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Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteHintergrund"Man verbittert die Menschen"01.03.2013

"Man verbittert die Menschen"

Syrische Opposition fühlt sich vom Westen im Stich gelassen

Der Krieg in Syrien nimmt kein Ende. Während die Armee von Präsident Assad versucht, die Menschen zu demoralisieren, möchte die Opposition die Verhältnisse stabilisieren. Der Westen ist verunsichert und scheint den Überblick über die Situation längst verloren zu haben.

Von Kristin Helberg

Ahmed Muadh al-Khatib ist Vorsitzender der Oppositionsformation "Nationale Koalition" (picture alliance / dpa)
Ahmed Muadh al-Khatib ist Vorsitzender der Oppositionsformation "Nationale Koalition" (picture alliance / dpa)

Manbij im Januar 2013. Die seit Monaten befreite Stadt im Norden Syriens hat prominenten Besuch. Das Puppentheater "Top Goon" spielt bei einer Demonstration. Die seit Beginn der syrischen Revolution im Internet auftretenden Fingerpuppen sind inzwischen Kult. Vor allem "Bishu", der lächerliche lispelnde Diktator, bringt die Syrer zum Lachen.

Doch es geht nicht nur um Unterhaltung, sagt Regisseur Jamil. Die Künstlergruppe zeichnet den syrischen Aufstand in all seinen Facetten nach: die Brutalität des Regimes, die Vielfalt der Protestbewegung, die Psyche von regimetreuen Milizionären und die Rolle des bewaffneten Widerstands. In Manbij kam das gut an, erinnert sich Jamil:

"Auf Demos geht es ja immer laut zu, die Leute rufen und singen. Aber als wir mit der Vorführung anfingen, wurde es ganz still. Alle haben zugehört und sich konzentriert. Kunst zerschlägt diesen Zustand von Isolation und Trauer, sie gibt Kraft. Deswegen kannst du nicht sagen, jetzt ist nicht der richtige Moment dafür. Wir sollten nichts aufschieben, denn alles im Leben ist wichtig: Brot, Kunst, Politik und Selbstverteidigung – alles zusammen."

Jamil heißt in Wirklichkeit anders. Seitdem der Geheimdienst nach ihm sucht, lebt er in Beirut. Mehr als ein Jahr war er nicht in Syrien gewesen, die Einladung zu einem Kunstfestival in der Provinz Aleppo war für den Aktivisten die lang ersehnte Chance, die Lage in den befreiten Gebieten selbst zu erkunden. Der Nordwesten Syriens steht inzwischen weitgehend unter der Kontrolle der oppositionellen Freien Syrischen Armee, kurz FSA. Jamil hatte sich auf großes Chaos eingestellt und wurde überrascht:

"Das Leben geht weiter, die Leute feiern Hochzeiten. Es gibt eine gewisse Ordnung, die Freie Syrische Armee ist vielerorts präsent und kümmert sich. Was mich optimistisch macht, sind die Menschen dort, die Zivilgesellschaft. Sie haben ein großes Bewusstsein und Verständnis für die politische Lage. Jeder vertritt seine Meinung und diskutiert sie mit anderen. Die Leute reden über Religion, über die Diktatur, über Syriens Zukunft. Überall wird diskutiert, selbst in den Minibussen. 40 Jahre lang war das verboten und jetzt reden sie völlig frei und ohne Grenzen."

Der SPIEGEL-Korrespondent Christoph Reuter hat Manbij schon öfter besucht. Neun Mal war er während der vergangenen zwei Jahre in Syrien unterwegs, wie kaum ein anderer deutscher Journalist kann er sich deshalb ein Bild von den örtlich sehr unterschiedlichen Entwicklungen machen. Vor allem die befreiten Gebiete kennt Reuter inzwischen gut. Vergangenen Sommer war er beeindruckt von der Selbstverwaltung der Stadt Manbij:

