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StartseiteSport am WochenendeMakudi und die Fußball-TV-Rechte23.02.2012

Makudi und die Fußball-TV-Rechte

Handelte auch der thailändische FIFA-Vorständler mit WM-Rechten?

Erst kürzlich hat der langjährige FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad den amtierenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter der Korruption beschuldigt. Blatter soll Warner über Jahrzehnte mit den TV-Rechten an Weltmeisterschaften für den karibischen Raum bedient haben. Es gibt dafür zahlreiche Dokumente, die FIFA streitet derlei Absprachen dennoch ab. Ähnliche Vorwürfe werden nun auch in Thailand laut, wo ein anderes FIFA-Exekutivmitglied zu Hause ist.

Von Jens Weinreich

Worawi Makudi von der FIFA (picture alliance / dpa /  Rungroj Yongrit)
Worawi Makudi von der FIFA (picture alliance / dpa / Rungroj Yongrit)

Der Thailänder Worawi Makudi zählt seit zwei Jahrzehnten zu Blatters Parteigängern. Ähnlich wie der inzwischen zurückgetretene Jack Warner unternimmt auch Makudi im Fußball zahlreiche Privatgeschäfte und ist dauerhaft in Skandale verstrickt. Im Dezember wurde er von der FIFA mit fadenscheinigen Argumenten vom Vorwurf reingewaschen, er habe mit Entwicklungshilfegeldern den Wert eigener Ländereien in Thailand aufgewertet. Der Wahrheitsgehalt der FIFA-Behauptungen ist nicht zu überprüfen, unter anderem weil es im thailändischen Verband keine ordnungsgemäße elektronische Buchführung gibt und weil Makudi in seiner Heimat politisch geschützt wird.

Dem Deutschlandfunk liegen zahlreiche Dokumente zu Makudis Geschäften vor, etwa die aktuellen Bilanzen seiner in Manchester angesiedelten Investmentfirma. Schlagzeilen machen seit langem auch seine TV-Deals. So soll er während der deutschen Bewerbung für die WM 2006 Zahlungen aus dem Reich des damaligen TV-Rechtehändlers Leo Kirch erhalten haben. In anderen Ländern, etwa England, hat er bei Spielen seiner Nationalmannschaft ebenfalls an TV-Verträgen verdienen wollen.

Die große Frage ist, ob der FIFA-Vorständler Makudi – wie Jack Warner – selbst mit WM-Rechten handelt. Viel weist darauf hin, dass er hinter der Firma "Inter Broadcasting and Sport Challenges" steht, die die WM-Rechte 2010 und 2014 vermarktet. Weder die FIFA noch Makudi beantworteten dazu einen Fragenkatalog. Ein Vorvertrag der FIFA mit "Inter Broadcasting" wurde im September 2005 natürlich von Joseph Blatter unterschrieben, der FIFA-Präsident hat Alleinprokura, der Kontrakt wurde von den FIFA-Juristen abgesegnet. Demnach zahlte "Inter Broadcasting" für 2010 vier Millionen Dollar und für die WM 2014 in Brasilien fünf Millionen Dollar. "Inter Broadcasting", offenbar eine Scheinfirma, hat erste Anzahlungen pünktlich auf ein UBS-Konto der FIFA überwiesen.

Erstaunlicherweise werden die WM-Rechte in Asien allerdings sonst von der japanischen Firma Dentsu vermarktet – Thailand macht eine Ausnahme. Nach Berichten ehemaliger ranghoher FIFA-Mitarbeiter soll das ein Dankeschön an Makudi sein. Die FIFA lässt seit Monaten Fragen dazu unbeantwortet. Makudi äußerte sich auf Anfrage ebenfalls nicht. Inzwischen hat sich Makudi allerdings mit Niclas Ericson getroffen, TV-Direktor der FIFA. In der intensiven Unterredung ging es offenbar auch darum, wie lästige Recherchen zu den thailändischen TV-Rechten erschwert werden können.

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