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StartseiteWissenschaft im BrennpunktNeue Feuer verändern die Erde21.02.2016

MegafeuerNeue Feuer verändern die Erde

Seit Jahrmillionen werden die großen Wälder der Erde von Feuern heimgesucht. Die Pflanzen haben sich mit den Bränden gemeinsam entwickelt, viele von ihnen sind auf Feuer angewiesen. Aber seit einigen Jahrzehnten kommt es immer öfter zu sogenannten Megafeuern, die alles auslöschen.

Von Monika Seynsche

Die Waldbrände in Kalifornien breiten sich weiter aus. (picture-alliance / dpa / US Forest Service)
Waldbrände in Kalifornien: Warum verändert sich das Feuer? (picture-alliance / dpa / US Forest Service)

Hörtipp: Brennendes Land. Neue Feuer verändern die Erde - 21. Februar 16:30 (00:46)

"Dunkel! All Dunkel schwer!
Wie Riesen schreiten Wolken her -
über Gras und Laub,
wirbelt's wie schwarzer Staub."

"Feuer ist kein Lebewesen. Es ist ein simpler chemischer Prozess. Aber für viele Menschen wirkt es lebendig. Es scheint, als würde es sich um sie herum bewegen."

"Hier und dort ein grauer Stamm;
am Horizont des Berges Kamm."

"Sie haben etwas Wunderschönes an sich, wenn sie sich elegant durchs Unterholz der Wälder schlängeln, der Rauch und die Flammen."

"Hält die gespenstige Wacht,
sonst alles Nacht - Nacht - nur Nacht."

"Ökosysteme haben nie so intensiv gebrannt, dass das Feuer alles getötet hätte, jeden einzelnen Baum. Aber genau das passiert jetzt."

Brennendes Land. Neue Feuer verändern die Erde. Von Monika Seynsche.

Der 7. Februar 2009 ist ein Samstag. Peter Attiwill und seine Frau sind ans Meer geflüchtet, um den sengenden Temperaturen im Hinterland von Melbourne zu entgehen. Schon seit Wochen wird der Südosten Australiens von einer Hitzewelle heimgesucht. Für heute sind fast 49 Grad Celsius vorhergesagt.

"Es war ein seltsamer Samstag. Morgens war es noch bedeckt und die Temperaturen blieben einigermaßen erträglich. Aber dann plötzlich, gegen 11 Uhr vormittags, verschwanden die Wolken und ein starker Wind aus Nordwest kam auf."

Der Wind bringt Hitze aus den Wüsten des Outbacks nach Victoria. Die Temperaturen schnellen in die Höhe. Peter Attiwill, Botaniker und Feuerforscher an der Universität Melbourne, ist beunruhigt.

"Wir können die Waldbrandgefahr vorhersagen. Dafür nutzen wir einen Feuerindex, der auf dem Wetter und der Trockenheit der Wälder basiert. Für Black Saturday, für den Schwarzen Samstag, hatten unsere Daten eine Feuergefahr vorher gesagt, die jenseits von Gut und Böse war."

Black Saturday kostet 173 Menschen das Leben

Das Land ist von jahrelangen Dürren ausgetrocknet. Im Boden steckt kaum noch Feuchtigkeit, die Bäume leben von ihren letzten Reserven, das Laub: staubtrocken. Aus einer defekten Stromleitung schlagen Funken. An anderer Stelle zündeln Brandstifter. Binnen Sekunden lodern Flammen auf. Vom Wind wird glühende Asche in die Luft geschleudert und entfacht immer neue Brände.

"Die Feuer breiteten sich nach Südosten aus, getrieben vom Nordwestwind. Aber dann drehte am Nachmittag der Wind und plötzlich hatten wir eine fast 100 Kilometer breite Feuerfront, die nach Nordosten vorstieß. Die Waldbrände erreichten die Vororte von Melbourne. Dort lebten viele Pendler und Hobbyfarmer auf kleinen Grundstücken mitten im Busch. Zu den meisten dieser Häuser führte nur eine Stichstraße. Es gab keinen zweiten Fluchtweg."

