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StartseiteFirmenporträtMaßgeschneiderte Programme für die Shareconomy01.03.2013

Maßgeschneiderte Programme für die Shareconomy

Ein Münchner Softwarehaus fängt mit Crowdsourcing den Schwarm ein

Shareconomy ist das Leitthema der CeBIT 2013. Ein Trend, bei dem es nicht mehr ums Haben, sondern ums Teilen geht. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt die Innosabi GmbH. Statt hoch bezahlter Strategen lässt sie die zukünftigen Kunden Nagellack mixen oder Autoinnenräume designen.

Von Mirko Smiljanic

Statt unternehmensintern lässt Innosabi  per Crowdsourcing Aufgaben von Internetnutzern erledigen. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Statt unternehmensintern lässt Innosabi per Crowdsourcing Aufgaben von Internetnutzern erledigen. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Irgendein Drogeriemarkt, irgendwo in Deutschland. Junge Frauen stehen vor einem Regal mit Nagellackfläschchen: Rot-, Grün-, Schwarz- und Orangetöne aller Schattierungen, mit Glitzer und ohne, heiße Farben und eisige, strahlende Lacke und matte – die Kollektion bietet vieles. Vor allem aber bietet sie Nagellacke, die von den Kundinnen mitentwickelt wurden. Auf der Website www.unseraller.de darf jeder und jede – überwiegend machen Frauen mit – ihre Lieblingsnagellacke kreieren. Das Portal gehört dem kleinen aber feinen Münchner Softwarehaus Innosabi GmbH: Klein, weil es gerade mal zwölf Mitarbeiter hat; fein, weil es eine ebenso einfache wie revolutionäre Geschäftsidee verfolgt. Keine hoch bezahlten Strategen mixen neue Nagellacke oder designen die Innenräume von Autos, sondern die zukünftigen Kunden. Crowdsourcing heißt die Methode:

"Crowdsourcing im Allgemeinen heißt, Aufgaben, die bisher unternehmensintern abgewickelt worden sind, nach außen zu geben, typischerweise an eine große Masse von Internetnutzern",

sagt Catharina van Delden, Geschäftsführerin der innsoabi GmbH, München.

Der Begriff "Crowdsourcing" setzt sich zusammen aus den englischen Worten "crowd" und "outsourcing" – übersetzt heißt das etwa "an die Masse ausgelagert" – neudeutsch klingt es smarter: "Unternehmen trifft Schwarm".

Praktisch läuft Crowdsourcing über das Internet ab, in diesem Fall über das Portal unseraller.de, das zwei Aufgaben erfüllt:

"Der erste Aspekt ist ein Modulkern, der sich rund um die Community rankt, das heißt, Sie müssen ja Personen haben, die Sie ansprechen, und die müssen dementsprechend mit Ihren Nutzerprofilen, mit ihren Wünschen, mit ihren Kompetenzen, mit ihren Interessen in gewisser Weise gepflegt werden."

Der zweite Aspekt, fährt Mitgeschäftsführer der Innosabi GmbH, Moritz Sebastian Wurfbaum, fort, beschäftigt sich mit der Abwicklung eines Projektes. Neben neuen Nagellackkollektionen, kann oder konnte der Schwarm den Innenraum von Autos mit entwickeln, das Motto eines Duschgels bestimmen, sagen, zu welcher Speise eine neue Senfsorte passt und so weiter. Dass Crowdsourcing funktioniert, belegen zwei Annahmen: Erstens wissen Kunden am besten, wie die Produkte aussehen sollen, sie wollen und sollen sie ja zukünftig kaufen; und zweitens gehen Werbesoziologen davon aus, dass die kollektive Intelligenz vieler Individuen bessere Ergebnisse generiert, als kleine Teams, die für viele entscheiden.

Die Motivation, an der Entwicklung neuer Produkte teilzunehmen, ist unterschiedlich. Einige möchten die Qualität eines Produktes verbessern,

"und darüber hinaus geht es natürlich auch um Spaß haben, geht es häufig darum, sich einzubringen, seine Meinung deutlich zu machen, man spricht da heute neudeutsch vom Presumer, pre wie vor und sumer wie consumer, das sind Menschen, die ein Produkt nicht einfach im Regal sehen und kaufen wollen, sondern, das sind Menschen, die wissen wollen, wo kommen meine Produkte her, wie sind sie entstanden, was macht das Unternehmen, das dahinter steht, die also mehr als ein Produkt kaufen wollen. Eigentlich ein Gefühl mitkaufen und das Wissen, wie das Unternehmen tickt."

Die Innosabi GmbH tickt übrigens jung. Das Durchschnittsalter der vier Geschäftsführer liegt bei 27 Jahren. Kennengelernt haben sie sich an der Münchner Uni, beim Kaffee kamen die ersten Ideen, seit 2010 gibt es die Firma.

Das Kunstwort "Innosabi" setzt sich aus den Begriffen "Innovation" und "Wasabi" zusammen, Wasabi ist die grüne scharfe Paste beim Sushi – Innosabi heißt also etwa "scharfe Innovation". Bezogen auf die Umsätze geht es immerhin scharf bergauf: Aktuell erwirtschaftet die GmbH etwas weniger als 500.000 Euro Umsatz, im kommenden Jahr peilen sie die Zwei-Millionen-Marke an. Möglich ist das, weil mittlerweile Schwergewichte wie Ford, Siemens, Daimler und Osram die Vorteile von Shareconomy und Crowdsourcing entdecken.

Kundenorientierung sei für alle das Gebot der Stunde, sagt Catharina van Delden, schlichtes Abfragen von Meinungen führt heute am Ziel vorbei. Dabei fordern die "Mitentwickler" teilweise aufwendige Zusammenarbeit:

"Da natürlich der Bau von Nagellackprototypen nicht ganz einfach ist, sind in diesem Fall Selbermach-Päckchen an die 500 aktivsten Teilnehmer gesendet worden, mit Klarlacken, mit Pigmenten, sodass die Teilnehmer ihre Vorstellungen ihrer Lieblingsfarbe tatsächlich auch zu Hause im heimischen Badezimmerlabor mischen konnten."

Shareconomy und Crowdsourcing berühren juristisches Neuland. Muss der "Schwarm" honoriert werden? Wem gebührt das Urheberrecht? Geld spielt für die Teilnehmer interessanterweise nur eine untergeordnete Rolle. So wollte Innosabi etwa bei einem Projekt die Nutzer am Umsatz beteiligen:

"Als es dann um die Ausschüttung der Umsatzbeteiligung ging, kamen tatsächlich Beschwerden bei uns an, warum sie denn keine Produkte von uns bekommen würden und was man denn mit dem Geld tun sollte."

Manchen reicht schon das Gefühl, ja, diesen Nagellack "Eisblau mit Glitzer" habe ich mitentwickelt!

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