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Seit 08:30 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellMenopause durch Umwelthormone bis zu vier Jahre früher29.01.2015

MedizinMenopause durch Umwelthormone bis zu vier Jahre früher

Umwelthormone können dazu führen, dass die Menstruation Jahre früher endet. Das berichten US-Reproduktionsmediziner. Sie hatten die Konzentrationen von über 100 solcher Stoffe im Blut oder Urin von Frauen in der Menopause bestimmt.

Von Volker Mrasek

Körperpflege-Produkte stehen in einer Reihe auf einem Badewannenrand (dpa/picture alliance/Arno Burgi)
In vielen Körperpflege-Produkten befindet sich hormonell wirksame Substanzen (dpa/picture alliance/Arno Burgi)
Weiterführende Information

BUND-Studie - Hormone in der Schweinehaltung
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 09.01.2014)

Agrarpolitik - Zehntausende wollen weder Chlor-Hühnchen noch Hormon-Fleisch auf dem Teller
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Nahrung - Risiken durch Hormone im Schweinefleisch
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In den USA läuft schon seit 1999 eine große Querschnittsstudie zur Gesundheit und Ernährung der Bevölkerung. Über 30.000 Frauen nahmen bisher an dem Projekt teil. Darunter fast 15.000 Frauen in der Menopause, deren Blut oder Urin auf Schadstoffe mit hormonähnlicher Wirkung überprüft wurde - beziehungsweise auf die im Körper nachweisbaren Abbauprodukte.

Diese Daten werteten Reproduktionsmediziner jetzt aus. Wobei sie ihr spezielles Augenmerk auf über einhundert der sogenannten endokrinen Disruptoren richteten. Amber Cooper leitete die Studie. Sie ist Assistenzprofessorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Washington University in St. Louis:

"Wir kommen zu dem Schluss, dass wir uns um 15 Chemikalien intensiver kümmern sollten. Bei Frauen mit den höchsten Konzentrationen dieser Stoffe oder ihrer Abbauprodukte im Blut oder Urin trat die Menopause im Schnitt zwei bis vier Jahre früher auf. Solche Effekte gibt es auch bei Raucherinnen. Das weiß man aus älteren Studien. Bei ihnen ist die Menopause aber nur um ein bis zwei Jahre vorverlegt. Unsere Ergebnisse sind also ziemlich bemerkenswert."

Die auffälligen 15 - das sind zunächst einmal neun verschiedene polychlorierte Biphenyle oder PCB. Sie wurden früher oft als technische Öle in Transformatoren eingesetzt. Des Weiteren sind da drei Insektizide, die ebenfalls nicht mehr verwendet werden, sowie ein Stoff aus der Gruppe der Furane. Sie entstehen bei Verbrennungsprozessen. Vervollständigt wird die Liste von zwei sogenannte Pthalaten, die als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt werden - auch heute noch:

"Phthalate stecken in vielen Dingen, die wir täglich benutzen. Zum Beispiel in Küchen-Utensilien, Kosmetika und Butterbrot-Dosen."

Große Unterschiede in der Belastung mit Umweltchemikalien

Nach den Analyse-Ergebnissen gibt es frappierende Unterschiede in der Belastung mit den Umweltchemikalien, vor allem bei den Phthalaten und Insektiziden. Manche Frauen wiesen hier einen Gehalt im Urin auf, der 35- bis 50.000-mal höher war als bei kaum belasteten Studienteilnehmerinnen, erklärt Cooper:

"Ehrlich gesagt wissen wir nicht, wie diese 15 Chemikalien im Körper genau wirken. Und was sie gemeinsam haben. Bis auf die Phthalate sind sie alle jedenfalls sehr langlebig und noch immer in der Umwelt vorhanden. Sie können sich nach wie vor verbreiten - in der Luft, im Wasser und im Boden."

Wenn die letzte Menstruation Jahre früher einsetzt, als sie es normalerweise täte, sei das problematisch, sagt Amber Cooper. Denn damit gehe auch die Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen vorzeitig zurück. In der Folge steige das Risiko für bestimmte Erkrankungen im Alter, so die Hormonexpertin:

"Eine Menopause, die früher einsetzt, erhöht zum Beispiel das Risiko für Osteoporose und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen später im Leben. Es gibt Untersuchungen darüber, dass auch das Gedächtnis schlechter wird, wenn der Östrogen-Spiegel im Körper von Frauen abnimmt."

US-Ergebnisse gelten im Prinzip auch für Deutschland

Laut den Autoren sind die Ergebnisse der neuen Studie auch auf andere Industrieländer wie Deutschland übertragbar. Auch dort seien Chemikalien wie PCB und Phthalate in der Umwelt schließlich weit verbreitet.

Die Wissenschaftler plädieren nun für mehr Forschung über die 15 verdächtigen Umwelthormone und ihre Auswirkungen auf die weibliche Menstruation. Besorgten Frauen raten sie einstweilen, lieber Glas als Plastikgeschirr im Haushalt zu verwenden, etwa in der Mikrowelle. Um so wenigstens die Belastung mit den Phthalaten zu verringern.

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