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StartseiteForschung aktuellDer Müll muss weg 03.10.2016

Medizin-Nobelpreis 2016 Der Müll muss weg

Der japanische Zellforscher Yoshinori Ohsumi wird für seine Forschung zum Prozess der sogenannten Autophagie in Zellen ausgezeichnet. Er hat dadurch das Recyclingsystem der kleinsten Funktionseinheit in unserem Körper verdeutlicht. Damit unsere Zellen überleben können, lautet die Devise: "Der Müll muss weg".

Von Michael Lange

Ein Autophagosom umschließt zelleigene Bestandteile und vereinigt sich mit einem Lysosom um diese zu zersetzen: Die Zelle "verdaut" sich selbst. (JONATHAN NACKSTRAND / AFP PHOTO)
Ein Autophagosom umschließt zelleigene Bestandteile und vereinigt sich mit einem Lysosom um diese zu zersetzen: Die Zelle "verdaut" sich selbst. (JONATHAN NACKSTRAND / AFP PHOTO)
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Ausruhen, chillen und einfach mal alles rumliegen alles. Für Männer mag das ja akzeptabel sein. Für mich als Zelle geht das aber gar nicht. Der Dreck muss weg. Sonst dreh‘ ich am Rad.

Ich muss ja ständig irgendwelche Biomoleküle aufbauen: Proteine, Erbmoleküle, Fette und so weiter. Ist halt mein Job als Zelle. Aber damit nicht genug. Irgendwer muss den ganzen Müll ja schließlich auch entsorgen. Und klar, auch das bleibt an mir hängen. Wer macht es denn, wenn ich mich nicht drum kümmere? Und Entsorgen heißt nicht einfach wegwerfen, sondern alles nutzen. Müll trennen und wieder verwerten. Was ihr Menschen erst jetzt mühsam lernt, das beherrschen wir Zellen seit Milliarden Jahren. Klar, was ich meine: "Recycling".

Das heißt zum einen: energetische Verwertung. Ganz einfach. In vielen Molekülen steckt Energie, die sich nutzen lässt. Und so manches lässt sich auch direkt wieder verwenden. All die organischen Moleküle – wie Aminosäuren, Fettsäuren oder auch Zucker – kann ich gut gebrauchen. Schließlich bestehen meine Biomoleküle immer wieder aus den gleichen Grundbausteinen.

Mitochondrien - kleine Bestandteile in Zellen

Da sind zum Beispiel Mitochondrien. Kleine Bestandteile in uns Zellen. Sie erneuern sich ständig. Kraftwerke der Zelle werden sie gerne genannt. Und was passiert, wenn sie defekt sind, verbraucht, verschlissen? Genau: zerlegen, zerschreddern und wiederverwerten. Und mit vielen anderen Zellbestandteilen geht es genauso. Und Viren und Bakterien haben hier in meinem Zell-Haushalt ohnehin nichts verloren. Gleich in den Abfall damit. Aber eben nicht einfach wegwerfen. Selbst aus denen lässt sich noch was Brauchbares gewinnen.

Wie ich das anstelle mit dem Recycling, das habt ihr Menschen erst vor gut 20 Jahren so langsam gecheckt. Vorher habt ihr immer wieder von irgendwelchen Schlacken geredet, ohne genau zu wissen, was das überhaupt sein soll. Aber ein japanischer Forscher, Yoshinori Ohsumi heißt er, wollte es ganz genau wissen. Dazu hat er sich Hefezellen vorgenommen und darin 15 Gene aufgespürt. Und die organisieren die Entsorgung.

Zauberwort "Kreislaufwirtschaft"

Bei mir als Menschen-Zelle ist es ganz ähnlich – wenn natürlich auch einiges komplizierter. Bin ja nicht so einfach gestrickt so eine Hefe. Ich habe diese Lysosomen. Kleine Bläschen, umhüllt von einer dünnen Membran. Da sind Enzyme drin, die all den Müll regelrecht auflösen können. Sie verschmelzen mit anderen ähnlichen Gebilden und sammeln so den ganzen Biomüll, um ihn zu verdauen. Aber wie gesagt: Nicht einfach "Weg der Dreck". Kreislaufwirtschaft heißt das Zauberwort.  

Das muss sein, damit ich als Zelle überhaupt überleben kann. Tagtäglich mach‘ ich meinen Job. Normalerweise dankt es mir ja keiner. Jetzt endlich, nimmt’s mal einer zur Kenntnis. Also, wenn Ihr mich fragt: Der Nobelpreis für das Recycling ist mehr als überfällig.

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