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Mars macht mobil

Curiosity ist gelandet – aber was kommt danach?

Von Dirk Lorenzen

Eine künstlerische Darstellung zeigt die Landung des Roboterfahrzeugs Curiosity auf dem Mars.
Eine künstlerische Darstellung zeigt die Landung des Roboterfahrzeugs Curiosity auf dem Mars. (picture alliance / dpa / NASA/ JPL-Caltech)

Die NASA hat es allen gezeigt: dem Mars, an dem sie oft bittere Niederlagen hat einstecken müssen. Der US-Regierung, die ihr mit drastischen Budgetkürzungen fast die Zukunftsperspektive nimmt.

Und den vielen Kritikern, die die US-Raumfahrtbehörde als bürokratischen Dinosaurier verspotten, der ohnehin nichts Innovatives mehr zustande bringe. Das NASA-Team hatte sich ein ebenso trickreiches wie waghalsiges Manöver für die Landung der Raumsonde Curiosity ausgedacht – und es wurde mit dem Glück des Tüchtigen belohnt.

Jetzt soll das Forschungsfahrzeug zwei Jahre lang erkunden, ob auf unserem Nachbarplaneten einst lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben. Und ob dort vielleicht noch heute Leben existieren könnte. Sofort monieren Zweifler die Kosten von etwa zwei Milliarden Euro. Doch bei der Marsforschung geht es um die ganz große Frage, ob wir Menschen auf der Erde allein auf weiter Flur sind oder ob es noch an anderen Stellen im Kosmos Leben gibt.

Diese Frage nach unserer Stellung im kosmischen Gefüge treibt die Menschheit seit Ewigkeiten um. Sie ist mindestens so systemrelevant wie manches Bankhaus, für dessen Rettung im Handumdrehen dreistellige Milliardenbeträge zur Verfügung stehen. Neugier – im Englischen Curiosity! – und Entdeckergeist sind tief verwurzelt im System unserer Kultur. Daran ändern auch jene Leute nichts, die nur noch in Quartalszahlen denken und solche Grundlagenforschung für überflüssigen Luxus halten.

Bei der NASA mischt sich in die Freude über die geglückte Landung viel Wehmut. Denn es ist unklar, wann es wieder eine große Marsmission geben wird. Europas Weltraumorganisation ESA plant ExoMars – ein Labor, das noch viel leistungsstärker ist als Curiosity. ExoMars soll in gut sieben Jahren endlich direkt nach Leben auf dem Mars suchen. Doch vor einigen Monaten haben die Amerikaner aus finanziellen Gründen ihre Mitarbeit bei ExoMars aufgekündigt – vermutlich knickt jetzt auch Europa ein. ExoMars steht vor dem Aus.

Nicht, weil Europas Wissenschaftler und Ingenieure so etwas nicht bauen könnten, sondern weil die Politik falsche Prioritäten setzt und der Forschung die erforderlichen Mittel vorenthält, auch wenn es nur um gut eine Milliarde Euro geht, verteilt über viele Jahre.

Die triumphale Landung von Curiosity sollte uns lehren, dass sich Wagemut lohnt. Doch risikofreie Spitzenforschung zum Nulltarif gibt es nicht. Egal, wie klamm die Kassenlage ist: Bei der wissenschaftlichen Neugier darf man niemals sparen.

Weitere Beiträge zum Thema:
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