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Mehr Stiftergelder für die Forschung?

Konferenz befasst sich mit Motiven und Folgen privater Wissenschaftsförderung

Von Philip Banse

Das Für und Wider der privaten Wissenschaftsförderung wird in Berlin diskutiert.
Das Für und Wider der privaten Wissenschaftsförderung wird in Berlin diskutiert. (Science)

Nur zehn Prozent der Forschung wird in Deutschland privat finanziert. Ein Vorteil: Forscher können schneller auf Aktuelles reagieren. Kritiker geben aber zu bedenken, dass die Unabhängigkeit der Wissenschaft leiden könnte. Über das Für und Wider der privaten Förderung diskutieren Wissenschaftler auf einer Tagung in Berlin.

Längst wird Wissenschaft nicht mehr allein vom Staat finanziert. In Deutschland gibt es 600 bis 700 privat finanzierte Stiftungsprofessuren. Neue Formen der Graduiertenkollegs, Austauschprogramme, Publikationen – private Stiftungen engagieren sich immer mehr in der nicht-kommerziellen Wissenschaft, sagt Professor Jürgen Kocka, als Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Organisator der Tagung. Der Historiker Kocka hat als ehemaliger Inhaber eines Stiftungslehrstuhls sehr von privater Wissenschaftsförderung profitiert:

"Die zivilgesellschaftliche, also nicht-staatliche und nicht-kommerzielle Wissenschaftsförderung, ist weniger als zehn Prozent der Gesamtförderung. Das allermeiste geschieht in Deutschland weiterhin wie in den meisten anderen Ländern staatlich. Vor diesem Hintergrund würde es uns gut tun, eher mehr davon zu haben – soweit bestimmte Regeln dabei berücksichtigt werden."

Diese Regeln auszuloten, ist Ziel der zweitägigen Tagung in Berlin. Mehr privates Geld für die Wissenschaft fordert auch der Politikwissenschaftler Rupert Graf Strachwitz. Er ist Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt Universität in Berlin – das Institut wird getragen durch die private Maecenata-Stiftung. Strachwitz ist für stiftungsfinanzierte Forschung, weil erstens andere Schwerpunkte gesetzt werden könnten und privat finanzierte Forschung oft schneller auf aktuelle Strömungen reagieren könne:

"Zweitens, weil Wettbewerb die Sache belebt. Und wir wissen aus der Schulforschung, aus der Primär- und Sekundarstufe, dass dort, wo es Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Einrichtungen gibt, die Ergebnisse auch besser werden."

In Zeiten knapper Staatsfinanzen wollen selbst Kritiker privat finanzierter Wissenschaft das Geld der Stiftungen nicht komplett aus der Wissenschaftsförderung verbannen. Sie weisen aber auf Gefahren hin – etwa Professor Gabriele Lingelbach, Historikern an der Universität Bamberg:

"Die wesentliche Kritik, die man anbringen kann und als Gefahr auch nennen sollte, ist das Demokratiedefizit von Stiftungen und Spenden finanzierter Wissenschaftsförderung. Denn wenn der Staat Geld an die Wissenschaft Geld an die Wissenschaft gibt, hat das eine demokratische Legitimation, die Bevölkerung kann gegebenenfalls die Unterstützung bei Wahlen auch wieder entziehen. Das ist bei Spenden und im Stiftungsbereich nicht der Fall. Das heißt, die Bevölkerung kann keinen Einfluss darauf nehmen, wer und welche Form der Wissenschaft gefördert werden."

Weil bei Stiftungen des der Stifter den Zweck der Stiftung festlegt und die Öffentlichkeit keine Mitsprache hat, gibt es hier nur einen Ausweg: Mehr Transparenz. Mehr Offenheit fordert selbst der Befürworter stiftungsfinanzierter Forschung, Rupert Graf Strachwitz:

"Was wir wissen wollen von Stiftungen, aber auch von Vereinen, ist, wo die Mittel herstammen, zweitens wofür sie eingesetzt worden sind und drittens, wie die Entscheidung über die Verwendung zustande gekommen ist. Das sind ganz klare Kriterien hinken wir internationalen Vergleich auch hinterher. In anderen Ländern ist das seit Jahrzehnten üblich und vorgeschrieben, dass die Stiftungen das öffentlich bekannt geben."

Derzeit sei eine Selbstverpflichtung der Stiftungen in Arbeit, sagt Tagungsorganisator Jürgen Kocka. Wenn die nicht fruchte, müsse der Staat für mehr Transparenz sorgen. Durch privat finanzierte Forschung sei außerdem die Freiheit der Wissenschaft gefährdet, so die Bamberger Historikerin Gabriele Lingelbach:

"Wenn aber Stiftungen in gewissem Sinne ja auch vorgeben können, welche Ergebnisse durch die Forschungen generiert werden sollen, dann ist ein wesentliches Prinzip des wissenschaftlichen Forschens gefährdet, nämlich die, dass wir als Wissenschaftler in der Lage sein müssen, zu anderen Ergebnissen zu kommen als zu Beginn eines Forschungsprojekts absehbar."

Lingelbach fordert daher, neben mehr Transparenz der Stiftungen auch, die Ergebnisse von ihnen finanzierter Forschung unabhängig prüfen zu lassen. Das geschehe bereits entgegnet der Direktor eines stiftungsfinanzierten Instituts, Rupert Graf Strachwitz, auch die Freiheit der Wissenschaft sei durch privates Geld nicht in Gefahr:

"Wenn wir uns anschauen, was in staatlichen Hochschulen mit staatlicher Finanzierung über die letzten Jahre und Jahrzehnte gemacht oder nicht gemacht, angefangen und beendet worden ist, dann kann man eigentlich nur sagen, die Stiftungsfinanzierung ist genauso viel oder wenig frei wie die staatliche. Die geben sich da gegenseitig nichts."

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