Markt und Medien

Samstag, 13. März 2010

Schlechtes Zeugnis Studie kritisiert Wirtschaftsberichterstattung

Der tagesaktuelle Wirtschaftsjournalismus in Deutschland hat bei der Berichterstattung über die Finanzkrise schlechte Arbeit geleistet. Zu diesem Befund kommt die Untersuchung im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung. Während die großen Tageszeitungen jedoch journalistisch im Laufe der Zeit aufgeholt hätten, machten dpa und ARD aktuell in ihrer handwerklich schlechten Alltagsroutine, so heißt es in der Studie wörtlich, einfach weiter wie zuvor. Tagesschau und dpa hätten eine entscheidende Entwicklung journalistisch nicht ausreichend begleitet, erklärt Wolfgang Storz, einer der beiden Autoren der Studie. ##"Das ist der Wandel der Banken- und Finanzbranche von der Rolle eines Dienstleisters hin zu einer Finanzindustrie, die mit hochspekulativen Produkten handelt, also einen völlig anderen Charakter annimmt und wo wir davon ausgehen, das ist auch die Grundlage für die späteren Krisen, die damit gelegt werden. Und dieser Prozess ist nicht verfolgt worden, und wenn er verfolgt worden ist, dann nur positiv. Das gilt für die Arbeit der ARD-Redaktion aber auch für die anderen."## Zu diesem Befund der Studie der Otto-Brenner-Stiftung erklärt Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD aktuell gegenüber Markt und Medien: ##"Die Studie wirft uns ja vor, wir hielten starr an unserem Grundkonzept fest. Dazu kann ich nur sagen: Ja, das stimmt. Unser Grundkonzept heißt, was ist zu prüfen, was ist heute wichtig und was ist heute neu für die Menschen? Was sollten die Menschen heute wissen, damit sie die Dinge einordnen können? Das bedeutet natürlich auch, dass wir jeden Tag Entwicklungen und Ereignisse fortschreiben und nicht immer das ganze Ereignis und die ganzen Zusammenhänge in jedem Tag in 15 Minuten unterbringen."## Recherchen von Wolfgang Storz zufolge habe sich die Redaktion ARD aktuell vor allem mit Sondersendungen auf dem Höhepunkt der Krise Ende 2008, Anfang 2009 zurückgehalten. ##"ARD aktuell hat nach unseren Recherchen erst im Oktober das erste Mal einen Brennpunkt gebracht. Der zweite wurde nach unseren Recherchen im Frühjahr 2009 gesendet. Natürlich kann auch die Tagesschau, ähnlich wie eine Tageszeitung Sonderseiten macht und aus ihrem Raster Politik, Wirtschaft ausbricht, könnte natürlich auch die ARD sagen, wir machen jetzt, weil die Krise so schwer, weil die Ereignisse so bedeutend sind, gleich im Anschluss noch einen Brennpunkt dazu."## Eine Kritik, die nach Ansicht von ARD aktuell Chefredakteur Kai Gniffke unberechtigt ist. ##"Die Tagesschau gibt es seit 58 Jahren und in diesen 58 Jahren hat diese Redaktion noch keinen einzigen Brennpunkt gemacht. Wir sind dafür nicht zuständig. Diese Studie wirft uns ganz, ganz viele Dinge vor, die meines Erachtens nicht vernünftig und fundiert begründet worden sind. Dadurch muss ich erst einmal 20 Vorwürfe widerlegen, bevor ich zum Kern vordringen kann, wo ich sagen würde, da ist eine Diskussion lohnenswert. Im Frühjahr 2008, spätestens im Sommer, lagen alle Fakten auf dem Tisch. Jeder hatte die amerikanische Immobilienkrise gesehen, jeder wusste, dass diese Kredite, die niemals zurückgezahlt werden, in Pakete längst in die ganze Welt verkauft wurden. Aber niemand hat die Konsequenz daraus gezogen und niemand hat auf die Gefahren hingewiesen. Das ist etwas, wo ich sagen würde, lasst uns da mal ein kritisches Auge auf unsere Berichterstattung werfen. Aber das, was uns in dieser Studie vorgeworfen wird, geht leider ziemlich an der Sache vorbei."##

(Quelle: Bettina Schmieding)

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