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Medizin-NobelpreisAuszeichnung für japanischen Zellforscher

Yoshinori Ohsumi bei einer Pressekonferenz zum Nobelpreis in Tokyo ( TORU YAMANAKA / AFP)
Yoshinori Ohsumi bei einer Pressekonferenz zum Nobelpreis in Tokyo. ( TORU YAMANAKA / AFP)

Der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi wird in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie geehrt. Das hat das Komitee des Stockholmer Karolinska-Instituts bekanntgegeben. Diese Auszeichnung sei seit Langem überfällig gewesen, so Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Instituts. Ohsumi hat die Mechanismen eines als Autophagie bekannten Prozesses entdeckt.

"Mit Yoshinori Ohsumi ist ein Wissenschaftler ausgezeichnet worden, der wirklich fundamental zur Entdeckung des Autophagie-Systems beigetragen hat", sagte Institutsleiter Haucke, nachdem das Komitee des Stockholmer Karolinska-Instituts den Preisträger des Medizin-Nobelpreises bekanntgegeben hatte. Der Japaner sei ein bescheidener Grundlagenforscher, der an einem Prozess gearbeitet habe, "von dem wir alle nicht wussten, dass er existiert".

Wichtiger Prozess für alle Organismen, Zellen und höheren Lebensformen

Der Prozess der Autophagie habe sich als fundamental wichtig für alle Organismen, Zellen und höheren Lebensformen erwiesen, betonte Haucke. "Es scheint so zu sein, dass im zellulären Altern die Autophagie herunterreguliert wird - warum, das weiß man noch nicht." Weil der Prozess dann gestört sei, reichern sich defekte Eiweiß-Molekülen und Organellen an, was Auslöser für Krankheiten wie Diabetes, Parkinson oder Alzheimer sei. Forscher würden aufgrund der Erkenntnisse des Japaners nach pharmakologischen Wegen suchen, um die Autophagie im Alter wieder anzuschalten und die Müllabfuhr in der Zelle wieder anzukurbeln. Derzeit gibt es laut Haucke Hinweise darauf, dass zum Beispiel Resveratrol, ein Bestandteil von Rotwein, den Prozess wieder anschalten kann. 

Das Phänomen der Selbstverdauung bei Zellen

Der Autophagie-Mechanismus spielt bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle. "Dabei handelt es sich um einen grundsätzlichen Prozess, um Zellkomponenten abzubauen und zu recyceln", hieß es bei der Bekanntgabe in Stockholm. Genetische Veränderungen bei diesem Prozess können Krankheiten verursachen, wie zum Beispiel Krebs oder neurologische Krankheiten.

Wie Zellen ihre eigene Substanz ersetzen haben Forscher bereits in den 1960er-Jahren erstmals beobachtet. Doch erst mit der Forschung von Ohsumi seit den 1990er-Jahren am Institute of Technology in Tokio konnten Gene der Autophagie identifiziert werden. Das gelang ihm anhand von "brillanter Experimente" mit Bäckerhefe, hieß es in Stockholm.

Michael Lange und Martin Winkelheide aus der Wissenschaftsredaktion "Forschung aktuell" des Deutschlandfunks erklären, woran der Japaner geforscht hat:

Ohsumi erhielt die Nachricht in seinem Labor

Die Nachricht über die Auszeichnung überraschte Ohsumi in seinem Labor. Der Sekretär der Nobeljury, Thomas Perlmann, sagte, Ohsumi sei "etwas erstaunt" gewesen, als er ihn am Telefon über die Auszeichnung informiert habe. 1974 hat Ohsumi an der Universität Tokio promoviert. Nach Station an der Rockefeller Universität in New York kam er zurück nach Tokio und baute sein eigenes Labor auf. Seit 2009 ist er dort Professor am Institut für Technologie. 

Natürlich sei es eine große Ehre, diese Auszeichnung zu erhalten, sagte Yoshuri Ohsumi dem schwedischen Radiosender Sverigesradio. Hinsichtlich des Prozesse der Autophagie gebe es noch zahlreiche Probleme zu lösen, so der japanische Forscher.

Die Nobelpreise sind mit umgerechnet rund 830.000 Euro dotiert. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Nach der Bekanntgabe des Medizinnobelpreises folgen am Dienstag der Nobelpreis für Physik und am Mittwoch für Chemie.

(copi/am)

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