"Ein Revolutionsrat, der sich um Müllabfuhr kümmerte, um solche Dinge wie Dezentralisierung der Brotverteilung, weil die Brotschlangen bombardiert werden, oder wohin evakuieren wir die Gerichtsurkunden, die gesamten Katasterurkunden, weil auch die Ämter bombardiert werden. Sehr elaboriert und es funktionierte relativ gut. Nur dann fing das Regime an, genau diese Orte, die relativ gut funktionierten, zu bombardieren, und da haben sie weniger die FSA, die Freie Syrische Armee, bombardiert, sondern sie haben sehr zielgerichtet die Getreidespeicher bombardiert, die Bäckereien, die Einwohnermeldeämter, die Rathäuser bis hin zum Fuhrpark der Müllabfuhr, um die gesamte Infrastruktur zu zerstören. Das tun sie sehr planmäßig und mit Ankündigung. Wo die Armee gewesen ist, zum Beispiel in ganz vielen Dörfern der Provinz Idlib, haben sie, nachdem sie für ein, zwei Tage den Ort gestürmt, verwüstet, zum Teil abgebrannt haben, fast immer ein Graffiti hinterlassen, unter anderen: "Assad für immer!" oder: "Wir brennen das Land nieder!" Und das tun sie jetzt."

Dabei schreckt das Regime vor fast nichts zurück. Überall dort, wo es nicht mehr mit Truppen und Milizen präsent ist, kommt der Terror aus der Luft. Kampfjets und Helikopter werfen Streubomben, Raketen oder mit TNT gefüllte Fässer ab. Seitdem die Rebellen zunehmend Flugzeuge abschießen, setzt das Regime sogar Kurzstreckenraketen wie die russischen Scuds gegen die eigene Bevölkerung ein. In Damaskus gezündet, zerstören diese dann in Aleppo ganze Häuserblocks.

Damit kann Präsident Bashar Al Assad zwar nicht die Kontrolle über die befreiten Gebiete zurückgewinnen, aber er kann verhindern, dass dort eine stabile alternative Ordnung entsteht. Militärisch sei das Regime nach wie vor in der Übermacht, meint der libanesische Politikwissenschaftler Fawwas Traboulsi von der Amerikanischen Universität Beirut:

"Bashar Al Assad kontrolliert aus seiner Sicht die Hauptstadt, den größten Teil der Armee und das, was vom Staat noch übrig ist. Niemand im Ausland hat ihn als Repräsentanten Syriens wirklich infrage gestellt. Das zeigt, wie viel Druck es braucht, um ihn überhaupt zum Verhandeln zu bewegen. Ich glaube, das syrische Regime ist so eisern, dass es eher zerbricht als Zugeständnisse macht."

Der Druck müsste sowohl diplomatisch als auch militärisch wachsen, sagt der 64-Jährige Politikprofessor. Im Klartext bedeutet das zweierlei: mehr Legitimität, Geld und strukturelle Unterstützung für die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, das derzeit breiteste Bündnis der Assad-Gegner; und bessere Waffen für diejenigen Einheiten der Freien Syrischen Armee, die mit der Nationalen Koalition zusammenarbeiten und radikalen Rebellengruppen die Stirn bieten.

Bei ihrer Konferenz in Rom haben die so genannten "Freunde Syriens" gestern konkrete Hilfe beschlossen. Die USA überweisen der Nationalen Koalition 60 Millionen Dollar, damit diese in den befreiten Gebieten staatliche Strukturen aufbauen kann. Außerdem wird Washington erstmals die Rebellen direkt unterstützen, zwar nicht mit Waffen, aber mit Lebensmitteln, Medikamenten und nicht-tödlichem Militärgerät. Damit will der Westen einen schnelleren politischen Übergang herbeiführen. Solange jedoch die Machtbalance nicht zugunsten der Opposition kippt, werde Assad nicht verhandeln, meint Politologe Traboulsi. Solange wird deshalb auch der Krieg weitergehen und mit ihm die Verzweiflung der Menschen in Syrien, fürchtet der syrische Aktivist Mustafa Haid:

"In schweren Zeiten radikalisieren sich die Menschen. Wenn es kein Gesetz und keinen Staat mehr gibt, nicht mal internationale Hilfe, dann definieren sich die Leute über ihren Stamm, ihre Region oder ihre Konfession. Es gibt jetzt viele religiöse Gruppen. Gemäßigte und radikale, jihadistische und versöhnliche. Die Zeit arbeitet zugunsten der radikalen Gruppen, das ist die Gefahr."

