Montag, 20.11.2017
StartseiteKalenderblattDer unbekannte Begründer der digitalen Medienwelt30.04.2016

Mathematiker Claude ShannonDer unbekannte Begründer der digitalen Medienwelt

Ohne die Theorien des amerikanischen Mathematikers Claude Elwood Shannon würde es heute vielleicht weder Mobilfunk noch Internet geben. Dass sein Name vielen kein Begriff ist, liegt auch daran, dass seine grundlegenden Arbeiten lange Zeit strikter Geheimhaltung unterlagen. Am 30. April 1916 wurde Shannon geboren.

Von Irene Meichsner

Claude Elwood Shannon platziert die von ihm erfundene elektrische Maus in einem Labyrinth.  (imago/ZUMA/Keystone)
Claude Elwood Shannon platziert die von ihm erfundene elektrische Maus in einem Labyrinth. (imago/ZUMA/Keystone)

"Mit Claude Shannon als Vater aufzuwachsen, war in vielerlei Hinsicht wunderbar. Sein Augenzwinkern war unmissverständlich. Seine Arbeit und sein Privatleben waren geprägt durch eine wirksame Kombination von Erkenntnis und Unfug."

Claude Elwood Shannon gilt als Wegbereiter des digitalen Zeitalters. Ohne sein mathematisches Modell der Kommunikation gäbe es weder Mobilfunk noch Internet. Legendär sind aber auch Shannons oft skurrile Erfindungen, darunter eine Jongliermaschine und die Maus "Theseus", die mittels einfacher elektrischer Schaltkreise aus jedem Labyrinth herausfand.

Bei der Eröffnung einer Ausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum, die diesem intelligenten Spielzeug gewidmet war, sprach Shannons Tochter Peggy 2009 über den durchaus exzentrischen Vater, der auf den Fluren vor seinem Büro gerne auch mal mit einem Einrad herumgekurvt war.

"Während seiner Einrad-Phase baute er ein Dutzend ungewöhnlicher Einräder. Darunter ein Einrad ohne Pedale; oder das ultimative Rad mit Pedalen, aber ohne Sitz. Meine Brüder und ich dienten als Testpersonen für diese Vehikel – was mit vielen aufgeschlagenen Knien einherging."

Als "Mathematik-Genie" von der Einberufung verschont 

Shannon wurde am 30. April 1916 in Petoskey in Michigan geboren. Durch sein Doppelstudium der Mathematik und Elektrotechnik war er für die Lösung technischer Probleme prädestiniert. Als Forschungsassistent am Massachusetts Institute of Technology, kurz: MIT, wurde Shannon mit der Optimierung des "Differential Analyzers", der damals wohl leistungsfähigsten analogen Rechenmaschine, betraut.

"Dieser Differential Analyzer hatte ganze Relais-Netzwerke, die seiner Programmierung dienten. Und diese Relais-Netzwerke (des Differential Analyzers) gingen laufend kaputt", berichtete Friedrich Wilhelm Hagemeyer, der Shannon 1977 für seine Dissertation über die Geschichte der Informationstheorie lange interviewte. Shannon organisierte die Schaltkreise nach Regeln der mathematischen Aussagenlogik – was ihm den Ruf eines "Mathematik-Genies" eintrug und ihn vor der Einberufung zur Luftwaffe bewahrte.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Shannon an den Bell Laboratories in New Jersey an Verschlüsselungstechniken und der störfesten Steuerung von Flugabwehrgeschützen. Er selber sagte dazu später: "Diese Flugabwehrsysteme waren extrem wichtig. Ich glaube, ohne sie wäre England komplett zerstört worden. Und eine meiner Auf­gaben betraf eben solche Feuerleitsysteme, also Radargeräte, mit denen man ein Flugzeug erfasst und verfolgt. Um aus den Daten zu berechnen, wohin man zielen muss. Und das hat mit Kommunikationstheorie zu tun."

Erfinder der ultimativen Maschine

Seit 1945 gehörte Shannon zum Thinktank für das elektronische System Nike, eine mit Radar nachsteuerbare Abwehrrakete. 1948 führte er die Maßeinheit Bit pro Sekunde bei der Signalübertragung ein. Und 1956 ging Shannon als Professor wieder zum MIT, wo er bis zur Emeritierung 1978 blieb. Er starb im Februar 2001 an den Folgen einer langjährigen Alzheimererkrankung. In seiner letzten aktiven Zeit hatte er sich vor allem mit seinen Basteleien beschäftigt.

"Vielleicht haben Sie schon mal von dem Sessellift gehört, den mein Vater und Marvin Minsky am Hügel hinter unserem Haus bauten. Aber vielleicht wussten Sie noch nichts von der feuerspeienden Trompete, die er für einen Auftritt meines Bruders bei einer Talentshow in der Schule entwickelte."

Shannons "ultimative Maschine" bestand aus nichts anderem als aus einer kleinen Kiste mit einem außen angebrachten Schalter. "Wenn man den Schalter betätigt, dann rumort's in der Kiste, und man sieht, das ist eigentlich ein Sarg. Und der klappt dann auf, und es kommt ein Arm raus und zieht an dem Schalter und macht ihn wieder auf null. Und dann geht der Deckel wieder zu."

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