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Seit 14:30 Uhr Nachrichten
StartseiteInterviewManfred von Richthofen: Sport und Politik darf man nicht trennen07.08.2008

Manfred von Richthofen: Sport und Politik darf man nicht trennen

DOSB-Ehrenvorsitzender: Internationales Olympisches Komitee überschätzt sich teilweise

Manfred von Richthofen, Ehrenvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB, hätte sich bessere und konkrete Absprachen des IOC mit der chinesischen Führung gewünscht, was beispielsweise die Pressefreiheit angeht. Man müsse nun wissen, dass Sport und Politik nicht getrennt behandelt werden dürfen.

Manfred von Richthofen im Gespräch mit Björn-Oliver Heckmann

Der Ehrenvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes(DSB), Manfred von Richthofen (AP)
Der Ehrenvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes(DSB), Manfred von Richthofen (AP)

Björn-Oliver Heckmann: Und am Telefon begrüße ich Manfred von Richthofen, früher Präsident des Deutschen Sportbunds, jetzt Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. Schönen guten Morgen.

Manfred von Richthofen: Guten Morgen.

Heckmann: Herr von Richthofen, die Aufregung um die Niederschlagung des Aufstands der tibetischen Mönche hat sich gelegt. Morgen also die offizielle Eröffnungsveranstaltung, die an Farbenträchtigkeit nichts zu wünschen übrig lassen dürfte. Löst sich am Ende also alles in Wohlgefallen auf?

von Richthofen: Das wissen wir nicht. In jedem Fall wünschen wir unseren Athleten alles erdenklich Gute. Und eins muss man natürlich heute schon sagen: Nur durch die Vergabe der Spiele nach Peking sind zumindest wichtige Menschenrechtsfragen in die Öffentlichkeit gelangt, die bisher eine Dornröschenzeit eigentlich einläuteten, aber in der Zwischenzeit sind alle wach geworden, wach geworden erfreulicherweise. Und nun hoffe ich, dass die Chinesen auch auf eine gute Außendarstellung Wert legen. Das bedeutet, dass die Journalisten frei berichten können.

Heckmann: Auf der anderen Seite hat der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung gerade eben bei uns im Programm, Günter Nooke, gesagt, dass in dem ein oder anderen Punkt sogar Verschlechterungen bei den Menschenrechten eingetreten sind, auch jetzt dadurch, dass die Olympischen Spiele in Peking stattfinden.

von Richthofen: Das ist eine traurige Zwischenbilanz. Ich schätze den Herrn Nooke sehr, der ja selber auch gelitten hat unter dem Regime der DDR. Und insofern ist er natürlich sehr hellhörig und all dieses muss uns schon wachrütteln und muss hauptsächlich diejenigen wachrütteln, die bisher sehr zurückhaltend argumentierten. Weshalb soll man nicht die Chinesen auch an Versprechen erinnern, die sie gegeben haben bei der Vergabe der Spiele? Und das war in Moskau.

Heckmann: Und da sind wir an einem Punkt, den Sie eben gerade ja auch schon angesprochen haben: Die Recherchemöglichkeit der Journalisten. Die wurden ja, anders als angekündigt, eingeschränkt. Viele Seiten sind in den ersten Tagen gesperrt worden. Dann hieß es plötzlich, dass diese Zusage eben, dass Journalisten frei recherchieren dürften, sich eben nur auf Sportangebote im Internet beziehen würde und eben nicht auf sämtliche Bereiche des politischen Lebens. Hat das IOC da aus Ihrer Sicht immer mit offenen Karten gespielt?

von Richthofen: Also, ich kann es nicht beurteilen. Beurteilen kann ich natürlich, dass hochprofessionelle kommunistische Funktionäre auf der einen Seite für die Spiele mit die Verantwortung tragen und auf der anderen Seite eben Leute aus der Wirtschaft weitgehend, oder aus der Sportorganisation, die sich da zusammensetzen im IOC. Ich habe manchmal den Eindruck, dass man bei solchen Gesprächen eine schlechte Position einnimmt, weil man eben die Cleverness, die Schlitzohrigkeit nicht täglich so praktiziert, wie es eben auch in der Politik nötig ist. Und insofern ist eine Organisation wie das IOC immer in einer relativ schlechten Position.

