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StartseiteUmwelt und VerbraucherMarkante Stimme05.10.2007

Markante Stimme

Kuckuck zum Vogel des Jahres 2008 gewählt

Der Kuckuck ist Vogel des Jahres 2008. Der Naturschutzbund NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern kürten das Tier zum Nachfolger des Turmfalken, der Vogel des Jahres 2007 ist. Die Umweltorganisationen wollen mit dieser Auszeichnung vor allem auf die Gefährdung der Tiere selbst oder die ihres Lebensraums aufmerksam machen.

Von Dieter Nürnberger

Ein Kuckuck lässt sich von seiner "Stiefmutter" füttern. (AP Archiv)
Ein Kuckuck lässt sich von seiner "Stiefmutter" füttern. (AP Archiv)

Das Interessante an dem Preisträger 2008 ist sicherlich, dass dieser Vogel, der Kuckuck, bestimmt zu den weltweit bekanntesten Arten gehört. Es gibt Lieder und auch Reime über ihn. Der Name ist längst in den allgemeinen Sprachgebrauch mit eingegangen, manchmal mit Begrifflichkeiten, wo man nicht sofort den Zusammenhang erahnt. So wird ja der Name beispielsweise mit dem Gerichtsvollzieher in Verbindung gebracht. Und wenn ich jetzt sage, dass vor allem Uhren, die nach diesem Vogel benannt sind und auch so klingen, ein weltweiter Verkaufsschlager sind, dann wird schnell deutlich, welche Popularität dieser Vogel besitzt. Helmut Opitz ist der Vizepräsident des Naturschutzbundes Deutschland - und er beschreibt den Kuckuck. Und sehr viele Menschen würden gar nicht mehr wissen, wie er denn eigentlich aussieht:

"Ein sicherlich bekannter Vogel, vor allem sein Ruf dürften jedem im Ohr sein. Sein Aussehen hingegen weniger, weil er seltener gesehen als gehört wird. Das Männchen ist überwiegend graublau, mit leichten Schattierungen, er kann gebändert oder gesperbert sein. Das Weibchen ist mehr rötlich, von Rost bis hin zu einem dunklen Rotbraun. Das ist variabel, aber die Grundfarben sind immer die gleichen. Ein auffällig langer Schwanz, und er zeichnet sich durch einen etwas mühsamen Flug aus."

Und wie jedes Jahr wollen die Initiatoren dieses Preises natürlich auf Gefährdungen aufmerksam machen. Der Kuckuck hat seinen Lebensraum in Deutschland, in Europa, aber auch im afrikanischen Winterquartier. Allerdings gehen in Deutschland die Populationen schon seit den 60er Jahren kontinuierlich zurück. Und der Grund sei ganz einfach - die Landschaft werde immer monotoner. Hinzu komme, dass sich auch der Einsatz von Pestiziden negativ auf die Populationen auswirke. Denn der Kuckuck sei ein Insektenfresser, somit fehle oftmals durch den Einsatz von Chemie die Nahrungsgrundlage. Ludwig Sothmann ist der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern:

"Der Rückgang ist deutlich festzustellen, er ist regional unterschiedlich. Es ist wohl so, dass es in Bayern ein bisschen besser als in anderen Bundesländern ist, wohl auch wegen der Kleinstrukturiertheit der Landschaft. Aber wir haben hierzulande Verluste, die um die 20 Prozent liegen - in einem überschaubaren Zeitraum. Beim Kuckuck hängen auch immer die Wirtsvögel mit dran, wo der Kuckuck sein Ei in fremde Nester legt. Wir müssen somit auch zweigleisig vorgehen: Wir müssen etwas für den Kuckuck tun, ebenso für seine Wirtsvögel, wenn wir dieses Puzzle der Natur sinnvoll managen wollen."

Und auch der Klimawandel könne Auswirkungen auf das Fortbestehen des Kuckucks haben. Derzeit leben in Deutschland zwischen 50.000 und knapp 100.000 Brutpaare. Die Spanne bei dieser Angabe ist wohl auch deswegen so hoch, weil der Kuckuck ein eher scheuer Vogel ist. Recht stabile Bestände würden eigentlich nur noch in Osteuropa gezählt werden, so die Naturschützer. Und bei den Auswirkungen des Klimawandels sei der Kuckuck indirekt betroffen, er ist nämlich bei der Jungenaufzucht auf Wirtsvögel angewiesen. Ludwig Sothmann:

"Nehmen wir den Teichrohrsänger, den wohl häufigsten Wirt. Dieser und der Kuckuck auch sind Langstreckenzieher. Der Teichrohrsänger kommt inzwischen rund zehn Tage früher aus dem Winterquartier zu uns zurück. Er fängt dann mit dem Brutgeschäft an, der Kuckuck hingegen hat sich bislang nicht in seinem Rhythmus verändert. Er kommt also inzwischen quasi zehn Tage zu spät. Er hat deshalb große Schwierigkeiten, seine Eier noch unterzubringen. Er braucht auch nicht nur ein oder zwei Nester, das Weibchen legt ja rund 10 bis 20 Eier in die Nester der gleichen Art. Wir brauchen also pro Gebiet rund 20 Teichrohrsänger, damit die Reproduktion langfristig stimmt."

Zentrale Forderung der Naturschützer ist somit vor allem die Sicherung der Lebensräume. So müssten vor allem Auwälder erhalten werden, so der Naturschutzbund. Diese Wahl zum Vogel des Jahres 2008 zeigt also auch besonders die Zusammenhänge in der Natur auf. Ein populärer Preisträger - und der Wunsch der Naturschützer ist schlicht und einfach der, dass alles getan werden müsse, damit dieser Vogel auch weiterhin hierzulande zu hören ist.

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