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Mehr als nur ein Arbeitsbesuch in Athen

Merkel reist nach Griechenland

Theo Geers, Hauptstadtstudio

Am Dienstag zu Besuch in Athen: Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU.
Am Dienstag zu Besuch in Athen: Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU. (dpa / Maurizio Gambarini)

Die Würfel sind gefallen. Machen wir uns nichts mehr vor. Und lassen wir uns vor allem nicht länger etwas vormachen. Wenn die Kanzlerin am Dienstag nach Athen fliegt, dann ist das kein normaler Arbeitsbesuch unter Europartnern, sondern mehr. Viel mehr.

Es ist eine Demonstration mit einer deutlichen Botschaft an die Griechen und einer versteckten Botschaft an uns Deutsche: Griechenland wird nicht fallen gelassen;

Griechenland bleibt in der Eurozone und: Wir Deutsche können uns mental schon mal drauf einstellen, dass dies alles weitere Hilfszusagen erforderlich macht, dass dies alles also Geld kostet. Deutsches Geld. Diese Würfel sind allesamt gefallen, denn ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht, das wird in Berlin entschieden. Und offenkundig hat sich der größte Zahlmeister bei den Griechenlandhilfen entschieden. Wir wollen, dass Griechenland sich in der Eurozone stabilisiert, hat der Regierungssprecher heute noch einmal gesagt. Das lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig.

Wenn gleichzeitig aber auch klar ist, dass in Athen spätestens Ende November die Kassen leer sind, dann wird es Anfang Oktober in Berlin höchste Eisenbahn, für diesen Fall die Weichen zu stellen. Schließlich hat sich Merkel hierzulande bislang als diejenige präsentiert, die das Geld der Deutschen zusammen hält und es nicht in ein Fass ohne Boden kippt, für das viele Griechenland nun mal halten.

Wenn aber wieder Geld fließen und damit Haftungsrisiken übernommen werden sollen, wenn das den skeptischen Deutschen auch noch in langsam beginnenden Wahlkampfzeiten beigebracht werden muss, dann muss eine Kommunikationsstrategie her. Zumal Peer Steinbrück, der SPD-Kanzlerkandidat, schon lange sagt, dass Griechenland noch ein paar Jahre am Tropf auch der Deutschen hängen wird. Damit hat er recht, ebenso wie mit seiner Forderung an Angela Merkel, in dieser Frage den Deutschen endlich reinen Wein einzuschenken.

Die Reise nach Athen passt da ins Bild: Die Kanzlerin verschafft sich einen eigenen Eindruck vom Ernst der Lage, und nachdem sie das getan hat, tritt sie vor die skeptischen Deutschen überbringt ihnen die unangenehme Botschaften in Sachen Griechenland. Denn nichts deutet darauf hin, dass sich in Griechenland die Dinge so und vor allem und vor allem so schnell so entwickeln, wie man das gerne hätte.

Und weil die Troika das entweder noch in diesem Monat, spätestens aber im November nach der Präsidentschaftswahl in den USA in ihrem nächsten Bericht über Griechenland schonungslos offenlegen wird, tritt Merkel schon jetzt die Flucht nach vorn an. Ihr läuft die Zeit davon.

Der Wahlkampf hat mit der Nominierung Steinbrücks begonnen, spätestens Ende des Jahres müssen deshalb alle potenziellen Problemherde entweder gelöst oder zumindest soweit kalt gestellt sein, dass bis zur Wahl im September Ruhe herrscht. Selbst wenn diese trügerisch ist.

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