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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWenn Transfergesellschaften funktionieren 07.01.2016

Max-Bahr-BaumärkteWenn Transfergesellschaften funktionieren

Transfergesellschaften haben nicht immer den besten Ruf. Das Beispiel der Max-Bahr-Baumärkte scheint diesem aber entgegenzuwirken. Ein Großteil der alten Mitarbeiter steht seit dem Ende der Praktiker-Tochter wieder in Lohn und Brot.

Von Axel Schröder

Das Logo der Praktiker-Baumärkte  (Andreas Gebert dpa/lby)
Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte taten sich sechs Transfergesellschaften nach der Praktiker-Pleite zusammen, die sich um das Baumarkt-Personal in den unterschiedlichen Regionen gekümmert haben. (Andreas Gebert dpa/lby)

Im November 2013 war Uli Kruse fast Tag und Nacht für die Belegschaft unterwegs. Damals war er Gesamtbetriebsrat für die Angestellten der 132 Max-Bahr-Baumärkte und die Pleite der Kette und ihres Mutterhauses, der Praktiker AG, war nicht mehr abzuwenden. Am Ende, so Uli Kruse heute, kam es nicht so schlimm, wie erwartet.

"Dann muss man auch rückwirkend sagen, war es das blaue Auge, was wir abbekommen haben. Wo viele Mitarbeiter heute aber auch in derselben Branche, am selben Arbeitsplatz weiter arbeiten können. Aber auch viele andere, die, sage ich mal, an anderem Ort, bei anderen Einzelhandelsunternehmen Fuß gefasst haben."

Dass das so ist, liegt unter anderem an der Arbeit der Transfergesellschaften, in die über 8.000 der zuletzt 15.000 Praktiker-Angestellte wechselten. Die 5.500 geringfügig in Max-Bahr- und Praktiker-Märkten beschäftigten Frauen und Männer hatten keinen Anspruch darauf. Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte taten sich sechs Transfergesellschaften nach der Praktiker-Pleite zusammen, die sich um das Baumarkt-Personal in den unterschiedlichen Regionen gekümmert haben. In deren und im Auftrag der Insolvenzverwalter haben Gernot Mühge und Kathrin Filipak vom Bochumer Helex-Institut die Arbeit dieser Gesellschaften untersucht.

"Wir sehen, dass Transfergesellschaften in den Medien oftmals in einem zu negativen Licht stehen und halten die Transfergesellschaft für ein arbeitsmarktpolitisch wichtiges Instrument. Ein Instrument, das zwischen betrieblicher Personalpolitik und öffentlicher Arbeitsmarktpolitik liegt. Ein Instrument, in dem Arbeitgebern Mittel für Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung stehen, die sonst nicht zur Verfügung stehen. Und das auch einen Schutzraum bietet für Beschäftigte in einer schwierigen Lebenssituation."

Logistikbranche bot eine neue Perspektive

Allerdings wurden die beschäftigten maximal ein halbes Jahr in der Transfergesellschaft betreut. Üblich sind zwölf Monate. Trotzdem gaben fast 70 Prozent der Beschäftigten in einer repräsentativen Umfrage an, mit der Leistung ihres Transfer-Beraters zufrieden zu sein. Etwas weniger, 67,3 Prozent, sind mittlerweile sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder selbstständig. Die Gründe für diesen positiven Ausgang der Firmenpleite sind vielfältig. 1.600 Angestellte der vergleichsweise alten Belegschaft wurden vom Konkurrenten Bauhaus ohne Lohneinbußen übernommen und arbeiten heute am gleichen Standort. Nur der Firmenname hat sich geändert.

Viele andere Betroffene wurden durch die persönlichen Transferberater auf neue Jobs vorbereitet und weiterqualifiziert und fanden vor allem in der Logistikbranche eine neue Anstellung. Und am Ende, so Wolfgang Köbernik, können - durch eine erfolgreiche Arbeit der Transfergesellschaften - auch die Insolvenzverwalter Geld sparen. Dann nämlich, wenn die von der Pleite betroffenen Menschen schneller einen neuen Job finden als geplant und auf das sogenannte Transfer-Kurzarbeitergeld nicht mehr angewiesen sind.

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