Haid hat eine Nichtregierungs-Organisation gegründet: "Daulati", zu Deutsch "mein Staat". Bisher fanden Workshops zu zivilgesellschaftlichen Themen in Beirut oder Kairo statt. Jetzt plant der 33-jährige Soziologe, in den befreiten Gebieten zu arbeiten, um dem Einfluss der Radikalen etwas entgegenzusetzen. Politische Bildung, Übergangsjustiz und gesellschaftlicher Frieden stehen dabei im Vordergrund.

Zahlenmäßig sind radikal-islamische Einheiten nur eine Minderheit. Auf fünf bis zehn Prozent schätzen Beobachter im Land ihren Anteil. Das bestätigt auch Jamil. In Manbij seien von den etwa 60 bewaffneten Gruppen nur drei radikal-islamisch, sagt der Regisseur.

"Bis jetzt haben radikale Gedanken noch keine Wurzeln in der Gesellschaft geschlagen. Syrer sind grundsätzlich gemäßigt, sie sind religiös, aber nicht radikal. Einem Dieb die Hand abzuhacken, ist in Syrien unvorstellbar. Religion und Gott sind allgegenwärtig wie überall in der arabischen Welt, aber nicht dieser radikale Islam."

Dass jihadistische Gruppen die Berichterstattung über Syrien dominieren, habe mit ihrer finanziellen Ausstattung zu tun, erklärt Christoph Reuter. Die Nusra-Front beispielsweise, die wegen angeblicher Kontakte zu Al Qaida im Irak auf der Terrorliste der USA steht, habe mehr Geld, bessere Waffen und mache effektive PR-Arbeit. In Wirklichkeit sei sie jedoch viel schlechter organisiert als die Freie Syrische Armee, sagt Reuter:

"Die FSA hat eine zwar chaotische, aber halbwegs funktionierende Struktur. Es gibt große Kommandeure wie die Vorsitzenden des Militärrates von Aleppo, die tatsächlich Tausende Männer unter sich haben. Mit denen kann man reden, mit denen kann man verhandeln, die könnte man unterstützen. Das passiert aber so gut wie gar nicht. Und die Islamisten haben Geld und können sich positionieren, müssen nicht plündern, können als Wohltäter auftreten, und die FSA hat dieses Geld nicht, und das ist eine Gefahr. Man macht die Islamisten stärker, obwohl man sie eigentlich schwächer haben wollte."

So musste die Freie Syrische Armee in Aleppo kürzlich Mehl verkaufen, um an Waffen zu kommen. Die Nusra-Front kaufte das Mehl auf, backte Brot und verteilte dieses an die Bevölkerung. Dieses humanitäre Engagement verschafft den Jihadisten gesellschaftliches Ansehen, auch wenn ihre radikalen Ideen den meisten Syrern Angst machen.

Neben 70 Prozent Sunniten leben in Syrien zwölf Prozent Alawiten, zwölf Prozent Christen und weitere kleinere Minderheiten wie Drusen und Ismaeliten. Nach zwei Jahren Gewalt nehmen Misstrauen und Hass in der Bevölkerung zu, die Angst vor einem Bürgerkrieg ist real. Noch bekämpfen sich die verschiedenen Religionsgruppen nicht gegenseitig, betont Aktivist Jamil.

"Innerhalb des Landes wird jeder Syrer, dem du was von konfessionellem Bürgerkrieg erzählst, lachen. Denn alle wissen, dass das kein Krieg zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist. Die Konfessionen bekämpfen sich nicht. Die Drusen kämpfen nicht gegen die Sunniten und die Sunniten bekämpfen nicht die Alawiten. Alle sagen dir, es gibt nur zwei Konfessionen im Land: das Volk und das Regime."

