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06.01.2014

Raumfahrt Nach vielen Rückschlägen glückt der Start der neuen indischen Rakete

Die neue Trägerrakete für schwere Nutzlasten GSLV D5 hob gestern vom Weltraumbahnhof auf der südindischen Insel Sriharikota ab und setzte nach 17-minütigem Flug einen Kommunikationssatelliten aus. Die Trägerrakete ist das Ergebnis von 20 Jahren Forschung und Entwicklung. So lange arbeitet Indien schon an einem Antrieb mit Flüssiggas, das auf sehr tiefen Temperaturen gehalten werden muss. Die USA hatten 1992 Russland daran gehindert, die Kühltechnologie an Indien weiterzugeben – aus Furcht, die Technik könnte militärisch genutzt werden. Daraufhin begannen indische Forscher, die Technik selbst zu entwickeln. Die neue Rakete soll künftig vor allem große, schwere Satelliten ins All bringen. [mawi]

Zoologie Die ersten Kakerlaken könnten in Amerika gekrabbelt sein

Kakerlaken gehören zu den erfolgreichsten Insekten, sie sind von Asien bis Amerika und vom Norden Europas bis zum Süden Afrikas verbreitet. Bislang sind Forscher davon ausgegangen, dass die Kakerlake von Europa aus ihren Siegeszug angetreten hat. Darauf deuten 44 Millionen Jahre alte Bernsteineinschlüsse aus dem Baltikum hin. US-amerikanische Insektenkundler sind jetzt im Bundesstaat Colorado auf fünf Millionen Jahre ältere fossilierte Kakerlaken der Art Ectobius kohlsi gestoßen. Das deutet darauf hin, dass die Kakerlaken sich möglicherweise von Amerika aus nach Europa verbreitet haben. Ectobius kohlsi allerdings starb recht rasch in Nordamerika aus. Warum ist unbekannt. Erst viel später wurde die nordeuropäische Schabe Ectobius vittiventris wieder zurück nach Amerika gebracht - von europäischen Entdeckern und Eroberern. [mawi]

Hilfsaktion US-Eisbrecher soll nun Retter in der Antarktis retten

Ein Eisbrecher der US-Küstenwache soll die beiden in der Antarktis festsitzenden Schiffe, den chinesischen Eisbrecher Snow Dragon und das russische Forschungsschiff MV Akademik Shokalskiy befreien. Die Polar Star sei in Sydney in See gestochen, teilte die US-Regierung in Washington mit. Die Snow Dragon sitzt seit der Rettung von 52 Wissenschaftlern und Touristen von der MV Akademik Shokalskiy mit einem Hubschrauber selbst im Packeis fest. [mawi]

Biologie Auch Parasiten haben Sex

Forscher der britischen Universität Bristol haben Erreger der Schlafkrankheit mit unterschiedlichen Fluoreszenz-Farbstoffen markiert und ihr Verhalten im Innern ihres Wirtes, der Tse-Tse-Fliege, beobachtet. Unter dem Mikroskop sahen sie, dass Trypanosomen sich miteinander vereinigten. Zwei Einzeller verschmolzen zu einer einzigen großen Zelle. Die sexuelle Fortpflanzung spiele bei Trypanosoma brucei offenbar eine größere Rolle als bislang angenommen. So könnten Gene zwischen unterschiedlichen Stämmen ausgetauscht werden, schrieben die Forscher im Fachblatt "Current Biology". Und wahrscheinlich geschehe dies auch jedes Mal, wenn zwei verschiedene Trypanomsomen in einer Tse-Tse-Fliege zueinander finden. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass sich einzellige Parasiten vor allem ungeschlechtlich fortpflanzen – mittels Zellteilung. [mawi]