173 Menschen sterben an diesem Samstag. 450.000 Hektar Land verbrennen. Die Feuerwehr ist völlig machtlos.

Buschfeuer bedrohen in Australien immer wieder Orte und Städte (AFP / Torsten Blackwood)Buschfeuer bedrohen in Australien immer wieder Orte und Städte (AFP / Torsten Blackwood)

"Wenn Sie so viel brennbares Material haben und dazu klimatische Bedingungen wie am Black Saturday, dann gibt es nichts, was Sie tun können. Natürlich können sie Wasserbomben werfen, aber der Effekt ist gleich Null, so intensiv wie Feuer brennen, die sich aus so viel, so staubtrockenem Holz speisen."

"Was blitzt dort auf? - ein roter Stern.
Nun scheint es nah, nun wieder fern;
schau! wie es zuckt und zuckt und schweift,
wie's ringelnd gleich der Schlange pfeift."

"Es gibt mehr Feuer, mehr große Feuer. Das ist ein klarer Trend."

Tom Swetnam ist emeritierter Professor für Feuerökologie und Baumringforschung an der Universität von Arizona in Tucson.

"Wenn man die 1970er- bis 1980er-Jahre mit der Zeit danach vergleicht, so sehen wir heute sechsmal so viele große Waldbrände. Darunter einige von enormen Ausmaßen. Ein einziges solcher Megafeuer verbrennt mehr als 200.000 Hektar. Es sind gigantische Brände, größer als alles, was wir in den vergangenen 100 Jahren gesehen haben."

Veränderungen in Nordamerika besonders deutlich

Besonders offensichtlich sind die Veränderungen in Nordamerika. Allein 15 der 20 größten Waldbrände Kaliforniens brannten seit 1990. Und nicht nur hier, im gesamten Westen Nordamerikas bis hinauf nach Kanada und Alaska verändern sich die Feuer. In den USA zerstörten Waldbrände im Jahr 2015 fast vier Millionen Hektar Land. Dabei tun gerade die Vereinigten Staaten mehr als jedes andere Land der Welt, um Feuer zu bekämpfen. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellt.

"Nun am Gemäuer klimmt es auf,
unwillig wirft's die Asch' hinauf,
und wirbelnd überm Dach hervor
die Funkensäule steigt empor."

Seit 1910 sind die Feuerwehren in den USA verpflichtet, jeden noch so weit von Häusern und Menschen entfernten Waldbrand so schnell wie irgend möglich zu löschen. Der Plan war, Feuer von der Erde zu verbannen. Anfangs habe das sehr gut funktioniert, erzählt Tom Swetnams Kollege, der Feuerökologe Craig Allen vom US-amerikanischen Geologischen Dienst in Los Alamos. Die Wälder waren vor 100 Jahren noch licht und natürliche Feuer brannten zwar alle fünf bis zehn Jahre, aber immer nur mit geringer Intensität und nur im grasigen Unterholz. Sie zu unterdrücken, war ein Leichtes.

"Aber als das 20. Jahrhundert voranschritt und die Zeit der Brandunterdrückung anhielt, wuchsen immer mehr junge Bäume heran, die zuvor von den leichten Feuern getötet worden wären. Die Wälder wurden so immer dichter und dichter."

Mitte der 1990er-Jahre dann traf den Südwesten der USA eine Dürreperiode, die auf überfüllte Wälder voller Brennmaterial stieß.

"Es fing im Frühling 1996 an. Im Winter zuvor war kaum Schnee gefallen. Und plötzlich sahen wir Feuer, die wir nicht mehr unterdrücken konnten. Statt nur die Gräser am Waldboden zu verbrennen, sprangen sie in die Baumkronen und richteten verheerende Schäden an, auf Tausenden von Hektar Fläche. Als die Dürre im Laufe der 2000er-Jahre immer stärker wurde, nahm die Zahl und Intensität dieser Feuer weiter zu."

"Und dort der Mann im ruß'gen Kleid,
- sein Angesicht ist bleich und kalt,
ein Bild der listigen Gewalt."

Vegetation ist auf Megafeuer nicht vorbereitet

Statt Feuer von der Erde zu verbannen, hat Amerika neue Feuer geschaffen. Sie brennen intensiver, als alles, was die Welt in den vergangenen Tausenden von Jahren gesehen hat und verändern das Land. In New Mexiko etwa ist die Zukunft heute schon zu besichtigen.