Ziel des Regimes ist es jedoch, mehrere Fronten aufzumachen. Wenn Islamisten gegen Alawiten hetzen und arabische Rebellen gegen kurdische Milizen kämpfen, zersetzt sich der Widerstand und das Ausland verliert den Überblick und das Interesse.

Schon jetzt zögert der Westen, weil unklar ist, was nach Assad kommt. Die Sorge in Brüssel und Washington gilt vor allem den Minderheiten. Christen könnten vertrieben, Alawiten, zu denen die Familie Assad gehört, könnten aus Rache umgebracht werden. Jamil empfindet diese Haltung wie die meisten seiner Landsleute als zynisch:

"Die ganze Zeit reden wir von zukünftigen Massakern an Alawiten oder anderen Minderheiten und vergessen dabei die Massaker, die jetzt stattfinden. Jeden Tag sterben 200 bis 300 Menschen, das sind reale Massaker des Regimes. Wo ist unser Gewissen? Wie können wir diese aktuellen Massaker erlauben, nur, weil wir Angst vor zukünftigen Massakern haben? Das ist doch unlogisch."

Auch SPIEGEL-Korrespondent Reuter findet den westlichen Fokus auf die Minderheiten absurd. Vor allem die Sorge um die Christen hält er für unberechtigt. Seinen Erfahrungen zufolge gibt es in Syrien bislang keine systematische Verfolgung von Christen.

"Für Alawiten hören wir das regelmäßig, von Leuten, die sagen, Alawiten, das geht hier nicht mehr, die müssen hier weg. Das mündet dann oft im Streit, ein FSAler sagt "die bringen wir alle um" und der nächste sagt "Aber was hat die arme alawitische Mutter, die da sitzt, dir denn getan?" oder "Mit den Dörfern konnten wir doch früher, die sind genauso Opfer wie wir, haben es nicht geschafft sich zu wehren". Über Alawiten hört man das oft, über Christen haben wir das nicht einmal gehört."

Wie groß die Angst der Alawiten ist, weiß Osama, ein junger alawitischer Deserteur, dessen echter Name geheim bleiben muss. Seine Vorgesetzten hatten ihn als vermeintlich Assad-treuen Alawiten im militärischen Geheimdienst eingesetzt. Über die Grausamkeiten, die er dort mit ansehen musste, kann der 34-Jährige bis jetzt nicht reden. Vor zwei Monaten floh er über die Grenze in den Libanon – nicht einmal seine Familie weiß, wo er ist. Die Wohnung verlässt der große Mann mit dem kurzen Vollbart nur selten, nirgendwo fühlt sich Osama sicher.

"In unserer Einheit gibt es Alawiten und Sunniten. Bei öffentlichen Versammlungen reden sie davon, dass Terroristen aus dem Ausland gekommen sind und die Religion benutzen, um Syrien zu zerstören wegen Israel. Aber wenn ein General nur mit Alawiten und anderen Minderheiten zusammen ist, sagt er: "Ich vertraue diesen Sunniten nicht, ich vertraue nur dir, als Alawit, Druse oder Christ." Da werden unglaublich dumme und lächerliche Geschichten erzählt."

Mit dieser konfessionellen Hetze versuche das Regime, die Gesellschaft zu spalten und die Minderheiten an sich zu binden. Aber am Ende schade es sich selbst, meint Osama. Denn die Armee, die überwiegend aus Sunniten bestand, löse sich zusehends auf.

"Die Armee ist von innen zerfressen und sehr schwach. Aber es gibt einen entschlossenen Kern, der schwere Waffen besitzt und diese auf brutale Weise einsetzt. Die Soldaten entdecken, was hinter ihren Rücken gespielt wird und desertieren. Sie werden auch die Alawiten verlieren, denn auf die gefährlichen Posten schicken sie keine Sunniten mehr, weil sie ihnen nicht vertrauen. Sie schicken also Alawiten, die am Ende sterben. In den alawitischen Dörfern sehen die Menschen diese ganzen Opfer und fragen sich wozu? Sie verstehen allmählich, was das Regime da macht."

