Corso / Archiv /

"Meist mache ich das, was mir Spaß macht"

Roman Coppola im Corso-Gespräch

Roman Coppola im Gespräch mit Sigrid Fischer

Der Regisseur und Drehbuchautor Roman Coppola beim Filmfestival in Cannes 2012
Der Regisseur und Drehbuchautor Roman Coppola beim Filmfestival in Cannes 2012 (picture alliance / dpa / Frédéric Dugit)

Er ist Teil der berühmten Familie Coppola, dreht Filme, Musikvideos und Werbefilme: der Franzose Roman Coppola. Zuletzt hat er mit Wes Anderson an "Moonrise Kingdom" gearbeitet. Außerdem betreibt er ein Studio für neue Ideen, denn er sei ein neugieriger Mensch.

Sigrid Fischer: Herr Coppola, Sie haben an dem Film "Moonrise Kingdom" von Wes Anderson mitgearbeitet. Heißt das, er hat diese bizarren Ideen und Sie bringen sie in eine Struktur?

Roman Coppola: Meine Rolle war in diesem Fall, ihm zu helfen, dem Drehbuch eine Gestalt zu geben. Es ist ja oft so, dass man den Film im Kopf hat, man weiß, was man will, aber es fehlt noch die Form. Ich habe ihm zum Beispiel Vorschläge gemacht und die richtigen Fragen gestellt, damit er sich klarer wird über das Ergebnis. Aber Wes ist der Regisseur, und meine Rolle ist wirklich nur eine dienende. Die Entscheidungen trifft er letztlich selbst.

Fischer: Wenn Sie selbst Filme drehen, haben Sie dann auch jemanden, mit dem Sie sich in dieser Weise austauschen können?

Coppola: Nein, ich habe niemanden, der mitarbeitet, ich schreibe immer alles selbst. Auch meinen neuen Film. Es dauert immer ziemlich lange, wenn jemand involviert wäre, ginge es vielleicht schneller. Aber man braucht schon die richtige Person, die einem wirklich nur helfen will, die meisten Leute wollen einem ihre eigenen Vorstellungen aufdrängen und unterstützen nicht unbedingt das, was man selbst will. Es ist schwer, so jemanden zu finden.

Fischer: Wenn man den Namen Roman Coppola im Internet eingibt, stößt auf viele interessante Dinge. Sie sind nicht nur Produzent und Regisseur, Sie betreiben auch ein Studio für neue Ideen. Das heißt: Sie sind scheinbar gut darin, anderen dabei zu helfen, dass ihre Ideen und Projekte realisiert werden.

Coppola: Ja, danke, das macht mir auch Spaß, ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Ich forsche gerne, begebe mich gerne in kreative Abenteuer, ob ich Musikvideos für Bands drehe oder einen Film. Ich lerne gerne dabei und nehme etwas mit. Ich habe tatsächlich diese Ideenschmiede, die Sie im Netz gefunden haben, Ich mag die kreative Herausforderung, wenn Leute auf mich zukommen und fragen: wie würdest Du das und das machen? Das ist wie eine kreative Mission, wie bei James Bond.

Fischer: Man sieht im Internet zum Beispiel einen sehr speziellen Sportwagen, oder einen Riesen Eisstand, ein Kirmesfahrgeschäft – das heißt: Ich komme zu Ihnen mit so einer Idee, und Sie geben mir das Geld dazu oder wie muss ich mir das vorstellen?

Coppola: In der Regel mache ich vor allem die Werbung für ein Produkt. Jemand hat ein neues Produkt und möchte auf besondere Weise darauf aufmerksam machen. Dass eines Tages ein Kirmesunternehmen zu mir käme und sagen würde: Wir brauchen eine Idee für eine neue Attraktion, das ist bisher nur meine Fantasie. Aber mir würde da schon was Tolles einfallen. Meist mache ich das, was mir Spaß macht. Ich hab auch noch Lust zu vielen anderen Projekten, Zum Beispiel würde ich gerne mal ein Restaurant entwerfen, oder Kinderspielzeug, Inneneinrichtungen interessieren mich sehr. Wenn jemand käme und sagte: Wir planen einen Nachtclub, was schlagen Sie vor? Das würde mir gefallen.

Fischer: Wenn Sie Musikvideos für Bands drehen, ist es wichtig, dass Sie die Band und ihre Musik mögen

Coppola: Ich versuche da sehr ehrlich zu sein: Wenn ich die Band nicht mag, nehme ich den Auftrag möglichst nicht an. Das wäre nicht fair. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn man die Dinge, an denen man arbeitet, auch schätzt. Selbst bei der Werbung. Ich mag Coca Cola, also mach ich Werbung dafür. Ich bin aber kein Pepsi-Typ, deshalb würde ich keinen Pepsi-Spot drehen.

Fischer: Das heißt, wir schauen uns Ihre Liste mit Musikvideos an und wissen, welche Musik Roman Coppola auf seinem MP3-player hat?

Coppola: Ja, Phoenix zum Beispiel mag ich sehr, meine Schwester ist auch mit dem Sänger verheiratet. Für The Strokes arbeite ich sehr gerne. Ich drehe inzwischen weniger Musikvideos, weil ich allmählich zu alt bin für die aktuelle Popmusik.

Fischer: Sie haben erst Ihren zweiten Spielfilm in Arbeit, haben aber sehr viele Musikvideos und Werbeclips gedreht. Was finden Sie an der kurzen Form so reizvoll?