Über die südlichen Ausläufer der Rocky Mountains ziehen sich hier Gelb-Kiefer-Wälder. Gelb-Kiefern haben eine viele Zentimeter dicke Borke, mit der sie leichte, bodennahe Feuer gut überstehen. Auf das Las Conchas Feuer im Sommer 2011 aber waren sie nicht vorbereitet.

"Auf rund 40 Prozent seiner Fläche brannte dieses Feuer so intensiv, dass es die Baumkronen erreichte und die Bäume tötete. Solche Baumkronenfeuer sind besonders explosiv. Sie verbrennen alle Nadeln und kleinen Äste. Übrig bleiben nur Skelette, ein Geisterwald voller toter Baumstämme."

Bis heute überzieht dieser Geisterwald Tausende von Hektar Land. Das ist fatal für die Gelb-Kiefern, die zur Fortpflanzung auf die Samen lebender Mutterbäume angewiesen sind. Ohne sie hat die Art keine Zukunft, sagt Craig Allen, der sie seit mehr als 30 Jahren erforscht.

"Die Natur erholt sich nur sehr langsam. Und ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung, was zurückkommen wird. Die Bäume jedenfalls nicht. Wir sehen erste Hinweise darauf, dass Gräser und Büsche diese Gegend übernehmen, die seit Jahrtausenden von Wäldern bedeckt war."

100 Jahre Feuerunterdrückung um jeden Preis

100 Jahre Feuerunterdrückung um jeden Preis, gepaart mit einer natürlichen Dürreperiode: Craig Allen ist überzeugt davon, dass diese unglückselige Kombination die Wälder New Mexikos schon heute in die Zukunft katapultiert hat.

"Wir denken, dass wir im Südwesten der USA in den vergangenen 15 Jahren eine Vorpremiere dessen gesehen haben, was an anderen Stellen rund um den Globus im Laufe der nächsten hundert Jahre passieren wird."

"Wir stehen hier im Royal National Park, südlich von Sydney."

Ein Mann im roten Hemd, mit Sonnenbrille und Strohhut kämpft sich durch grünes, mannshohes Gebüsch, das intensiv nach ätherischen Ölen riecht. Ross Bradstock, Feuerökologe an der Universität von Wollongong im australischen Bundesstaat New South Wales.

"In dieser Gegend hat es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gebrannt. Jetzt ist die Vegetation in einem Zustand, in dem sie jederzeit Feuer fangen könnte. Auf dem Boden haben sich viele trockene Blätter und tote Äste angesammelt. Und auch in den Sträuchern und Baumkronen findet sich reichlich Totholz. Dazu wachsen hier leicht brennbare Gräser. Dieses ganze System ist reif für das nächste Feuer."

In Australien ist die Natur viel besser an Feuer angepasst. Viele Pflanzen sind sogar auf regelmäßige Feuer angewiesen oder gehen ihm geschickt aus dem Weg. Und dennoch gerät auch hier das System unter Druck.

"Dieser Strauch hier ist eine Banksia. Wenn ein Feuer kommt, stirbt die Pflanze. Ihre Rinde ist nicht einmal einen Millimeter dick. Sie hat keine Chance, auch nur das leichteste Feuer zu überstehen. In einer so feueranfälligen Umwelt wie dieser hier ist sie deshalb darauf angewiesen, Samenspeicher zu bilden."

Banksien speichern ihre Samen in harten, feuerfesten Fruchtständen. Diese öffnen sich nach dem Feuer und neue Banksien können keimen, heranwachsen und neue feuerfeste Fruchtstände bilden. Das funktioniert allerdings nur, solange die Waldbrände nicht zu schnell aufeinander folgen.

"Wenn das nächste Feuer schon nach vier oder fünf Jahren kommt, haben die jungen Banksien keine Zeit, eigene Samen auszubilden. Das Feuer tötet sie und niemand folgt ihnen nach. Wenn die Waldbrände also immer häufiger werden, könnte die ganze Art verschwinden."

