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StartseiteKommentare und Themen der WocheKalkulierte Kuscheltour25.04.2018

Macrons USA-BesuchKalkulierte Kuscheltour

Auf seinem USA-Besuch will der französische Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Donald Trump von der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran abhalten. Kalkulierte Zuneigung werde dafür nicht reichen, meint Torsten Teichmann. Denn die inhaltlichen Differenzen blieben - trotz Verbrüderungen.

Von Torsten Teichmann

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United States President Donald J. Trump leads President Emmanuel Macron of France to the Oval Office during a state visit to The White House in Washington, DC, April 24, 2018. Credit: Chris Kleponis / Pool via CNP Foto: Chris Kleponis/Pool/Consolidated/dpa | Verwendung weltweit (Consolidated)
Macron setzt seine Charme-Offensive von 2017 auf Trumps Territorium fort. Den US-Präsidenten umzustimmen, werde aber nicht einfach, meint Torsten Teichmann. (Consolidated)
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Frankreichs Präsident Macron ist nicht der erste Europäer, der versucht einen amerikanischen Präsidenten zu umgarnen – und das trotz aller ideologischen Differenzen. So hatte zum Beispiel der britische Premier Tony Blair gleiches in der Zeit von George W. Bush versucht. Im Gegenzug für Großbritanniens Unterstützung für den US-Einmarsch im Irak und den Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein erhoffte sich Blair Einfluss in Washington.

Das ging richtig schief. Und auch Präsident Macron kann allein mit kalkulierter Zuneigung keine Probleme lösen oder das Atomabkommen mit Iran retten.

Frankreichs Staatschef Marcon und US-Präsident Trump sehen sich als Outsider, die an die Macht gekommen sind. Macron lud Trump vergangenes Jahr zum Nationalfeiertag ein, weil er die Vorliebe des Amerikaners für Militärparaden kennt. Beim Gegenbesuch in Washington weht endgültig die Fahne der Verbrüderung über dem Weißen Haus. Trump wischt Macron Schuppen vom Jackett. Aber die inhaltlichen Differenzen bleiben.

Position der Europäer inkonsistent

In der Situation kommt Frankreich, das heißt besser gesagt Europa, dem US-Präsidenten entgegen. Macron schlägt vor, das bestehende Atomabkommen mit Iran zu ergänzen. Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben mit dem US-Außenministerium einen Kompromiss ausgearbeitet. Sie wollen mit Iran nun doch über dessen Raketenprogramm und Teherans Einfluss in der Region, zum Beispiel in Syrien und Jemen reden. Womöglich drohen auch wieder Sanktionen.

Zentrale Fragen können die Europäer aber nicht beantworten. Zum Beispiel, was die neuen Gespräche von der Neuverhandlung des bestehenden Atomabkommen unterscheidet, wenn US-Präsident Trump doch beides immer wieder in einen Zusammenhang stellt? Warum sollte sich Iran auf Gespräche einlassen? Der Eindruck entsteht, die Europäer würden den Druck, den sie aus Washington bekommen, nur weitergeben.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben selbst zu diesem Bild beigetragen. Sie hätten nach den Verhandlungen über das Atomprogramm sofort neue Gespräche über Teherans Rolle in der Region aufnehmen müssen. Jetzt aber sieht es so aus, als habe Trump die Europäer unter Zugzwang gebracht.

Blair erhielt für seine Gefolgschaft beim Irakkrieg nichts

Was könnten die USA dem Regime in Teheran für neue Gespräche anbieten? Ist Trump überhaupt bewusst, dass neue Abkommen auch einen Preis haben, den nicht nur eine Seite zahlt?

Und selbst wenn Europa mit einem Kompromiss eine Konfrontation mit den USA vermeidet, ist unklar, ob Präsident Trump nicht doch noch den Atomdeal mit Iran einseitig aufkündigt und Sanktionen wieder in Kraft setzt.

Dann aber würde Macrons Kuscheltour durch Washington rückblickend ziemlich albern aussehen. Zur Erinnerung: Der britische Premier Blair erhielt nichts für seine Gefolgschaft während des Irakkrieges. Blair endete als "Bushs Pudel", als Schoßhund, der selbst in kleiner Runde offenbar nicht mehr fähig war, Differenzen anzusprechen.

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