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StartseiteTag für TagExport von Terroristen?24.08.2017

MarokkoExport von Terroristen?

Seit 2011 hat Marokko keinen terroristischen Anschlag mehr erlebt. Dennoch sind unter Terroristen, die Anschläge in Europa verüben, immer wieder Marokkaner zu finden. So auch bei den Anschlägen in Spanien. Wie verwurzelt ist religiöser Extremismus in Marokko?

Von Jens Borchers

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Der Strand in Tanger, Marokko.  (imago / ecomedia / robert fishman )
Der Strand in Tanger, Marokko. (imago / ecomedia / robert fishman )
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Abou Hafs war mal berühmt in Marokko. Berühmt als junger, radikaler Salafisten-Prediger. Dieser Abou Hafs hat mittlerweile wieder seinen richtigen Namen angenommen: Mohamed Rafiqui. Und er erzählt, wie er zum religiösen Extremisten wurde.

Der Vater – religiös sehr konservativ, sehr dominant. Die Freunde – ebenso. Seine Ausbildung bekam der junge Mohamed Rafiqui teilweise in Saudi Arabien. Dort wird der Koran nach wahhabitischer Lehre, also puristisch, fast wörtlich, interpretiert.

"Mir wurde immer nur eine Auslegung des Islams beigebracht. Dass es viele weitere Interpretationen gibt, das hatten mir meine Lehrer nie beigebracht. Das habe ich erst viel später gelernt. Und das war ein heftiger Schock."

"Der Wahhabismus sollte für Ruhe sorgen"

Bis zu diesem Schock gehörte Rafiqui zu den Predigern in Marokko, die gegen Ungläubige wetterten und die Terroranschläge vom 11. September begrüßten. Als gerechte Strafe für Ungläubige.

Der Wahhabismus, diese extrem konservative Lehre, gilt heute als Nährboden des so genannten Islamischen Staates. In den 70er und 80er Jahren kam der Wahabismus auch nach Marokko. Diese Phase einer Re-Islamisierung spielte sich unter König Hassan II. ab. Er wollte der Linken, die Marokkos Monarchie in Frage stellte, etwas entgegensetzen. Ahmed Assid, Religionsexperte an einem königlichen Institut in Rabat, beschreibt das so:

"Der Wahhabismus sollte für Ruhe sorgen. Denn der Wahhabismus gründet auf der Idee, dass der Herrscher schon weiß, was im Interesse der Muslime zu tun ist und dass jeder das zu akzeptieren hat. Sich gegen den Herrscher zu wehren, gilt im Wahhabismus als Verbrechen."

"Alle Fächer wurden islamisiert"

Die konservative Interpretation des Islams setzte sich in Marokko fest. In den Schulen, an den Universitäten. Dhriss Khrouz, lange Jahre Direktor der Königlichen Nationalbibliothek in Marokko, erinnert sich an diese Zeit:

"Vor dem Jahr 2000 wurde keine Philosophie unterrichtet. Man lehrte Sozialwissenschaften. Aber eben Soziologie nach islamischem Verständnis. Geschichte wurde nicht als Welt-Geschichte gelehrt, sondern als Geschichte des Islam. Alle Fächer wurden islamisiert."

Marokko wurde religiös konservativer und autoritärer, sagt Khrouz. Und teilweise radikaler. Salafisten stachelten junge Leute am Rand der Gesellschaft zu Gewalt in Namen des Islams auf. 2003 töteten zwölf Attentäter aus einem Elendsviertel von Casablanca insgesamt 40 Menschen bei Selbstmordattentaten. Das war ein grauenhafter Weckruf für das Königreich Marokko. Seitdem versucht man, gegenzusteuern: mehr Kontrolle über die Prediger und Imame, mehr Investitionen für das Lumpenproletariat in den Slums der großen Städte.

"Man muss die Ursachen des Radikalismus bekämpfen"

2015 wurde die "Zentralstelle für juristische Ermittlungen", BCIJ, gegründet. Sie gilt als marokkanische Anti-Terrorzentrale. Der Chef, Abdelhaq Khiame, sagt, seit ihrer Gründung  habe man 46 terroristische Zellen in Marokko zerschlagen. Und noch eine Zahl nennt Abdelhaq Khiame: 1664 – so viele Marokkaner hätten sich verschiedenen Dschihadistengruppen im Ausland angeschlossen. Die  meisten gingen zum IS. Khiame  sagt:

"Man muss die Ursachen des Radikalismus bekämpfen. Dabei müssen die Familien eine Rolle spielen, die Schule, die Zivilgesellschaft – jeder, weil das eine gemeinsame Herausforderung ist."

Der ehemalige Salafisten-Prediger Mohamed Rafiqui hat neun Jahre im Gefängnis gesessen. Und schon dort will er damit begonnen haben, junge Extremisten vom Salafismus wegzubringen. Er behauptet, das will er auch weiterhin tun:

"Ich war nahe dran an den Dschihadisten. Ich weiß wie sie denken, welche Motive sie haben, wie sie den Koran für sich nutzen. Heute bin ich bereit, diese Erfahrungen zu nutzen, um den Terrorismus zu bekämpfen."

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