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StartseiteForschung aktuellWie Ernährung das Krebsrisiko beeinflusst 04.02.2014

Medizin Wie Ernährung das Krebsrisiko beeinflusst

Rauchen und Trinken gelten als die größten Risikofaktoren für die Entstehung von Tumoren. Mit Sorge sehen Krebsforscher aber auch den massiven Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit - und den Verzehr von rotem Fleisch.

Von Volker Mrasek

Rohes Schweinefleisch liegt in eine Fleischtheke.  (Jan-Martin Altgeld)
Mehrere Daten belegen, dass der Verzehr von rotem Fleisch das Darm- und Magenkrebsrisiko erhöht. (Jan-Martin Altgeld)
Weiterführende Information

Krebs vorbeugen durch richtige Ernährung (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 17.01.2014) 

Man stelle sich vor: Alle haben das Rauchen aufgegeben. Niemand trinkt mehr als ein, zwei Gläser Alkohol pro Tag. Und, was auch noch eine große Rolle spielt: Keiner ist mehr übergewichtig oder sogar richtig fettleibig. Das wäre ein angenehmes Szenario für Krebsforscher wie den Niederländer Rudolf Kaaks.

"So aus dem Kopf schätze ich, dass die Gesamtzahl der Krebsfälle um wenigstens 40 Prozent niedriger wäre, wahrscheinlich mehr. Ich denke, sie wäre zur Hälfte zurückgedrängt."                                                              

Der Ernährungswissenschaftler arbeitet am DKFZ, am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Außerdem zählt Kaaks zu den führenden Köpfen von EPIC, der bisher größten europäischen Studie über die Zusammenhänge von Krebs und Ernährung.

"Man kann heutzutage, 2014, sagen, dass Übergewicht wahrscheinlich nach dem Rauchen der zweitgrößte Risikofaktor für Krebs ist. Es gibt einige Krebsarten, wo der Zusammenhang relativ stark ausgeprägt ist. So wie bei Gebärmutterkrebs, bei bestimmten Krebsarten der Speiseröhre, die auch immer häufiger werden. Da kann man errechnen, dass etwa die Hälfte dieser Krebsfälle mit Übergewicht zusammenhängt."

Übergewicht könnte den Hormonhaushalt stören

Doch woran liegt das? Die Wissenschaft könne diese Frage heute noch nicht genau beantworten, sagt Stephan Herzig, Molekularbiologe am DKFZ:

"Aber wir haben so ein paar Ideen. Eine Idee ist, dass Menschen mit Übergewicht Störungen in ihrem Hormonhaushalt haben. Ganz berühmtes Hormon: Insulin, das zuckersenkend wirkt, gleichzeitig aber auch ein Wachstumsfaktor ist. Und wenn man übergewichtig ist, hat man eben sehr hohe Insulin-Spiegel, weil der Körper versucht, seinen Zuckerhaushalt in den Griff zu bekommen. Und das kann natürlich auf der anderen Seite dazu führen, dass auch Tumorzellen besser wachsen können."

Das Fettgewebe des Körpers dient nicht nur als Energiespeicher. Im Prinzip funktioniert es auch wie eine Drüse und greift in den Stoffwechsel ein.

"Man schüttet Hormone aus aus dem Fettgewebe in Mengen, die ein gesunder, schlanker Mensch nicht hat. Oder überhaupt ganz neue. Das berühmteste ist hier das Leptin, das eigentlich Appetit reguliert, das dann seinerseits Zellwachstum wieder fördern kann und so ähnlich dann wie mit dem Insulin auch dazu beitragen kann, dass eben Übergewichtige aufgrund ihrer Stoffwechselsituation ein verstärktes Tumorwachstum haben. Und die Tumore größer werden oder eben auch früher auftreten."

Wie Herzig sagt, ist allerdings noch Einiges an Forschung nötig, um zu verstehen:

"Bei welchem Tumor ist jetzt welcher Stoffwechseldefekt besonders wichtig? Man kann das sicherlich nicht generell über einen Kamm scheren."

Mit Sorge sehen die DKFZ-Forscher die Entwicklung bei Leberkrebs. Herzig verweist hier auf britische Untersuchungen. Sie zeigten, dass ein Entstehungsfaktor für diese Tumorart immer bedeutender werde: eine Fettleber infolge von Übergewicht.

"Wir erwarten eigentlich, dass aufgrund dieses massiven Anstiegs von Übergewicht in der Welt die Anzahl von Leberkrebsfällen in den nächsten Jahrzehnten nochmal massiv ansteigen wird. 1,5 Milliarden Menschen sind übergewichtig. Wenn auch nur die Hälfte davon eine Fettleber hat, dann sind das alles potenzielle Kandidaten, die dann in ein paar Jahren auch einen Leberkrebs bekommen werden."

Wer Übergewicht vermeidet, beugt also nicht nur Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vor, sondern auch Krebs. Davon sind die DKFZ-Forscher überzeugt.

Für Rudolf Kaaks ist die Datenlage heute auch noch in einem anderen Punkt eindeutig: beim übermäßigen Verzehr von rotem Fleisch.

"Das ist Schweinefleisch, Lamm, Rindfleisch sowie Würste, Schinken, verarbeitete Fleischprodukte. Es gibt extrem viele Daten weltweit, die belegen, dass Menschen, die mehr rotes Fleisch verzehren, ein erhöhtes Risiko haben, Darmkrebs zu entwickeln. Auch Magenkrebs."

Auch hier ist allerdings nicht klar, woran das liegt. Für Geflügel und Fisch zeigte sich ein solcher Effekt jedenfalls nicht. Für Rind, Lamm und Schwein schon. Weshalb der Ernährungswissenschaftler empfiehlt, ...

"... das rote Fleisch auch nur in geringem Maße zu genießen. Vielleicht nur einmal in der Woche."

Ansonsten sollte man sich an das halten, was man die drei Grundpfeiler der Krebsvorbeugung nennen könnte: aufs Rauchen verzichten, Alkohol nur in Maßen - und Übergewicht vermeiden!

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