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Machtkampf bei Metro

Konzernchef Eckhard Cordes steigt aus

Andreas Kolbe im Gespräch mit Günter Hetzke

Einkaufswagen stehen vor einer Metro-Filiale in Krefeld
Einkaufswagen stehen vor einer Metro-Filiale in Krefeld (AP)

Metro-Chef Eckhard Cordes räumt zum Oktober 2012 seinen Posten. Der angekündigte Rückzug sorgt an der Börse für einen massiven Kurseinbruch. Cordes habe die nötige Rückendeckung und das Vertrauen des Aufsichtsrats gefehlt, sagt Andreas Kolbe aus der DLF-Wirtschaftsredaktion.

Günter Hetzke: Metro ist heute bisher der Tagesverlierer, nachdem gestern bekannt wurde, dass der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes geht. Metro ist der größte deutsche Handelskonzern, zu dem die gleichnamigen Großhandelsmärkte gehören, ebenso wie die Elektronikketten Saturn und Media Markt, die Real-Supermärkte sowie die Warenhauskette Kaufhof. Ein Schwergewicht der Branche also. Warum nimmt Eckhard Cordes den Hut?

Andreas Kolbe: Es ist das fehlende Vertrauen aus dem Aufsichtsrat, Herr Hetzke. Das ist schon in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich geworden, als in der Presse immer wieder Zweifel über eine mögliche Vertragsverlängerung von Eckhard Cordes zu lesen waren. Sein Vertrag läuft ja Ende Oktober kommenden Jahres aus. Die Arbeitnehmervertreter haben kein besonders großes Interesse daran, dass Cordes länger bleibt. Denn er gilt als Manager mit einem zuweilen ruppigen Führungsstil. Außerdem mussten im Zuge der von Cordes aufgelegten Sparprogramme einige Tausend Mitarbeiter den Konzern verlassen. Aber auch bei den Anteilseignern ist Cordes umstritten. Eine Schlüsselrolle spielt da der Duisburger Familienkonzern Haniel, der gut ein Drittel an Metro hält. Cordes war selbst einmal Chef von Haniel, hat 2007 die Beteiligung des Familienkonzerns an Metro massiv ausgebaut und dafür drei Milliarden Euro ausgegeben. Kurz danach ist Cordes auf den Chefsessel bei Metro gewechselt. Der Aktienkurs des Handelsriesen hat sich seit dem nahezu halbiert. Und das sorgt für Unruhe im Haniel-Clan. Cordes habe zu viele Baustellen im Konzern aufgemacht und zu wenige Ergebnisse geliefert, heißt es. Angesichts dieser Kritik fehlt Cordes also die nötige Rückendeckung. Deshalb hat er nun seinen Abgang erklärt.

Günter Hetzke: Welche Baustellen im Konzern sind denn das, an denen noch gearbeitet werden muss?

Andreas Kolbe: Es sind in der Tat einige Baustellen. Zum einen wollte sich Cordes von unrentablen Konzernteilen trennen: Das sind die Kaufhof-Warenhäuser und die Real-Supermärkte. Dafür hat er keinen Käufer gefunden. Außerdem ist eine der Ertragsperlen des Konzerns in Schieflage geraten. Die Elektronikketten Media Markt und Saturn, denn die haben den Einstieg ins Internetgeschäft quasi verschlafen und sind so in die Verlustzone gerutscht. Erst zum heutigen Tag ist Saturn mit einem eigenen Onlineshop gestartet. Und was Cordes auch angelastet wird, ist die Schlammschlacht mit dem Media-Saturn-Gründer Erich Kellerhals. Da geht es um die Frage, ob Metro mit seiner 75-Prozent-Beteiligung an dem Unternehmen durchregieren kann. Kellerhals hatte sich da vertraglich ein Vetorecht festschreiben lassen. Morgen wird das Landgericht Ingolstadt wieder darüber verhandeln. All das ist natürlich auch nicht besonders erfreulich und hat ganz bestimmt nicht dazu beigetragen, dass es bei Metro ruhiger geworden ist.

Günter Hetzke: Weiß man denn schon, wann Cordes sein Amt aufgibt?

Andreas Kolbe: Nein, das weiß man nicht. Er hat wie gesagt einen Vertrag bis Ende Oktober kommenden Jahres. Den will er nicht verlängern. Es ist aber zu erwarten, dass er schon viel eher abtritt. Aber wann er tatsächlich geht, das hängt in erster Linie natürlich davon ab, wann man einen Nachfolger für ihn gefunden haben wird.

Günter Hetzke: Wer folgt? Gibt es im Konzern einen Kronprinzen?

Andreas Kolbe: Das ist schwierig. Es richtigen Kronprinzen im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Olaf Koch, der Name fällt immer wieder. Das ist der Finanzvorstand der Metro. Er könnte als Interimschef fungieren. Allerdings gilt er als Cordes-Vertrauter. Und wenn man den Wechsel an der Spitze will, ist fraglich, ob man dann einen aus dessen Umfeld nimmt.
Daher ist es eher wahrscheinlich, dass man einen erfahrenen Handelsmanager von außen holt. Aber auch das ist schwierig – hat man ja bei Karstadt gesehen, wo man Andrew Jennings schließlich aus Südafrika geholt hat. Allerdings: Viel Zeit wird man sich nicht nehmen können, bei der Suche nach einem Nachfolger. Die Anleger an der Börse sind schon heute nervös, wie sie gesagt haben. Eine Hängepartie, wie vor Kurzem um die Ackermann-Nachfolge bei der Deutschen Bank, die will und kann man sich bei Metro nicht erlauben, vor allem nicht nach all den Querelen der vergangenen Monate.

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