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StartseiteKommentare und Themen der WocheMacron ist im politischen Olymp angekommen08.05.2017

Märchenhafter AufstiegMacron ist im politischen Olymp angekommen

Emmanuel Macron erklärte Frankreichs Parteienlandschaft für überholt, verkündete die Erneuerung und wurde im ersten Anlauf Präsident. Die Versuchung sei groß, sich einen grandiosen Fortgang dieser Karriere auszumalen, kommentiert Jürgen König. Immerhin habe Macron bisher alles richtig gemacht.

Von Jürgen König

Brigitte und Emmanuel Macron (afp / Eric Feferberg)
Brigitte und Emmanuel Macron am Wahlabend (afp / Eric Feferberg)
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Es war das Bild des Abends. Emmanuel Macron im eleganten Mantel tritt gemessen-feierlichen Schrittes zu den Klängen der "Europahymne" - nämlich Beethovens "Ode an die Freude" – hinein ins Licht, in den Innenhof des Louvre, des alten Königsschlosses, wo eine jubelnde Menge ihn - fahnenschwingend - seit langem schon sehnsüchtig erwartet.

Emmanuel Macron ist "en marche" - auf allen Fernsehkanälen live übertragen, dauert dieser Gang vier lange Minuten – ein monarchisches Bild, wie es ein Francois Mitterand nicht grandioser hätte zelebrieren können. Frankreich brauche eine "présidence jupitérienne", eine "jupitergleiche Präsidentschaft", hatte Macron schon im Oktober in einem Interview gesagt – gestern lieferte er die Bilder dazu.

Die Botschaft ist klar: Wo Francois Hollande ausdrücklich ein 'normaler Präsident' sein wollte, will Emmanuel Macron das entschieden nicht sein. Dem Präsidentenamt seine herausgehobene Rolle und seine Würde zurückzugeben: das ist Emmanuel Macron wichtig.

Entsprechend war er nach seinem Sieg auch nicht als erstes vor seine Anhänger getreten, sondern hatte sein Selbstverständnis als Präsident in einer Fernsehansprache zu erkennen gegeben, die zwei Botschaften enthielt: Er werde sich um das Wohlergehen aller Franzosen kümmern, werde um das Vertrauen auch derer kämpfen, die ihn nicht gewählt hätten - und: Alle bestehenden internationalen Verpflichtungen Frankreichs, etwa beim Klimaschutz und der Terrorbekämpfung, werde er einhalten. 

Ein märchenhafter Aufstieg - wie geht es weiter?

Auf den Millimeter genau inszenierte Macron seine Auftritte - so wie er in seiner gesamten Kampagne nichts dem Zufall überlassen hatte. Sein Aufstieg hat etwas Märchenhaftes: ein 38-jähriger Politiker, der schon Banker und Philosoph gewesen war, erklärt die  französische Parteienlandschaft für überholt, gründet mit dem Ziel der vollständigen Erneuerung des politischen Lebens in Frankreich eine Internet-Plattform, aus der er innerhalb eines Jahres eine landesweit agierende Bewegung macht, am Ende dieses Jahres wird er, gleich im ersten Anlauf, zum Präsidenten der Republik gewählt.

Man ist versucht, sich einen märchenhaften Fortgang der wundersamen Geschichte auszumalen, die ja gut begann: Das Wahlergebnis fiel deutlich aus - die Franzosen haben sich klar für eine offene Gesellschaft, für ein europäisches Frankreich ausgesprochen.

Emmanuel Macron - ein Glücksfall für Europa? Ja – er könnte es werden. Dass er seinen ersten präsidialen Auftritt musikalisch der europäischen Idee widmete: auch das ein starkes Zeichen. Emmanuel Macron - ein Glücksfall für Frankreich? Vielleicht. Die Aufgaben sind gewaltig: ein innerlich zerrissenes Land, wirtschaftlich in Nöten und mit einem politischen System, das durch Macrons Wahl tatsächlich vor der "vollständigen Erneuerung" steht. Aber wer weiß.

Der "jupitergleiche" Präsident hat bisher mit traumwandlerischer Sicherheit alles richtig gemacht. Wünschen wir ihm Glück. 

(Deutschlandradio/ Bettina Straub)Jürgen König (Deutschlandradio/ Bettina Straub)Jürgen König, geb. 1959, Journalist, Autor, Moderator. Studierte Musikwissenschaft und Neue deutsche Literatur in Hamburg und Berlin. Von 1991 bis 1996 freier Kulturkorrespondent in Paris, seither für Deutschlandradio tätig als Redakteur und Moderator, Kulturkorrespondent im Hauptstadtstudio von 2010 bis 2013, im Anschluss Redaktionsleiter von "Studio 9 - Kultur und Politik". Seit Januar 2016 Korrespondent in Paris.

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