Allerdings herrsche unter den Alawiten im Küstenhinterland regelrecht Panik, erzählt Osama. In den Dörfern dort gebe es keine Sunniten, ihre alawitischen Bewohner seien deshalb überzeugt, dass Syriens Sunniten sie alle umbringen wollten. Der Opposition wirft er vor, diese einfache alawitische Landbevölkerung zu ignorieren.

"Es wäre die Verantwortung der Opposition gewesen, von Anfang an über alles zu reden. Den einfachen Leuten Sicherheit zu geben, sie aufzuklären und zu informieren, damit sie verstehen, was da passiert. Aber selbst die alawitischen Oppositionellen haben sich geweigert, über Konfession zu reden. Bis heute hat niemand einen Weg gefunden, diese einfachen Alawiten zu erreichen und ihnen zu erklären, dass das Regime sie nur benutzt."

Auch Politologe Fawwas Traboulsi kritisiert die Rhetorik syrischer Oppositioneller als zu allgemein. Die Einheit des syrischen Volkes zu beschwören helfe nicht mehr weiter, die Nationale Koalition müsse die Situation und Ängste der Minderheiten ernst nehmen und diese viel konkreter ansprechen. Allen voran die zwei Millionen Kurden und die Alawiten.

"Der Slogan "das syrische Volk ist eines" ist noch kein politisches System. Wenn Oppositionelle nicht mal die Existenz eines kurdischen Problems anerkennen, dann laden sie die Kurden nur dazu ein, sich weiter zu radikalisieren. Was ich lese, sind Aufforderungen an die Alawiten, sich von Bashar loszusagen, aber dafür musst du ihnen etwas für die Zukunft versprechen."

Immerhin will die Nationale Koalition nun eine alternative Regierung und einen Ministerpräsidenten wählen, die nicht mehr außerhalb Syriens, sondern in den befreiten Gebieten arbeiten sollen. Ein wichtiger Schritt, meint Mustafa Haid von der Nichtregierungsorganisation Daulati:

"Die Nationale Koalition muss vor Ort etwas bewirken. Die Menschen in den befreiten Gebieten brauchen eine politische Führung IM Land, nicht außerhalb. Die Politiker müssen unter den gleichen Bedingungen leben wie sie, damit das, was sie sagen, realistisch ist."

Auch humanitär müsse deutlich mehr passieren, sagt Journalist Christoph Reuter. Er sieht bei seinen Recherchen viele beeindruckende Projekte lokaler Selbstverwaltung, die regelmäßig am Geld scheitern. Bäckereien brauchen Mehl, Müllfahrzeuge und Krankenwagen Diesel und Ersatzteile, Krankenhäuser brauchen medizinisches Gerät, Schulen neue Fenster und Möbel. Die EU sollte schnell und unbürokratisch mit den Revolutionsräten in den befreiten Gebieten und internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, um das Leid der Menschen zu lindern, fordert Reuter.

Angesichts der Zerstörung des Landes, der zunehmenden Militarisierung und drohenden Radikalisierung der Gesellschaft hält der SPIEGEL-Korrespondent einen schnellen und klaren Sieg der Freien Syrischen Armee für das derzeit beste Szenario. Mit jeder Woche, die der Krieg andauere, wachse die Gefahr, dass Syrien tatsächlich in einen konfessionellen Bürgerkrieg abgleite und die Region insgesamt destabilisieren könnte, fürchtet Reuter.

"Wenn der Westen Einfluss nehmen möchte darauf, was in Syrien geschehen wird, dann wären sie klug beraten, jetzt die FSA zu unterstützen und nicht nur mit Funkgeräten und Nachtsichtgeräten, sondern mit Waffen. Weil siegen werden die Aufständischen sowieso. Aber wenn man Einfluss darauf nehmen möchte, was danach wird, dann sollte man die unterstützen, die ein Syrien wollen, das wie die Türkei sein wird, eine Demokratie mit islamischer Färbung, aber keine Diktatur. Und das sollte man sehr rasch tun. Man verbittert die Menschen, die man doch eigentlich gewinnen wollte. Die vor allem für das antreten, für das Herr Westerwelle und andere nominell immer antreten, nämlich Gerechtigkeit, Würde, Freiheit."

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