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StartseiteCampus & KarriereMehr als Wetterbericht und Erdkunde23.09.2009

Mehr als Wetterbericht und Erdkunde

Zukunftschancen des Geografenberufs

Klimaforscher, Verkehrsplaner, Umweltreferenten, Immobilien-Entwickler oder "GIS"-Experte: all das ist letztlich der Geograf von heute. Vielen Geografen stehen aber zu wenige Stellen zur Verfügung - so gilt es, sich zu positionieren.

Von Alexander Musik

Handwerkszeug (Stock.XCHNG / Steve Gray)
Handwerkszeug (Stock.XCHNG / Steve Gray)

Wo ist sie hin, die gute alte Berufsbezeichnung Geograf? Durch starke Veränderung des Berufsbildes häufig einfach verschwunden, sagt Christoph Winkelkötter, Vorsitzender des Verbandes für angewandte Geographie. Er ist das Beste Beispiel: Selbst Geograf, arbeitet er als Wirtschaftsförderer in Starnberg.

"Wir sehen gerade bei uns im Berufsverband, dass das Berufsbild immer breiter wird. Früher, in den 70er-Jahren, war es sehr stark in der Raumordnung, in der Landesplanung, der Regionalplanung, das hat sich jetzt sehr stark verändert, auch im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, Tourismuswirtschaft, das ist in den Bereich Immobilien gegangen, in den Bereich Wirtschaftsförderung – überall, wo gesellschaftliche Probleme auftreten, werden Geografen mehr und mehr gefragt, diese auch mit ihren Methoden und ihrem Wissen zu lösen. Wo erst mal ein Geograf gelandet ist und eine Stelle besetzt hat, zieht dieser Geograf oder diese Geografin weitere Geografen nach sich."

Schneeballeffekt, nennt Rudolf Juchelka, Wirtschaftsgeograf an der Universität Duisburg/Essen, die Tatsache, dass ein Geograf einen Fachkollegen in dieselbe Firma holt. Juchelka ist in Wien, um über Chancen für Geografen auf dem Arbeitsmarkt zu referieren – der ist laut Juchelka durchaus attraktiv.

"Allein der Ausdruck Chance wird der Sache nicht gerecht! Der Arbeitsmarkt für Geografen ist in den letzten Jahren aufgrund der thematischen Breite des Faches von Stadtplanung, Verkehr, Wirtschaftsförderung, Immobilien so groß geworden, dass ein fundiertes Fachwissen, gepaart mit Methodik und sich selbst kommunikativ gut verkaufen können, hervorragende Einstiegschancen für den Beruf sind."

Methodenwissen ist das A und O, betont auch Christoph Winkelkötter. Denn gerade das interdisziplinäre Selbstverständnis der Geografie erschwere häufig den Einstieg ins Berufsleben. Wer sich mit einer möglichst breiten Palette bewirbt, wird schnell als Universaldilettant abgetan, hat der Verbandschef herausgefunden. An 60 deutschen Hochschulen ist es derzeit möglich, Geografie zu studieren. Der Verband hilft, die Uni mit dem gewünschten Schwerpunkt zu finden. Dabei wird der Studienort meistens ganz pragmatisch gewählt, sagt Winkelkötter.

"Wo bekomme ich überhaupt einen Job? Diese Existenzfrage ist ganz entscheidend. Und auch das Gehalt. Es ist einfach so heute, das Geld spielt eine gewisse Rolle. Was kann ich mit meinem Studium verdienen, kann ich da auch eine Familie in Zukunft mal ernähren?"

Sechs Monate nach Studienabschluss haben 80 Prozent der Absolventen einen Job gefunden, hat der Verband errechnet: aber eben nicht mehr vorrangig als Erdkunde-Lehrer an einer Schule oder als Assistent an der Hochschule. Mit 41 Prozent ist heute die Privatwirtschaft der größte Arbeitgeber für die 30.000 Diplom-Geografen in Deutschland, die dann Klimaforscher, Verkehrsplaner, Umweltreferenten, Immobilien-Entwickler oder GIS-Experte werden. Geo-Daten stehen hoch im Kurs, sagt Daniela Schmeinck, Mitglied des Europäischen Geografen-Netzwerks für Hochschulen, "Herodot".

"Ein ganz großer Bereich ist mit Sicherheit der GIS-Bereich, der sehr stark im Kommen ist – die geografischen Informationssysteme, mit denen man unterschiedliche Analysen, alles Mögliche anstellen kann. Wenn man da Kenntnisse vorweisen kann, ist man mit Sicherheit attraktiv, auch für die Wirtschaft, auch in Bereichen, die auf den ersten Blick gar nicht so geografisch aussehen."

Schmeinck hat an der Entwicklung eines Web-Portals für junge Geografen mitgearbeitet. Ein notwendiges Unterfangen, denn eine Studie hatte zuvor für die Zunft Ernüchterndes an den Tag gebracht:

"Und diese Studie hat uns sehr nachdenklich gemacht, vor allem, weil das Berufsbild dann genau so unklar ist! Wozu braucht man denn die Geografen, das sind doch die, die nur die Karten können oder die nur das Wetter können!"

Dass Geografen mehr als nur den Wetterbericht liefern, wird nun unter der Webadresse geo-cube.eu erklärt und illustriert. Alle Fachgebiete werden aufgeschlüsselt, und wer wissen möchte, wo er oder sie am besten studieren, promovieren, das passende Praktikum oder gar eine Stelle finden kann, bekommt ganz individuell Auskunft.

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