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StartseiteUS-WahlblogMein langer Abend mit Barack Obama05.11.2012

Mein langer Abend mit Barack Obama

Jasper Barenberg friert und misst Wahlfieber

Verfrorene Gesichter, wohin ich auch schaue. Handschuhe, Mützen, dicke Schals. Viele haben sich in bunte Steppdecken gewickelt. Schon lange kann ich meine Zehen nicht mehr spüren. Ein paar Sitze weiter tanzt eine Frau zur Rockmusik, die aus einem Dutzend Lautsprecher dröhnt.

Von Jasper Barenberg

Wahlkampfabend mit Clinton und Obama in Bristow, Virginia (Jasper Barenberg)
Wahlkampfabend mit Clinton und Obama in Bristow, Virginia (Jasper Barenberg)

Die Spitzen ihrer wollenen Handschuhe leuchten grün, rosa, blau, zeichnen bunte Linien in den Abendhimmel. Gegen neun Uhr nähern sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt in Bristow, Virginia, 60 Kilometer außerhalb von Washington D.C.

Die zehntausend Klappsitze im Halbrund um die Bühne sind schon lange vergeben. Doch noch immer strömen Menschen in das Amphitheater mit dem fantasievollen Namen "Jiffy Lube Live", suchen sich einen Platz auf dem Grashügel dahinter. "Kiss" hat hier vor ein paar Jahren ein Live-Album aufgenommen. Heute aber warten alle auf Barack Obama und auf Bill Clinton. Ich auch.

Allerdings wird meine Geduld (wie die aller anderen) auf eine harte Probe gestellt.

Wer Präsidenten lauscht, muss frieren (Jasper Barenberg)Wer Präsidenten lauscht, muss frieren (Jasper Barenberg)Erst der Stau, um einen Parkplatz auf dem Gelände zu ergattern. Dann die Schlange der Wartenden, die sich schon jetzt Hunderte von Metern bis zum Eingang windet. Die strengen Sicherheitskontrollen am Eingang, Metalldetektor, Taschenkontrolle. Nach vier Stunden vor Ort friere ich erbärmlich. Aber noch immer sind viele VIP-Plätze in der Nähe der Bühne nicht besetzt. Fünf Stunden sind vergangen, als es losgeht: Alle sprechen das "Pledge of Allegiance" genannte Treue-Gelöbnis gegenüber Nation und Flagge. Im ärmellosen Kleid singt Miss America 2010 vorn am Stehpult die Nationalhymne. Alle singen mit. Alle freuen sich an den Songs von Singer/Songwriter Dave Mathews. Alle applaudieren der Rede von Tim Kain, in Virginia Kandidat der Demokraten für den US-Senat.

Aber die Hölle bricht los, als Bill Clinton in Hemd und kurzer Jacke auf die Bühne tritt. Als er mit trockenem Humor, Augenzwinkern und viel Gespür für Pointen die Führungsqualitäten von Barack Obama preist, Mitt Romney dafür mit einem Jugendlichen vergleicht, der beim Griff in die Keksdose erwischt wird. Und nicht etwa rot anläuft. Sondern nach dem nächsten Keks greift. Aus dem Häuschen sind die fast Zwanzigtausend, als gegen halb elf Barack Obama selbst zum Mikrofon joggt. Hier hat er im Wahlkampf vor vier Jahren eine große "Rally" abgehalten. Hier fordert er jetzt von jedem die Antwort auf eine einzige Frage: Habe ich alles getan, damit Virginia bei der Wahl am Dienstag wieder an die Demokraten geht? Er setzt auch dieses Mal auf die Aktivisten, auf die Freiwilligen. Sie werden in den verbleibenden Tagen und Stunden von Tür zu Tür gehen. Sie werden zum Telefon greifen, Wähler mobilisieren, helfen, Leute zum Wahllokal zu fahren.

Die eigenen Anhänger und Aktivisten zu einer letzten Kraftanstrengung zu motivieren. Darum geht es an diesem Abend. Ein Blick in die Gesichter im "Jiffy Lube Live" in Bristow, Virginia, scheint zu belegen: Es funktioniert.


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