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StartseiteForschung aktuellMehr Solarkraft in Nippon14.07.2011

Mehr Solarkraft in Nippon

Aus der Sendereihe "Fukushima und die Folgen"

Energie. - Der Reaktorunfall in Fukushima hat anscheinend eine Kehrtwende der japanischen Regierung ausgelöst. Premierminister Naoto Kan kündigte an, dass das Land ohne Atomenergie auskommen solle - sah allerdings wohlweislich davon ab, einen Termin dafür zu nennen. Japan ist in der Stromproduktion ganz auf sich allein gestellt.

Von Sönke Gäthke

Atomkraft ist in Teilen der japanischen Gesellschaft unbeliebt geworden. (picture alliance / dpa / Mizuha Mori)
Atomkraft ist in Teilen der japanischen Gesellschaft unbeliebt geworden. (picture alliance / dpa / Mizuha Mori)

Die Stromversorgung in Japan ruht derzeit vor allem auf zwei Pfeilern: den fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas, sowie Uran. 10 Stromversorger betreiben 54 Atomkraftwerke; sie decken damit rund 30 Prozent des Stromverbrauchs. Derzeit kämpft die Regierung mit den Auswirkungen des Erdbebens, des Tsunamis und der Atomkatastrophe auf die Stromversorgung.

"The Tohoku and Kanto regions have faced power shortages and some areas had to reduce electricity use due to planned outages."

Die Tohoku und Kanto Regionen mussten ihren Stromverbrauch senken und Stromabschaltungen hin nehmen. Und das, obwohl der Löwenanteil der japanischen Kraftwerke nicht von den Katastrophen betroffen waren. Dass trotzdem im Nordosten der Strom rationiert werden musste, liegt an zwei Besonderheiten Japans: Zum einen besteht Japan aus vielen Inseln. Es muss seinen Strom daher komplett selbst erzeugen. Zum anderen aber zerfällt das Stromnetz Japans in zwei Teile: In ein 60 Hertz und in ein 50 Hertz Netz. Nur an drei Stationen ist ein Stromtransfer zwischen diesen Netzen möglich, mit sehr begrenzter Kapazität. Während der Südwesten des Landes genug Energie erzeugt, leidet der Nordosten daher immer noch unter dem Ausfall der Atom- und Fossilen Kraftwerke

"This summer saving energy is a major concern for the government. The government has asked businesses and households using power from the Tohoku and Tokyo electric power companies to cut electricity use by 15 per cent, compared to last year. Some companies decided to move their business hours forward. Others relocated temporarily to Western Japan."

In diesem Sommer ist Stromsparen die Hauptaufgabe der Regierung. Sie hat Unternehmen im Nordosten angewiesen, ihren Verbrauch um 15 Prozent senken. Dass von den Atomkraftwerken derzeit 35 still stehen, macht die Situation nicht leichter. Ob alle von ihnen wieder ans Netz gehen, ist für den japanischen Premierminister Naoto Kan offenbar auch offen. Bereits im Mai kündigte er auf einer Pressekonferenz am Rande des G8 Gipfels in Frankreich an.

"Wir werden unsere Energieversorgung von den beiden Pfeilern Kernkraft und fossile Brennstoffe um zwei weitere Pfeiler erweitern: Erneuerbare Energien und Energiesparen. Erneuerbaren Energien sollen so schnell wie möglich vor 2020 einen Anteil von 20 Prozent erreichen. Außerdem müssen wir in der Lage sein, ein komfortables Leben zu führen mit möglichst wenig Energieverbrauch."

Und auf einer Pressekonferenz in Tokio gestern deutete er an, auf Kernenergie künftig ganz verzichten zu wollen.

"We need to reduce nuclear dependency in a planned and phased manner, so that in the future, this society will sustain without nuclear power."

Wir müssen die Abhängigkeit von Kernenergie langsam auslaufen lassen und in Zukunft ohne Atomstrom auskommen. Wie schnell die japanischen Energieversorger jedoch auf die Atomkraftwerke verzichten können, ist unklar. Die besondere Lage Japans wird dem Land einen schnellen Ausstieg schwerer machen als Deutschland. In Deutschland erzeugten Atomkraftwerke nur 22 Prozent des Stromverbrauchs. Die Regierung konnte die Hälfte der Atomkraftwerke stilllegen; reicht die Stromerzeugung nicht aus, können die Energieversorger Strom aus dem Ausland kaufen. Das geht in Japan nicht, und das Land verzichtet derzeit auf mehr als die Hälfte seiner Atomkraftwerke.

Immerhin will Naoto Kan den Anteil der erneuerbaren Energien noch vor 2020 auf 20 Prozent an der Energieerzeugung steigern. 2010 waren es unter vier Prozent. Wie er das erreichen will, ließ er jedoch offen. Beobachter in Japan und Europa vermuten daher, dass auf die Ankündigungen wenig folgen wird. Zu unrecht, ist Mycle Schneider, unabhängiger Atomenergie-Experte in Paris und Japan-Kenner überzeugt.

"Es ist ganz eindeutig, dass die Regierung Kan jetzt einen Boost der Erneuerbaren anschiebt, vor allen Dingen Solar, es ist ja gesagt worden, verschiedentlich ausgedrückt worden, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass sehr schnell, breitflächig Solar, Photovoltaikanlagen auf allen Dächern, die dafür ausgelegt sind, an Gebäuden angebracht werden sollen, das unter dem so genannten Sunrise-Projekt."

Über das Sunrise-Projekt berichteten japanische Zeitungen zum ersten Mal kurz vor dem G8 Gipfel Ende Mai. Wird es umgesetzt, müssen auf allen Neubauten Solarzellen montiert werden. Die Vorschrift soll bis 2030 gelten.

Die Insellage Japans wird aber auch einen Ausbau der Erneuerbaren schwierig machen. In Europa können die Nachbarstaaten miteinander kooperieren, um die fluktuierende Stromerzeugung aus Sonne und Wind untereinander auszugleichen und zu verstetigen. In Japan bleibt den Energieversorgern nichts anders übrig, als diesen Ausgleich allein zu schaffen.

Mehr zum Thema:
Sammelportal "Katastrophen in Japan"

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