Markt und Medien

Samstag, 9. April 2011

Studie Studie spricht Bild-Zeitung den Titel Zeitung ab

In einer Studie für die Otto-Brenner-Stiftung kommen der Sozialwissenschaftler Hans-Jürgen Arlt und der Journalist Wolfgang Storz zu dem Ergebnis, das Blatt sei eine Marketing- und Verkaufsmaschine, die mit ihren sogenannten Volksprodukten zu einem der größten Einzelhändler Deutschlands geworden sei. Das Layout von Bild sei ganz auf Werbung ausgelegt. Gegenüber Markt und Medien erklärte Hans-Jürgen Arlt, die Autoren hätten ihre Studie keineswegs mit der Überlegung begonnen, dass das, was Bild betreibe, kein Journalismus sei. ##"Wir haben eigentlich gefragt: Welchen Journalismus macht Bild? Bild sagt exzellenten, die Kritiker sagen schlechten. Und dann steht man halt vor dem Problem, dass der schlechteste Journalismus offenbar den größten Erfolg hat. Und wir denken: Diese Messlatte Journalismus ist falsch, denn sie ist für Bild tatsächlich auch nicht die Zielgröße. Die Zielgröße von Bild ist größtmögliche Auflage. Und größtmögliche Auflage, das zeigen alle anderen Zeitungen, gewinnt man nicht dadurch, dass man sich an die Regeln, an die Standards journalistischer Arbeit hält. Bild lebt davon, die Grenzen zu überschreiten, zu verletzen, an die sich andere halten und benutzt alle Kommunikationsmethoden, mit denen es möglich ist, die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen zu fesseln, zu binden und damit den Verkaufserfolg zu begründen, der dann ökonomisch und politisch ausgenutzt wird."## Die Studie beschäftigte sich besonders mit der Griechenland-Berichterstattung von Bild während der Schuldenkrise 2010. Hans-Jürgen Arlt glaubt nicht, dass das Blatt in erster Linie eine politische Botschaft habe. ##"Im Grunde muss man zu dieser Frage die Macher von Bild am Ende befragen. Sie hatten sich keinem Gespräch mit uns gestellt. Wir sind nach unserer Analyse der Ansicht, dass es in hohem Maße eine Inszenierung ist, dass es Bild auch, aber nicht in allererster Linie auf diese politische Dimension ankommt. Bild schlachtet aus: "Bomben auf Gaddafi" oder "Knut jämmerlich ertrunken" – das sind für Bild zwei gleichwertige Meldungen, weil man damit öffentliche Aufmerksamkeit auf Bild lenken kann. Wir nennen das, was Bild macht "Medialismus", weil es darum geht, alles für das Medium Bild zu tun. Während Journalismus versucht, Aufmerksamkeit für Informationen zu gewinnen, will Bild Aufmerksamkeit für sich durch Informationen, die sie dafür für nützlich hält."##

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