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StartseiteDLF-MagazinMacht- und Mienenspiele im Bundestag18.04.2013

Macht- und Mienenspiele im Bundestag

Die Hauptakteurinnen bei der Quotendebatte

Der wochenlange Streit in der CDU um eine gesetzliche Frauenquote hat bei den Protagonistinnen Spuren hinterlassen. Das war bei der abschließenden Debatte im Bundestagsplenum auch anhand von Mimik und Gestik zu beobachten.

Von Katharina Hamberger

Quotenbefürworterin Ursula von der Leyen kam im hellen Blazer, ihre Kontrahentinnen griffen zu Dunkelblau. (picture alliance / dpa / Wolfgang Krumm)
Quotenbefürworterin Ursula von der Leyen kam im hellen Blazer, ihre Kontrahentinnen griffen zu Dunkelblau. (picture alliance / dpa / Wolfgang Krumm)

Abgesprochen war das sicher nicht, aber schon optisch zeigen die Hauptakteurinnen auf der Regierungsbank, wie hier die Lager verlaufen: Die Quotenbefürworterin auf der Regierungsbank, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im hellen Blazer. Die Quotengegnerinnen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder im dunkelblauen Blazer – auch die Anti-Quoten-Frau Gerda Hasselfeldt, frisch gewählte Spitzenkandidatin der CSU, hat heute ebenfalls zu Dunkelblau gegriffen. Aber das nur eine Beobachtung am Rande – viel interessanter: Können die drei die Streitigkeiten der vergangenen Tage während der Debatte verbergen?

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse: "Ich eröffne die Aussprache und erteile Katrin Göring Eckart das Wort."

Die Grüne Spitzenkandidatin tritt vors Plenum. Sie ist eine der Politikerinnen, die für die Frauenquote kämpfen.

"Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, Norwegen hat sie, Belgien, Island, Frankreich."

Merkel und Schröder schauen derweil in ihr Handy, die Bundeskanzlerin scheint eine SMS zu bekommen, die sie amüsiert. Und von der Leyen? Die scheint zuzuhören. Ihr Gesicht: … verrät nichts.

Auch die Familienministerin Kristina Schröder, Nachfolgerin von der Leyens im Amt und eine ihrer schärfsten Gegnerinnen, hört nun zu- und tut da, was sie im Lauf der Debatte noch oft tun wird. Sie lächelt, als würde sie denken: "Ja red‘ du nur – ich hab eh recht". Was hingegen Ursula von der Leyen denkt, ist ihr nur schwer anzusehen. Einmal jedoch scheint sie ins Nachdenken zu kommen:

"Und dann müssen wir erleben in dieser Woche: Eine fällt nach der anderen um. Eine ist dreimal umgefallen in drei Tagen. Das ist Ursula von der Leyen."

Und die Kanzlerin: Die zeigt ganz klar, was beziehungsweise wer sie interessiert und wer nicht. Die Grüne Göring-Eckart zählt eher zu letzterer Kategorie. Mehr Interesse widmet Angela Merkel ihrem Tablet-PC. Wenn sie Mal lächelt, dann so, als würde sie das, was Göring-Eckhart da sagt, amüsieren und nicht überzeugen.

Ach, und von der Leyen: Bleibt ungerührt. Um 12.17 Uhr die erste Regung: Ursula von der Leyen verschränkt die Arme, eine Hand legt sie ans Kinn. Diese Stellung hält sie dann während der folgenden Redebeiträge. Auch als Gegenspielerin Kristina Schröder ans Pult tritt.

"Es ist schon dreist, wie sich SPD und Grüne hier präsentieren."

Kristina Schröders Redeauftakt hat Angela Merkel verpasst. Sie hatte zuvor das Plenum verlassen. Als sie wieder den Saal betritt hat sich die Familienministerin schon so warm geredet, dass sie sich jetzt nicht mehr den Schwung nehmen lassen will.

"Es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage der Kollegin Bender. Wollen Sie sie zulassen. Nein."

Angela Merkels Gesicht: ein reduziertes Minenspiel. Darin ist nicht zu lesen, wie der Redebeitrag ihrer jungen Kollegin ankam. Ein wenig unzufrieden schaut sie, könnte man meinen.
Ach und von der Leyen: Ein Lächeln. Plötzlich. Einmal:

"Der Antrag betrifft ja auch den Aufsichtsrat von Borussia Dortmund, in diesem Aufsichtsrat sitzt der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück."

Ein Ausrutscher? Umgehend folgt: Zurück zur alten Haltung. Unbewegtes Gesicht. Gerader Oberkörper. Arme verschränkt.
Die laute Rede ihrer Familienministerin scheint Kanzlerin Angela Merkel dann doch gefallen zu haben. Kurzes Nicken, als Kristina Schröder an ihr vorbei Richtung Regierungsbank geht. Ist da ein "gut gemacht" zu erkennen?

Die Debatte geht weiter. Je nach Parteizugehörigkeit der Redner oder Rednerinnen: Zwischenrufe von Koalition oder Opposition. Besonders viel Unruhe dann bei der Landesgruppenchefin der CSU, Gerda Hasselfeldt:.

"Wir haben keinen Nachholbedarf an Partnerschaft in der Politik."

Da reicht es der Kanzlerin: Sie geht zu den Zwischenrufern in der Fraktion der Grünen. Es ist nicht zu verstehen was sie sagt, aber danach schauen die Angesprochenen wie Schulkinder, die beim Tuscheln erwischt wurden – sie lachen noch ein bisschen und halten sich dann zurück. Merkel hat wohl klar gemacht: Die Rede einer der glühendsten Gegnerinnen der Frauenquote darf nicht gestört werden.

Ach und von der Leyen: Bleibt ungerührt. Kristina Schröder hingegen hebt danach kurz den Daumen, so also möchte sie sagen: Gut gemacht, Gerda. Ein Moment soll nicht ungenannt bleiben. Und zwar als zum dritten Mal Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright mit folgendem Satz zitiert wird inklusive der Konsequenzen für die Unionsfrauen. Diesmal von der SPD-Frau Caren Marks,:

"Es wartet ein besonderer Platz in der Hölle auf die Frauen, die es anderen nicht leicht machen. Keine schöne Aussicht, Frau Schröder, Frau Merkel und Frau von der Leyen."

In diesem Moment zum ersten Mal Einigkeit bei den drei Damen: Sie schauen auf und lächeln, als möchten sie sagen: Das glaubst du doch selber nicht. Ansonsten immer das gleich Bild: Schröder hört zu, lächelt ab und an – mal wohlwollend, mal eisig. Die Bundeskanzlerin zeigt hingegen immer nur dann eine Regung, wenn es ihr zu passen scheint. Und von der Leyen:

Am Ende der Debatte wieder eine Farbenspiel, dass klar macht, wer auf welcher Seite steht – auch wenn dann alle gleich votieren: Ursula von der Leyen nimmt ihre graue Handtasche und verschwindet schnell im Pulk der Abgeordneten vor den Wahlurnen – nur noch ihr blonder Haarschopf ist zu sehen – sie stimmt gegen die Frauenquote. Kristina Schröder und Angela Merkel stehen auf zur Abstimmung. Beide mit roter Handtasche. Auch sie stimmen dagegen.

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