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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr Design als ökologisch sein10.07.2012

Mehr Design als ökologisch sein

Apple verzichtet auf US-Umweltsiegel

Der kalifornische Computerhersteller Apple will sich in Zukunft mit seinen Produkten nicht mehr um das US-Umweltsiegel EPEAT bewerben. Das besondere Design der Apple-Geräte rechne sich offenbar mehr als Erlöse durch Recycling, glaubt Andreas Manhart vom Ökoinstitut Freiburg.

Andreas Manhart im Gespräch mit Jule Reimer

Greenpeace-Aktivisiten vor dem Apple-Hauptquartier in Cupertino (picture alliance / dpa / George Nikitin / Greenpeace)
Greenpeace-Aktivisiten vor dem Apple-Hauptquartier in Cupertino (picture alliance / dpa / George Nikitin / Greenpeace)

Jule Reimer: EPEAT – das ist den USA, was der Blaue Engel für Deutschland ist, nämlich ein Siegel, das einem Produkt Umwelt- und Recycle-Freundlichkeit bescheinigt. Der US-Konzern Apple hat jetzt in den USA sämtliche PC von der EPEAT-Liste nehmen lassen. Apple-Produkte zeichnen sich durch ein besonderes Design aus, dazu gehört auch, dass die Laptops, Tablet-Computer und Smartphones immer flacher und leichter geworden sind, also auch angenehmer zu tragen sind. – Frage an Andreas Manhart vom Ökoinstitut Freiburg: Sind denn diese Eigenschaften nicht mit der Recyclebarkeit und diesem Umweltsiegel EPEAT vereinbar?

Andreas Manhart: Guten Tag! – Doch, das wären sie prinzipiell schon. In der Recycllebarkeit von kleinen elektronischen Geräten geht es vor allem darum, dass man die Akkus entnimmt und in einen getrennten Recycling-Strom einspeist. Nur ist es bei Apple-Produkten so, dass diese Akkus nur sehr schwer zu entnehmen sind, und hier stößt man auf Widersprüche. EPEAT verlangt, dass die Akkus manuell entnehmbar sind, und das können diese Produkte eben momentan nicht leisten.

Reimer: Warum macht Apple das denn? Bei anderen Geräten kann ich den Akku austauschen. Machen die das, um mehr Geld zu verdienen?

Manhart: Nein. Das hat sicher auch damit zu tun, dass natürlich die Produkte, wie Sie schon sagen, immer dünner werden, das die händische Wechselbarkeit durch den Nutzer natürlich irgendwann vom Design her begrenzt. Es geht aber gar nicht mehr darum, dass es nur um den Nutzer geht; es geht insbesondere darum, dass die Recycling-Betriebe das schnell machen können. In so einem Recycling-Betrieb hat ein Arbeiter wenige Sekunden Zeit, um den Akku zu entnehmen und in eine andere Tonne zu sortieren. Da muss gar nicht mehr unbedingt eine Schraube dran sein, damit der Nutzer das machen kann; es könnte auch so sein, dass man das Gerät auf eine Kante klopft und dann fällt der Akku heraus. Es gäbe also schon Möglichkeiten, das so wie EPEAT das will zu bewerkstelligen.

Reimer: In der "Financial Times Deutschland" von heute heißt es außerdem, beim neuesten MacBook seien LCD-Display und Glasabdeckung miteinander verbunden, der Arbeitsspeicher auf die Platine gelötet. Sind das auch alles Umweltsünden, oder eher lässliches?

Manhart: Das ist eher interessant für die Nutzer, die dem Produkt ein zweites Leben einhauchen wollen, die das Produkt, wenn es denn nicht mehr den Anforderungen genügt, erweitern wollen, daran herumbasteln wollen. Für das Recycling ist das heutzutage nicht mehr so wichtig. Bei diesen Tablet-PCs und auch bei den Smartphones geht es eigentlich nur darum, den Akku zu entnehmen. Das wäre für die Recyclierbarkeit eine kleinere Sünde beziehungsweise gar keine Sünde. Hier geht es eigentlich nur um den Akku.

Reimer: Aber versuchen Sie noch mal, uns die Motive von Apple zu erklären. Rohstoffe werden ja insgesamt immer teurer und insbesondere auch in Smartphones sind ja sehr wertvolle Rohstoffe enthalten. Recyclen läge doch eigentlich im Interesse auch der Hersteller.

Manhart: Das stimmt auch. Die Akkus sind vor allen Dingen beim Cobalt ziemlich wichtig. Cobalt ist ein kritischer Rohstoff, er ist knapp und er kommt vor allem zum großen Teil aus dem Kongo, unter verheerenden sozialen Bedingungen abgebaut. Hier wäre Recycling tatsächlich im Interesse der Hersteller. Es scheint aber so zu sein, dass das Produkt-Design am Markt immer noch mehr erlöst, ein gutes, ein schönes Produkt-Design, als dann tatsächlich die Ersparnisse durch die Rohstoffkreisläufe einbringen würden. Scheinbar ist hier die Ökonomie immer noch so gelagert, dass der Produktaufbau und die Vermarktbarkeit des Produktes als Faktor überwiegen.

Reimer: Und die Gefahr, dass Apple jetzt bei öffentlichen Aufträgen in den USA nicht mehr zum Zuge kommt, oder nicht mehr so stark zum Zuge kommt, scheint auch keine Rolle zu spielen?

Manhart: Na ja, Apple ist natürlich eine sehr starke Marke, Apple ist weltbekannt, hat einen sehr, sehr festen Kundenstamm. Wir denken, dass Apple sich sicher genau überlegt hat, auch ökonomisch, was denn dieser Schritt für Folgen hat und welche Aufträge sie verlieren beziehungsweise nicht verlieren werden durch diesen Schritt. Natürlich finden wir es schade, dass sich Konsumenten nicht mehr anhand von Siegeln daran orientieren können, ob ein Produkt gut im Sinne der Recyclierbarkeit und anderer Kriterien ist oder nicht.

Reimer: Andreas Manhart vom Ökoinstitut Freiburg zum Ausstieg von Apple aus dem US-Umweltsiegel EPEAT. Vielen Dank!

Manhart: Vielen Dank auch.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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