie mir ihre Liebe,
durch ihr zärtliches Lächeln schenkt sie mir Glück.

Wenn ich allein bin und auf die Knie vor dem Leben falle,
beleuchtet sie durch ihr Lächeln, fröhliches Gesicht
und durch die Wärme ihrer Worte die Wege des Glückes.

Eine Person ist schwer zu beschreiben,
eine und einzigartige ist die Mutter.
Meine Jahre sind für sie,
ihre Jahre sind für mich.




Tolkun Ismailova aus Naryn, Kirgisistan
Mittelschule Nr. 2 (V.P. Chkalova), PASCH-Schule des Goethe-Instituts Almaty, Kasachstan, Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: November
Leitmotiv: Der Mond

Der Mond

Wenn die Strahlen der Sonne hinter dem Berg erloeschen, kommt die Nacht zu uns, Besitzerin der Schatten und erscheint zwischen den Wolken der Mond- der Zar der Stille, der Schein ueber uns, Augenzeuge des Altertums, aller Ereignisse der Zeit.

Mond, Mond?
du scheinst im Dunkel,
Mond, Mond -
du strahlst schöner als die Sterne,
Mond, Mond -
du allein leuchtest uns in der Nacht.

Deine Strahlen fliessen in Strömen,
erhellen das Tal mit silbernem Licht.
Du bist in vielem und überall,
der Kunst, der Wissenschaft, in Legenden und Gedichten.
Du bist Symbol auf Wappen und Flaggen,
du bist unser guter Begleiter.
Mit leisem Lachen siehst du uns an
und rufst uns in dein wolkenloses Land.

Mond, wo versteckst du dich am Tag?
Wie viele Geheimnisse bewahrst du?
Was wissen wir noch nicht über dich -
über dein Leben als Mond,
über dich, Aufbewahrer,
du Engel? unser?




Renata Kocan aus Virovitica , Kroatien
Gymnasium "Petar Preradović", Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: Oktober
Leitmotiv: Veränderungen

Blau

Als ich dich sah,
in deine Augen blickte
waren sie blau,
und dein Hemd war blau.

Als ich dich liebte,
wurde mein rotes Kleid blau.

Jetzt wenn ich dich nicht mehr sehe
und nicht mehr liebe
sind nur noch die Wände meines Zimmers
blau.




Nurlan Kubat aus Bischkek, Kirgistan
Gymnasium von T. Satylganov, Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: Februar
Leitmotiv: Wie die Zeit vergeht

Das Leben

Wir tauschen unsere Uhren aus,
Doch die Zeit geht ihren Weg.
Das Leben ist manchmal ein Chaos,
Denn wir wissen nicht, wie alles geht.

Das Leben gibt's nur einmal,
Da kann man alles nehmen.
Es befindet sich überall,
Was unsere Herzen wählen.

Das Leben kostet Geld,
Doch man kann nicht alles kaufen.
Und jeder Schein zerfällt,
Während still die Uhren laufen.

Die Zeit vergeht, hallo ihr Falten,
Ab heute seid ihr mit dabei.
Irgendwann sind wir die Alten,
Doch unsere Herzen bleiben faltenfrei.




Mciej Kwiatkowski aus Radom, Polen
PG 10 Radom, Jahrgang 1995
»lyrix«-Monat: November
Leitmotiv: Der Mond

Der nächtliche Spaziergang

Bin spazieren gegangen
durch die graue und dunkle Welt
durch die Leere und Stille
Mit dem besten Freund
jedes Künstlers,
Mit dem Mond.

Durch die Himmelsgewölbe hat er mich geführt,
Alle Sterne konnte ich sehen.
Als ich Durst hatte,
Gab er mir Eingebung zu trinken,
Erleuchtete mich heller noch als die Sonne.

Und dann ... weiß nicht mehr
Was war los, weiß nicht mehr.
Er ist einfach ... fortgegangen
Etwas zu leise, so zu bescheiden,
Etwas zu plötzlich, das ist sicher.
Ich merkte nur das Licht,
Die aufwachende Sonne.




Félicia Marques aus Odivelas, Portugal
Deutsche Schule Lissabon, Jahrgang 1994
»lyrix«-Monat: Oktober
Leitmotiv: Veränderungen

Der Tag

Ein Tag wie jeder andere
Ich hab' dich kennen gelernt
Meine Augen... deine Augen
Mein Lächeln... dein Lächeln
Haben sich getroffen

Bei mir hat sich alles verändert
Es war nicht mehr
Ein Tag wie der andere
Sondern der Tag
Den ich nie vergessen werde

Es hat sich alles verändert
Bei mir... Bei dir
Bei uns




Veronika Mihálová aus Nová Bana, Slowakei
František-Švantner-Gymnázium, Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: Januar
Leitmotiv: Tagträume

Wenn ich träume

Ich bin ein Spiegel,
der Wahrheit sagt.
Ich bin Regen,
der trockene Wüste zum Leben bringt.
Ich bin eine Schneeflocke,
die ohne andere nichts ist.
Ich bin ein graues Bild,
das Farben braucht.

Ich bin ein roter Luftballon,
der frei über dir schwebt.
Ich bin ein geheimnisvoller Mond
und erleuchte deinen Weg.
Ich bin eine Nachtigall
und erfreue deine Tage.
Ich bin eine Träne,
die von deinem Auge fällt
und streichle dein Gesicht.




Haris Poturković aus Zenica, Bosnien und Herzegowina
Prva gimnazija u Zenici, Jahrgang 1993
»lyrix«-Monat: September
Leitmotiv: Die Jahre von dir zu mir

Die Jahre von dir zu mir

Ich danke dir für jede Sekunde,
und gebe dir jede Stunde,
mein Leben, mein Herz.
Denn du bist mein ganzer Schmerz,
mein ganzer Stolz,
mein größter Besitz.

Ich gebe dir die Jahre von dir zu mir,
von mir zu dir,
von damals bis heute,
vom Januar
bis zum Dezember.
Und eines will ich nur zurück,
dein Lächeln
und dein Glück.




Beatriz Rodrigues Rocha Pereira da Silva aus Portela, Portugal
Deutsche Schule Lissabon, Jahrgang 1994
»lyrix«-Monat: Februar
Leitmotiv: Wie die Zeit vergeht

Zeitgefühl

Was bedeutet Zeit?
Ist Zeit unendlich?
Woher kommt eigentlich Zeit?
Warum kann man Zeit nicht sehen?

Man kann Zeit weder sehen
noch berühren
Man weiß nur,
dass es Zeit gibt
Sekunden, Minuten
Stunden, Tage,
Wochen, Monate
Jahre...
Sind Sekunden wirklich Sekunden?
Sind Monate wirklich Monate?
Was bedeutet "für immer"
oder "Die Zeit läuft"?
Was ist Zeit??
Zeit ist alles und nichts
Zeit bedeutet viel und wenig
Zeit ist gleichzeitig wichtig und unwichtig
Man wird Zeit nie vergessen
Aber auch nie sich daran erinnern
Zeit ist ein Gefühl
Das Zeitgefühl.

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»lyrix« Teilnahmebedingungen

»lyrix« ist der Bundeswettbewerb für junge Dichterinnen und Dichter von Deutschlandfunk, Deutschem Philologenverband und Deutschem Museumsbund. Teilnehmen können Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren. Zu den Teilnahmebedingungen.

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