Coppola: Von der Idee bis zur Premiere braucht ein Film mindestens zwei Jahre. Und das ist schon schnell. Außer bei Woody Allen, er ist ein Genie, was das angeht. Ich habe vor acht Jahren angefangen, über meinen zweiten Film nachzudenken, der jetzt bald ins Kino kommt. Da ist so ein Videodreh oder eine Werbung oder eine Erfindung einfach befriedigender, das geht viel schneller. So wie früher Buster Keaton oder Charlie Chaplin, die haben jedes Wochenende mindestens einen Film gedreht. Ich mag dieses Unmittelbare. Eine meiner liebsten Arbeiten war die Regie für ein Livekonzert im Fernsehen mit den Strokes auf MTV. Das ist so romantisch. Ich bin ein großer Fan der Livefernsehshows aus den 50er-Jahren.

Fischer: Ihr zweiter Spielfilm – wie heißt er noch?

Coppola: "A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III".

Fischer: Den haben Sie mit Charlie Sheen gedreht, hat das die Sache nicht auch verzögert?

Coppola: Ich kenne Charlie seit wir Kinder sind, sein Vater hat ja in "Apocalypse Now" mitgespielt. Und wenn man jemanden aus der Kindheit kennt, bleibt man immer befreundet. Auch wenn man sich lange nicht sieht. Ich habe ihm das Drehbuch zu meinem Film gezeigt, bevor er seine Fernsehserie "Two and a half Men" verließ. Und bevor er seine Probleme hatte. Da haben alle gesagt: Bist Du verrückt, ihn zu besetzen. Und ich musste wirklich viel Geduld aufbringen, aber tief in meinem Herzen wusste ich, dass er trotz allen Geredes eine gute Arbeit machen würde. Er ist ein toller Kerl und witzig und ein guter Schauspieler. Und ich bin sehr stur, ich wusste, er macht das gut, und das war auch so.

Fischer: Sie haben eben schon selbst kurz über Ihre Kindheit gesprochen, wie war das als Kind, fanden Sie es da immer nur toll, Teil dieser berühmten Familie Coppola zu sein oder haben Sie sich auch manchmal gewünscht, Sie wären in eine ganz normale Familie Smith hineingeboren?

Coppola: Alle wollen das gerne wissen. Und ich kann das auch verstehen. Wenn ich jemand treffe, der ein exotisches Leben führt, interessiert mich das auch. Aber für jeden ist das Leben, das er führt, ganz normal. Es wirkt immer so exotisch. Aber als Kind wächst man da einfach auf. Ich meine im Rückblick finde ich da auch einiges ziemlich aufregend. Wir haben zum Beispiel während der Dreharbeiten zu "Apocalypse Now" auf den Philippinnen gelebt. Und wenn sie gerade eine große Explosion inszenierten, habe ich meine Mutter gefragt, ob ich schulfrei bekomme, wollte ich schulfrei haben, um die große Napalmwolke anzuschauen. Im Nachhinein betrachtet ist das schon ziemlich verrückt. Aber ich würde nichts ändern wollen. Wir stehen uns alle sehr nahe. Ich mag unsere Familientradition, die geht ja weit zurück, mein Großvater war Musiker, mein Urgroßvater Komponist, das gehört einfach zu meinem Leben. Und viele Familien haben doch irgendwelche Traditionen.

Fischer: Stimmt es, dass Wes Anderson Sie um 5 Uhr morgens anrief, weil er im Drehbuch nicht weiter kam, und Sie dann in den Helikopter gestiegen sind und sofort zu ihm geflogen sind?

Coppola: Ja, das Bild von mir im Helikopter gefällt mir. Cool.

Fischer: Also gibt es gar keinen Helikopter?

Coppola: Der existiert nur in meiner Fantasie, aber ich hätte gerne einen, damit würde ich gerne Leuten bei irgendwelchen Operationen zu Hilfe eilen, wenn ich könnte.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Corso

DetroitMotor City ohne Motoren

Motor-City ohne Motoren: Die Michigan Avenue - ungefähr eine Meile entfernt von Downtown. Praktisch autofrei.

Detroit war einst der Motor des amerikanischen Traums - zumindest bis in die 50er-Jahre, als dort fast zwei Millionen Menschen lebten. Inzwischen hat sich die Einwohnerzahl mehr als halbiert. Detroit ist eine der bekanntesten schrumpfenden Städte der Welt. Aber die Stadt ist mehr als das: sie ist wild, rau und kreativ.

Corso SpezialGute Aussichten? - Gute Aussichten!

Eine Besucherin betrachtet die Ausstellung "Gute Aussichten - Junge Fotografie 2013/2014" im Haus der Photographie in Hamburg.

Erst die Ausbildung und dann. Ja was dann? Beginn des Berufslebens, der Karriere, eines steilen Aufstiegs? Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland den Wettbewerb "gute aussichten", der jungen Fotografen diesen Start in ihr Berufsleben erleichtern will.

Musik Kimmo Pohjonen - der Akkordeon-Punk

Der finnische Akkordeon-Virtuose Kimmo Pohjonen während eines Auftritts.

Für den Finnen Kimmo Pohjonen war das Akkordeon lange ein Instrument, "das Idioten spielen, um ihren Eltern zu gefallen". Mit modernster Technik und persönlicher Revolte hat er die Ziehharmonika in die musikalische Gegenwart geholt. Wie es zu dem Umschwung kam, erzählt nun ein Dokumentarfilm des Regisseurs Kimmo Koskella.