Heckmann: Liegt das nur an der Schlitzohrigkeit der chinesischen Seite, wie Sie sagen, oder liegt es nicht auch daran, dass das IOC eben auch bestimmte Verschlechterungen eben nicht so wahrhaben will, wie das vielleicht nötig wäre? Und macht sich das IOC nicht da zum Apologeten der chinesischen Menschenrechtspolitik?

von Richthofen: Ja, manchmal hat man eben den Eindruck, dass doch das IOC sich teilweise auch überschätzt. Letzten Endes ist es die Veranstaltungsorganisation der größten Festspiele des Sports. Und nicht mehr und nicht weniger. Und wenn man also ständig die Ideale auf den Lippen führt, dann muss man natürlich auch ein bisschen tiefer graben und sagen, welche Ideale sind es? Sind es nicht auch die Ideale der Freiheit? Sind es nicht auch die Ideale der Menschenrechte? Sind es nicht auch die Ideale der Religionsfreiheit, und, und, und, die mit hinzugehören, oder beschränke ich mich auf die Veranstaltung dieser Spiele?

Heckmann: Man hat in der Tat manchmal das Gefühl, dass eben diese Ideale, die Sie gerade angesprochen haben, da unter die Räder zu geraten drohen bei der Interpretation der derzeitigen Situation. Michael Vesper, Herr von Richthofen, der Generaldirektor des DOSB, hat darauf hingewiesen, dass in anderen Ländern auch Internetseiten gesperrt seien, wie in China, betreffend Inhalte, die rechtsradikaler Natur sind, oder eben wo Kinderpornographie beispielsweise abrufbar sei. Später hat er dann zurückgerudert und hat gemeint, er wollte diese beiden Phänomene nicht auf eine Stufe stellen. Dennoch die Frage, Herr von Richthofen: Wie ist es zu erklären, dass man zu einem solchen Vergleich kommt?

von Richthofen: Das war wohl ohne Zweifel ein Ausrutscher und viele Erklärungen von ihm wären sicher besser, würden sie nicht gegeben. Aber dennoch kann man nur sagen, dieser Vergleich ist, in diesem Zusammenhang, völlig unangebracht.

Heckmann: Viele Erklärungen, sagten Sie. Fallen Ihnen denn noch andere Beispiel ein von Äußerungen von Michael Vesper, die eben so nicht hätten gesagt werden sollen?

von Richthofen: Ja, es sind die Entschuldigungen. Die Entschuldigungen, von denen ich meine, dass man eben stärker in die Offensive zurückzugehen hat. Und jemand, der aus der Politik kommt, und der gar nicht aus dem Sport kommt, muss eigentlich diese Linie steuern und mit Interesse registriere ich, dass also auch die Parteifreunde von ihm an seinem etwas zurückhaltenden und zaghaften Stil Kritik üben.

Heckmann: Das heißt, Michael Groß, der gesagt hat, das IOC und die Sportfunktionäre insgesamt verraten zum Teil ihre Ideale, der hat nicht ganz Unrecht aus Ihrer Sicht?

von Richthofen: Ja, das ist eine harte Formulierung, aber Michael Groß ist bekannt für eine deutliche Sprache.

Heckmann: Abschließend gefragt, Herr von Richthofen, war es ein Fehler, die Spiele an eine Diktatur zu vergeben?

von Richthofen: Es war vielleicht ein Fehler, nicht zu klaren Absprachen zu kommen, die also auch jedermann bekannt gemacht wurden. Hier hätte ich mehr Klarheit, mehr Deutlichkeit doch erwartet von denjenigen, die nun endlich wissen müssen, dass Sport mit Politik sehr wohl was zu tun hat und man dieses nicht trennen darf.

Heckmann: Der Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbunds Manfred von Richthofen live hier im Deutschlandfunk. Herr von Richthofen, danke Ihnen für das Gespräch.

von Richthofen: Danke auch. Wiederhören.

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