Viele Arten Australiens vertragen häufige Feuer nicht

Und das gilt nicht nur für Banksien, sondern auch für viele andere Arten. Anders als in den USA wurde in Australien nie versucht, alle Feuer zu unterdrücken. Und trotzdem könnten neue Feuer auch hier ganze Ökosysteme auslöschen. Denn für Australien prognostizieren die Klimamodelle dürrehafte, wärmere Bedingungen und damit häufigere Waldbrände. Dem trockensten bewohnten Kontinent der Welt stehe ein Feuerinferno bevor, sagt Ross Bradstock, das sich nicht abwenden lässt.

"Die gewaltigen Energiemengen, die bei einem großen Feuer freigesetzt werden, sind weit jenseits von allem, was wir technologisch in den Griff kriegen können. Und schlussendlich sind unsere Ressourcen begrenzt. In einer idealen Welt könnten Sie vielleicht alle Feuer löschen. Aber dafür bräuchten Sie so unglaublich viel mehr Geld als irgendein Staat zur Verfügung hat, dass es nicht geschehen wird. Denn in der realen Welt müssten wir uns fragen, ok, welche Krankenhäuser schließen wir, um das zu bezahlen?"

Besonders hart wird es den dicht besiedelten und waldreichen Südosten des Landes treffen. Hier leben Hunderttausende von Menschen inmitten von Eukalyptuswäldern, die leicht entflammen und brennen wie Zunder. Je stärker die australische Bevölkerung wächst, je mehr Menschen in den Busch ziehen und je trockener die Wälder werden, desto gefährlicher werden die australischen Waldbrände, erzählt Richard Thornton, der das staatliche Waldbrand-Forschungsprogramm "Bushfire and Natural Hazards CRC" leitet.

blühender Eukalyptus, Eucalyptus kingsmillii (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)Blühender Eukalyptus: Das Holz brennt irgendwann wie Zunder. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)

"Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Feuersaison früher im Jahr beginnt und länger andauert. Und wir sehen immer mehr Tage mit hoher Waldbrandgefahr. Noch wird heftig darüber diskutiert, ob das schon Anzeichen des Klimawandels sind."

In Australien streiten die Experten noch über den Einfluss des Klimawandels. Es gibt aber eine Weltregion, in der die Zeichen schon heute eindeutig sind. Der Baumringforscher Tom Swetnam untersucht an der Universität von Arizona in Tucson, wie sich Feuer im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Jedes von ihnen hinterlässt Narben im Holz der Bäume. Anhand der Jahresringe kann er erkennen, wann welches Feuer brannte.

"In den Höhenlagen der nördlichen Rocky Mountains im Westen der USA und Kanadas war der Effekt der Feuerunterdrückung sehr gering. Es sind feucht-kalte Wälder, die natürlicherweise nur sehr selten Feuer fangen. Also wurden auch nur wenige unterdrückt. Trotzdem sehen wir hier einen besonders starken Anstieg der Waldbrandgefahr und den können wir eindeutig auf die Klimaerwärmung zurückführen. Im Winter fällt hier weniger Schnee, sodass es im Frühling und Sommer schneller trocken wird. Dadurch nehmen Waldbrände zu."

Der Klimawandel ist im Gange. Und früher oder später wird er vielerorts die Kräftegleichgewichte verschieben. Er arbeitet Hand in Hand mit anderen Entwicklungen.

"Wir haben gewaltige Feuer in Griechenland gesehen. Dort haben sie viel mit einem Wechsel der Landnutzung zu tun. Immer mehr Bauern geben die Landwirtschaft auf und ziehen in die Städte. Früher ließen sie ihre Tiere in den Olivenhainen grasen. Wenn diese Praxis wegfällt, wuchern die Haine zu und gefährliches Brennmaterial sammelt sich unter den Olivenbäumen."

Riesige Brände durchziehen auch Südamerika und Asien

Ähnlich sieht es rund um das gesamte Mittelmeer aus. Riesige Feuer durchziehen jedes Jahr die tropischen Wälder Südamerikas und Asiens, oft absichtlich zur Brandrodung gelegt. Und selbst rund um die Arktis nehmen Waldbrände zu.

