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StartseiteKalenderblattMaurer und Musiker11.12.2008

Maurer und Musiker

Vor 250 Jahren wurde der Namensgeber des Zelter-Preises für Chöre geboren

1956 stiftete der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, eine Zelter-Plakette, als "Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben". Namenspatron war der Komponist und Musikpädagoge Carl Friedrich Zelters.

Von Jürgen Liebing

Mädchen aus einem Bremer Kinderchor singen während des Eröffungskonzertes des 1. Deutschen Chorfestes in Bremen. (AP)
Mädchen aus einem Bremer Kinderchor singen während des Eröffungskonzertes des 1. Deutschen Chorfestes in Bremen. (AP)

"Schmückt die priesterlichen Hallen,/Edler Harmonie errichtet,/ Heut dem Manne zu gefallen,/ Der sein Leben euch verpflichtet./ Waget laut und klar zu nennen/ Sein Bemühen, seine Tugend;/ Denn ein herzlich Anerkennen/ ist des Alters zweite Jugend."

... dichtete Johann Wolfgang Goethe zum 70. Geburtstag Carl Friedrich Zelters. Da waren die beiden alten Herren schon über ein Viertel Jahrhundert miteinander befreundet. Zelter war das von Goethe nur selten gewährte Privileg des freundschaftlichen "Du" zuteil geworden. Die Musik zu der Festkantate ist leider nicht erhalten. Jedenfalls soll es ein großartiges Konzert der Singakademie zu Berlin gewesen sein. Carl Friedrich Zelter war deren Mitbegründer.
Der älteste gemischte Chor der Welt existiert heute noch, überlebt hat auch manche seiner Kompositionen. Von den Ergebnissen des eigentlichen Hauptberufes Zelters ist nicht viel übrig geblieben. Zwei Seelen kämpften auch in seiner Brust, die selten zusammenfinden.

"Sie wollen Häuser bauen und nebenher komponieren, oder wollen Sie komponieren und nebenher Häuser bauen?"

Das fragte der Musiktheoretiker und Kapellmeister Johann Philipp Kirnberger den jungen Zelter, um ihn zugleich derart abzukanzeln:

"Ein gemeiner Handwerker ist immer eine respektable Person, während es nichts Erbarmungsvolleres gibt als einen gemeinen Künstler, wie Sie es sein werden."

Damit war das Dilemma auf den Punkt gebracht: Maurer oder Musiker?
Als er am 11. Dezember 1758 in der Münzstraße 1 in Berlin-Mitte geboren wurde, da war für die Eltern klar: Der Sohn sollte Maurer werden, sollte den recht stattlichen Betrieb übernehmen. Ausgerechnet mit der "Kantate auf den Tod Friedrichs II. und die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms II." vermochte der Sohn den Vater von seinen musikalischen Talenten zu überzeugen. Aber Zelter Senior beharrte darauf, der Sohn solle beim gelernten Handwerk bleiben und dermal einst die Firma übernehmen. Das war nicht mehr lange hin, denn nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Tod des Königs starb auch der Vater. Zum Schlüsselerlebnis sollte für Zelter die Begegnung mit Goethe werden. Der hörte 1795 erstmals ein Lied von ihm. Von keinem hat er so viele Gedichte in Musik gesetzt wie von dem Weimarer Dichterfürsten.

Erst sieben Jahre später, nachdem sie schon etliche Briefe gewechselt hatten, begegneten sich die beiden in Weimar. Fünf Tage war Zelter zu Gast in Goethes Haus am Frauenplan. Seinen Eindruck kondensierte Zelter in dem deftigen Satz:

"Ich war wie ein Kalb, das aus der Kuh kommt, als wenn ich zum ersten Mal die Sonne sähe."

Goethe gehörte zu den wenigen, die beide Professionen Zelters zu schätzen wussten.

"Seine Bekanntschaft zu machen hatte für mich etwas eigentümlich Anziehendes, weil er wirklich zugleich Maurer und Musiker ist."

Der Briefwechsel zwischen den beiden, dessen Veröffentlichung Goethe schon zu Lebzeiten plante, ist ein einzigartiges Dokument.
Die besondere Bedeutung Zelters, der am 15. Mai 1832 gestorben ist, liegt nicht in der Komposition – er war ein "Kleinmeister". Sie gilt vielmehr der musikalischen Bildung. In zahlreichen Denkschriften an den Staatsminister von Hardenberg hat Zelter immer wieder an die Stärkung der musikalischen Bildung appelliert. Felix Mendelssohn Bartholdy, Otto Nicolai und Giacomo Meyerbeer waren einige seiner zahlreichen Schüler.
Neben der Singakademie gründete er 1809 die erste Berliner Liedertafel und 1820 das Königliche Institut für Kirchenmusik.
Dietrich Fischer-Dieskau, der Sänger und Chronist, hat es auf den Nenner gebracht:

"So wirkten dann Singakademie und Liedertafel vorbildlich für ganz Deutschland, und dass das Singen hierzulande eines Tages Gemeingut wurde, ist das Verdienst Zelters."

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