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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Frau, von der als Politikerin gar nichts zu halten ist04.05.2017

Marine Le PenEine Frau, von der als Politikerin gar nichts zu halten ist

Im letzten TV-Duell vor der französischen Präsidentschaftswahl habe Marine Le Pen gezeigt, wer sie wirklich sei, meint Jürgen König: die populistische Tochter ihres populistischen Vaters. Eine Frau, die nicht eine zu Ende gedachte Idee zur Zukunft Frankreichs vortragen könne.

Von Jürgen König

Marine Le Pen, französische Präsidentschaftskandidatin, bei einem TV-Auftritt beim Sender France 2.  (MAXPPP)
Im Wahlkampf sei sie nur als dauerlächelnde "Marine" unterwegs gewesen. Beim letzten TV-Duell hätte Marine Le Pen aber gezeigt, wer sie wirklich sei. (MAXPPP)
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Gestern Abend hat Frau Le Pen ihren Offenbarungseid abgelegt.  Im Wahlkampf ist sie immer nur als kämpferisch dauerlächelnde "Marine" unterwegs, die ihr Volk aus der europäischen Knechtschaft heraus- und in die Freiheit zurückführen möchte. Ihr Nachname taucht auf keinem Plakat auf, er könnte an ihren antisemitischen Vater erinnern, das will Frau Le Pen vermeiden.  Auch der Parteiname Front National wird im Wahlkampf  nicht benutzt, er schreckt immer noch viele Franzosen ab, obwohl sich Frau Le Pen seit Jahren große Mühe gibt, dem Front National einen bürgerlichen Anstrich zu verleihen.

Gestern Abend aber konnten alle Franzosen sehen, dass die kämpferisch dauerlächelnde Freiheitskämpferin "Marine" in Wirklichkeit Frau Le Pen ist: die populistische Tochter ihres populistischen Vaters, die Führerin des rechtsextremen Front National.

Eine Frau, die sich Politikerin nennt, aber während der über zweieinhalbstündigen Debatte nicht eine zu Ende gedachte Idee zur Zukunft Frankreichs vortragen konnte; die statt dessen in sich steigernder Hysterie, bis hin zu Momenten, in denen man an ihrem Verstand zweifeln konnte: eine Beschimpfung nach der anderen gegen Emmanuel Macron vorbrachte, darunter so krude Vorwürfe wie den, Macron werde den Antiterrorkampf nur lasch betreiben, weil er in Verbindung mit Dschihadisten stehe. Eine Frau, die über Europa nicht mehr zu sagen wusste, als dass sie "Europa aus den Händen der EU befreien" wolle, welche gerade dabei sei, "Europa umzubringen".

Eine Frau mit enormen Wissenslücken

Eine Frau, die den Euro seit Jahren ablehnt,  die Frage nach Frankreichs zukünftiger Währung aber nicht anders als durch diffuse Andeutungen beantworten konnte, wonach der Franc und der Euro auch als Parallelwährungen denkbar seien. Eine Frau, die hilflos in mitgebrachten Aktenordnern nach Wörtern und Zahlen suchte; eine Frau mit enormen Wissenslücken: dass die Briten ihr Pfund nicht - zugunsten des Euro - abgeschafft haben, sollte man als Präsidentschaftskandidatin schon wissen, dass die europäische Währungseinheit ECU nie als Geld in Form von Banknoten in Umlauf war, eigentlich auch. Dass so jemand es in die Stichwahl zur Präsidentschaft der Atommacht Frankreich schaffen konnte, macht einen sprachlos, dass 37 Prozent der Fernsehzuschauer sie überzeugender fanden als Macron, auch.

2002 hatte sich Jacques Chirac der Fernsehdebatte mit dem Gegenkandidaten Jean-Marie Le Pen verweigert: mit einem Populisten wie dem Gründer des Front National, so meinte Chirac, könne man nicht diskutieren. Gestern nahm Emmanuel Macron die Tortur auf sich und machte sichtbar, dass Marine Le Pen an der Diskussion von Argumenten tatsächlich nicht interessiert ist.  Während Macron ein politisches Projekt vertrat, hatte Frau Le Pen nichts anderes zu bieten als: Wut – und öffentlich sichtbar wurde, was von ihr als Politikerin zu halten ist: gar nichts.

(Deutschlandradio/ Bettina Straub)Jürgen König (Deutschlandradio/ Bettina Straub)Jürgen König, geb. 1959, Journalist, Autor, Moderator. Studierte Musikwissenschaft und Neue deutsche Literatur in Hamburg und Berlin. Von 1991 bis 1996 freier Kulturkorrespondent in Paris, seither für Deutschlandradio tätig als Redakteur und Moderator, Kulturkorrespondent im Hauptstadtstudio von 2010 bis 2013, im Anschluss Redaktionsleiter von "Studio 9 - Kultur und Politik". Seit Januar 2016 Korrespondent in Paris.

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