"Sibirien ist eine der Regionen, die uns große Sorgen macht. Seit einigen Jahrzehnten sehen wir hier gewaltige Brände. In einigen Jahren gehen mehr als zehn Millionen Hektar in Flammen auf. Die Feuer zerstören auf riesigen Flächen den Wald und legen den Permafrostboden darunter frei, in dem sehr viel Kohlenstoff gespeichert ist. Die Hitze der Waldbrände lässt ihn schneller auftauen. Das ist besorgniserregend, denn die aufgetauten Böden geben neben großen Mengen Kohlendioxid auch das noch viel wirksamere Treibhausgas Methan frei."

Die neuen Feuer zerstören Ökosysteme, sie gefährden Menschen und schicken gewaltige Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre. Damit könnten sie einen Teufelskreis in Gang setzen.

Blick über eine durch Dauerfrost (Permafrost) gezeichnete Landschaft auf der zur Russland gehörenden Bolschewik Insel, während im Vordergrund noch Packeis herrscht ist im Hintergrund die Landschaft schon aufgetaut und schlammig.   (picture alliance / dpa / Foto: Hinrich Bäsemann)Blick über eine durch Dauerfrost (Permafrost) gezeichnete Landschaft auf der zur Russland gehörenden Bolschewik Insel (picture alliance / dpa / Foto: Hinrich Bäsemann)

"Waldbrände haben lokale, regionale und möglicherweise sogar globale Folgen. Wenn sie einen Wald abbrennen, verändern Sie dadurch das lokale Klima. Durch die verschwundenen Bäume fehlt der Schatten, sodass gerade unter warmen Bedingungen der Boden leicht austrocknet und es für Pflanzen schwierig wird, ihn wieder zu besiedeln. Besorgter aber sind wir über die möglichen globalen Folgen von immer mehr Waldbränden. Denn dadurch werden gewaltige Mengen Biomasse verbrannt und Kohlenstoff gelangt in die Atmosphäre. Und wenn es den Bäumen nicht gelingt, die verbrannten Flächen wieder zu besiedeln, dann können sie den freigesetzten Kohlenstoff nicht wieder aufnehmen."

Noch dienen die Wälder der Welt als gigantische Kohlenstoffsenken. Sie nehmen fast 25 Prozent des Kohlendioxids auf, das der Mensch jedes Jahr in die Atmosphäre pumpt.

"Wie er die Flamme dämpft und facht,
und hält den Eisenblock bereit!
Den soll ihm die gefangne Macht,
die wilde hartbezähmte Glut
zermalmen gleich in ihrer Wut."

"Dieser Wald hier ist typisch für die Gebirgsausläufer der Great Dividing Range. Es ist ein Mischwald mit verschiedenen Eukalyptusarten. Diese dort heißt Messmate Stringy Bark und hier haben wir Pfefferminz-Eukalyptus. Ein ganz wunderbarer Duft."

Sieben Jahre sind seit dem Schwarzen Samstag vergangen. Der pensionierte Feuerforscher Peter Attiwill kämpft sich durch einen dichten, staubtrockenen Wald keine 20 Meter entfernt von den Häusern des kleinen Ortes Marysville im Hinterland von Melbourne.

"Schauen Sie sich dieses ganze Brennmaterial an. So viel trockenes Holz. Stellen Sie sich nur vor, wie das Feuer fangen kann. Und wie es brennen würde."

Marysville war 2009 von den Black Saturday Feuern vollständig zerstört worden, 41 Menschen starben allein hier. Trotzdem wurde der Ort an der gleichen Stelle wieder aufgebaut. Die Menschen kamen zurück und wohnen jetzt wieder mitten im Busch, der sich schon lange von den Feuern erholt hat und genauso dicht und undurchdringlich ist wie zuvor.

"Ich denke, wir müssen einfach lernen, mit Feuer richtig umzugehen und mit ihm zu leben."

Ross Bradstock ist aus dem Royal National Park heraus nach Norden gefahren und biegt in eine kleine Wohnstraße in den Außenbezirken von Sydney ein.

"Wir sind hier im Vorort Engadin, am südlichen Stadtrand von Sydney."

