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StartseiteCorsoÜber einen Trottel, der da hinten sitzt03.05.2016

Mein KlassikerÜber einen Trottel, der da hinten sitzt

Er ist Mitbegründer der bayerischen Kultband La Brass Banda, Kabarettist und Tuba-Professor: Andreas Martin Hofmeir. Als erster Tuba spielender ECHO Klassik-Preisträger feiert er als Solist nicht nur in den klassischen Konzertsälen große Erfolge. Sein Klassiker ist nicht so akustisch brachial wie sein Blasinstrument.

Aufgezeichnet von Achim Hahn

Andreas Martin Hofmeir bei der Verleihung des Musikpreises "Echo Klassik" am 06.10.2013. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Der Tuba-Professor und Kabarettist Andreas Martin Hofmeir (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
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Ich bin Andreas Martin Hofmeir. Ich bin von Beruf etliches, zum Beispiel Tubist, auch wenn man sich das vielleicht gar nicht vorstellen kann, Kabarettist, Autor, Theaterschauspieler, Filmschauspieler - also alles Mögliche, was man eigentlich nicht sein sollte, und mein Klassiker, der mich über viele Jahre begleitet hat von der Kindheit her, ist ein Lied von Georg Kreisler, das heißt "Das Triangel".

"Wenn Sie einmal in die Oper gehen,
und sich das Orchester dort besehen,
vielleicht sehen Sie im fernsten Eck, so zwischen Tür und Angel,
einen Mann, der spielt ein Instrument, genannt Triangel.
Wenn Sie diesen Mann betrachten, denken Sie an mich,
denn der Triangelspieler, der bin ich."

Das waren bei uns Lieder, die wurden bei uns unter dem Weihnachtsbaum gesungen noch bevor ich die im Original gehört hatte.

"Ja, da sitz ich mitten im Orchester drin,
und halte bereit mein Triangel,
und endlich zeigt der Dirigent auf mich hin,
und dann steh ich auf und mach -"

Das Triangel handelt von dem Typen, der hinten mal Kiste sitzt und erst auf Seite 89 drankommt für einen einzigen Schlag, der arme Kerl, für sonst nichts, und wenn er den vergisst, dann war sein ganzes Leben Vergeblichkeit

"Ich komm erst auf Seite neunundachtzig dran,
ja an Zeit hab ich keinen Mangel,
ich könnt ja was lesen, doch da schaut er mich an,
und schon steh ich auf und mach -"

Und als Tubist bin ich sehr oft in diese Situation gekommen, mich so zu fühlen, und wenn man in seiner Situation ist, dass man sich denkt, man macht etwas, wofür man eigentlich überhaupt nicht gebraucht wird, dann setzt es eine ganze ironische Kreativität frei

"Meistens werd ich schläfrig von all dem Getös,
besonders bei Richard Strauß,
doch schlafen geht nicht, der Dirigent wär ja bös,
er braucht mich ja wegen dem -"

Genau diese Situation: dieser Trottel, der da hinten sitzt, wo man sich denkt, für das, was der da macht, wofür muss man das überhaupt studieren? Warum sitzt der da hinten drin? Braucht man den überhaupt? Kann man den nicht wegrationieren? Was ist das für ein Vogel? Warum macht der nicht was Richtiges?

"Die Violinen weinen jetzt,
die Cellos und Bässe ergrimmen,
die Flöten jubeln, das Glockenspiel lacht -
ein Triangel kann man nicht einmal stimmen."

Das Pro-Ton-Einkommen bei der Triangel ist natürlich phänomenal. Na ja, je weniger Töne, alle kriegen das gleiche Geld, das Orchester ist gleich entlohnt, mehr oder minder, und je weniger Töne man zu spielen hat, desto besser ist das Pro-Ton-Einkommen. Da kann man sich als Tubist eigentlich auch nicht beklagen.

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