Neue Strategien gegen das Feuer

Der Feuerforscher leitet das Zentrum für Umweltrisikomanagement von Waldbränden an der Universität von Wollongong. Er hat das Auto am Ende der kleinen Straße geparkt. Rechts und links liegen einstöckige Einfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren, eingebettet zwischen Eukalyptusbäumen. Keines der Häuser hier ist nach modernen Brandschutzbestimmungen gebaut. Und doch sind sie typisch für die Mehrheit aller australischen Häuser. Tausende ähnlicher Bauten ziehen sich am gesamten Stadtrand von Sydney entlang, jener fast 2000 Kilometer langen, ausgefransten Grenze zwischen Wald und Stadt, die allen Feuerforschern Sorgen macht. Ross Bradstock läuft zwischen zwei der Häuser hindurch in den dahinter liegenden Wald.

"Hier können wir sehen, dass erst kürzlich einige Bäume gefällt worden sind. Das ist gut. Und in direkter Nähe zu den Häusern ist das Unterholz entfernt worden. Gerade das ist sehr wichtig, wenn es darum geht, die Häuser vor Waldbränden zu schützen. Denn die Frage ist ja, wie kommt ein Feuer an die Gebäude heran und wie kann es hier brennen."

Um die Menschen zu schützen, hat die australische Regierung in der Vergangenheit immer wieder versucht, Anwohner zum Verkauf ihrer Häuser und zum Wegzug aus besonders gefährdeten Gebieten zu bewegen. Der Erfolg all dieser Maßnahmen sei mäßig gewesen, sagt Richard Thornton vom staatlichen Waldbrand-Forschungsprogramm.

"Sie können die Leute ja nicht zwingen, ihre Häuser zu verkaufen. Und die meisten leben nun mal im Wald, weil es ihnen dort gefällt. Oft wohnen sie auf Bergrücken, die fantastische Ausblicke bieten."

Deshalb setzen Richard Thornton und seine Kollegen verstärkt auf Aufklärung und eine gute Vorbereitung.

"Wenn Sie in einem Hochrisikogebiet leben, brauchen Sie Fensterläden aus Stahl. Sie müssen alle Öffnungen im Haus dicht verschließen können. Denn unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass die meisten Häuser durch Funkenflug verloren gehen. Durch glühende Asche also, die durch die Luft gewirbelt wird und durch Öffnungen im Dach, durch Fenster oder unter der Tür hindurch ins Haus gelangt. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist, jede noch so kleine Öffnung mit Stahlläden zu verschließen."

Von Waldbrand in Flammen gesetztes Haus in der spanischen Region Asturien (dpa / Carlos Castro)Waldbrand im spanischen Asturien: Funken springen auch schnell auf Häuser über. (dpa / Carlos Castro)

Das Wichtigste aber sei, dass die Leute sich frühzeitig einen Plan zurechtlegen, ob sie bleiben und das Haus schützen oder fliehen wollen. Und diesen Plan müssten sie dann auch konsequent verfolgen. Genau das aber sei oft das Problem.

"Eine Frage ist zum Beispiel, welche Rolle Haustiere bei der Entscheidung spielen. Wir wissen, dass in den Black Saturday Feuern Leute gestorben sind, die eigentlich vorgehabt hatten, rechtzeitig zu fliehen. Aber sie konnten ihre Hunde und Katzen nicht finden. Statt sie zurückzulassen, haben sie kostbare Zeit damit vertan, die Tiere zu suchen."

"Schau, wie das Feuer sich zersplittert!
Wie's tückisch an der Kohle knittert!"

Um die generelle Waldbrandgefahr zu mindern, werden in Australien im relativ feuchten Winter und Frühjahr kleine, kontrollierte Feuer gelegt. Sie vernichten Brennmaterial und entziehen so den großen, gefährlichen Waldbränden die Nahrung. Feuer mit Feuer zu bekämpfen, ist eine Strategie, die sich langsam aber sicher auch in Amerika durchsetzt. Der Forstwissenschaftler Peter Fulé etwa hält sie für eine der wichtigsten Strategien, um Megafeuer zu verhindern. Er erforscht an der Northern Arizona University, wie sich Wälder gegenüber Feuer und Klimawandel widerstandsfähiger machen lassen.

"In den trockenen Wäldern im Westen der USA versuchen wir in erster Linie, einige der Schäden wiedergutzumachen, die durch die lange Zeit der Feuerunterdrückung entstanden sind. Wir wollen wieder lichte, offene Wälder schaffen, mit großen alten Bäumen sowie Gräsern und Sträuchern am Boden, die brennen können, ohne dass die Feuer zu intensiv werden."

Wälder werden ausgedünnt

Er und seine Kollegen dünnen die Wälder aus, indem sie junge Bäume schlagen und die großen alten stehen lassen. Das widerspreche zwar jeder forstwirtschaftlichen Logik, helfe aber den Wäldern. Ohne das Brennmaterial der jungen Bäume bleiben die Waldbrände kühl genug, um den großen alten Bäumen mit ihrer dicken Rinde ein Überleben im Flammenmeer zu sichern. Das alles kostet sehr viel Geld.

"Die Wälder fungieren als wichtige Wassereinzugsgebiete. Sie fangen Schnee und Regen auf und geben das Wasser nach und nach in die Flüsse ab, sodass Tiere und Menschen es nutzen können. Sie sind darüber hinaus wichtige Zufluchtsorte für viele Tiere und Pflanzen. Und sie dienen der Erholung. Deshalb liegt unser Fokus nicht mehr so sehr auf dem reinen Baumwachstum, sondern darauf, diese Wälder so umzubauen, dass sie eine Chance haben, unter zukünftigen Bedingungen zu überleben."

Dabei müsse Vielfalt erhalten bleiben, sagt Peter Fulé.

"Die Ökosysteme sind heute für uns wichtig, und sie werden es in Zukunft sein. Natürlich werden sie sich verändern, aber wir wissen nicht, wie stark. Wenn wir mit absoluter Sicherheit vorhersagen könnten, welche klimatischen Bedingungen wir am Ende dieses oder des nächsten Jahrhunderts zu erwarten haben, dann könnten wir die Ökosysteme jetzt schon auf genau diese Bedingungen vorbereiten. Wir könnten bestimmte Baumarten pflanzen, die am besten zurechtkommen werden. Aber wir wissen das alles nicht. Wir wissen nicht, wie genau sich das Klima ändert, ob die optimistischen Vorhersagen stimmen, oder die pessimistischen. Und deshalb müssen wir versuchen, soviel wie möglich von der natürlichen biologischen Vielfalt zu erhalten und von den Ökosystemen, auf die wir angewiesen sind."

"Lang aus die rote Kralle streckt
und nach dem Kerkermeister reckt!"

Feuer gehört zum Leben auf der Erde. Versucht man es zu verbannen, schlägt es zurück und zerstört was es gestaltet hat.

"Wie's vor verhaltnem Grimme zittert:
O, hätt' ich dich, o könnte ich
mit meinen Klauen fassen dich!"

Im Jahr 2000 brannten 350 Millionen Hektar Land

Allein im Jahr 2000 brannten nach Untersuchungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen weltweit 350 Millionen Hektar Land. Das entspricht einer Fläche größer als Indien.

"Die Menschen haben Angst vor Feuer, verständlicherweise, denn es kann Zerstörung und Tod bringen. Das ist der eine, der bedrohliche Aspekt des Feuers. Aber wenn wir hier leben wollen, müssen wir es verstehen und akzeptieren, dass es ein Teil dieser Welt ist. Und da lohnt es, auch den anderen Aspekt des Feuers zu sehen: seine Schönheit. Es ist ein spektakuläres Phänomen."

"Ich lehrte dich den Unterschied
von dir zu Elementes Zier."

"Das Aufregendste sind natürlich die extremen Explosionen eines Feuers, das richtig heiß brennt. Sobald es die Baumkronen erreicht, schreit es wie ein Düsenjet. Ein gewaltiges Brüllen, das Sie regelrecht zurückschleudert und erschauern lässt. Der Lärm, die Hitze und der Wind, das alles zusammen: Es ist eine unglaubliche Naturgewalt."

"An deinem morschen, staub'gen Glied,
Du ruchlos Menschentier!"

"Bei solchen Waldbränden wird auf einen Schlag eine enorme Menge Energie freigesetzt. Und Sie beginnen, zu verstehen, dass wir Menschen sehr wenig Kontrolle über diese Welt haben. Feuer kann Sie daran erinnern, es hat die Kraft dazu."

Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff aus der Sammlung Fels, Wald und See.

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