Gesundheit Obst und Gemüse schützen vor Asthma

In den Industrieländern erkrankten in den letzten 50 Jahren immer mehr Menschen neu an allergischem Asthma. Eine Ursache könnte darin liegen, dass Früchte und Gemüse seltener auf dem Speiseplan stehen. Forscher der Universitätsklinik Lausanne haben in Versuchen an Mäusen nachgewiesen, dass das Fehlen von Fasern in der Nahrung allergische Entzündungsreaktionen in der Lunge begünstigt. Die Forscher hatten den Mäusen entweder eine Standarddiät mit vier Prozent Faseranteil verfüttert oder Niedrigfaserkost mit einem Anteil von nur 0,3 Prozent fermentierbaren Fasern. Als sie die Mäuse einem Extrakt von Hausstaubmilben aussetzten, entwickelten die Mäuse auf Niedrigfaserkost eine stärkere allergische Reaktion als die Mäuse auf Standarddiät, heißt es im Fachblatt "Nature Medicine". Darmbakterien fermentieren die in der Nahrung enthaltenen Fasern, dadurch gelangen Fettsäuren ins Blut, die offenbar die Immunantwort in der Lunge beeinflussen. Wie stark Menschen mit Astma von einer faserreichen Kost profitieren, wollen die Forscher in einer Folgestudie herausfinden. [mawi]

Quelle: Nature Medicine. doi: 10.1038/nm.3444

03.01.2014

Neurowissenschaften Eine hormonähnliche Substanz kann den Folgen eines Cannabis-Rauschs entgegenwirken.

Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science". Die Wissenschaftler hatten den Stoff Pregnonolon untersucht, die Vorläufersubstanz aller Steroid-Hormone. In Versuchen an Ratten konnten die Forscher zeigen, dass diese Substanz eine natürliche Abwehr gegen Cannabis darstellt. Wurde den Ratten eine sehr hohe Konzentration des Cannabis-Wirkstoffes THC verabreicht, dann reagierte ihr Körper darauf, indem er Pregnonolon frei setzte. Das wiederum blockierte die Kontaktstellen, an denen THC auf das Nervensystem einwirkt. Die Forscher hoffen, auf diese Weise ein Medikament entwickeln zu können, mit dem sich eine Abhängigkeit von Cannabis behandeln lässt. //[reu]//

 

Quelle: DOI: 10.1126/science.1243985

Geologie Erdgas-Austritte im Nordpolarmeer haben einen natürlichen Ursprung.

Austritte von Methangas, die vor Spitzbergen in einigen hundert Metern Wassertiefe immer wieder beobachtet werden, haben höchstwahrscheinlich eine natürliche Ursache. Sie sind keine Folge der Klimaerwärmung. Das berichten Forscher aus Kiel und Bremen im Fachblatt "Science". Das Gas stammt aus Lagerstätten von Gashydraten. Das ist eine eisartige Mischung aus Methangas und Wasser. Sie sind nur bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck stabil. Eine These besagte, dass die zunehmende Erderwärmung die Gashydrate langsam auflöse. An der Austrittsstelle am Meeresboden haben die Forscher aber Ablagerungen von Karbonaten gefunden. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Prozess schon seit einigen tausend Jahren stattfinde, schreiben die Wissenschaftler. Der Austritt des Methangases sei an jahreszeitliche Schwankungen gebunden. //[reu]//

 

Quelle: DOI: 10.1126/science.1246298

Botanik Eine chinesische Heilpflanze gibt ihr Geheimnis preis.

Forscher aus den USA und aus China haben herausgefunden, warum eine Pflanze aus der Gattung der Lerchensporne gegen chronische Schmerzen hilft. In den Wurzeln des Krauts sind die Wissenschaftler auf den Stoff DHCB gestoßen. Im Test an Nagetieren konnte diese Substanz Schmerzen lindern. DHCB wirkte sogar bei neuropathischen Schmerzen, die durch eine Verletzung des Nervensystems verursacht werden. Das schreiben die Forscher in "Current Biology". Bisher gab es keine wirkungsvollen Mittel, mit denen sich neuropathische Schmerzen behandeln lassen. Ein weiterer Vorteil des Wirkstoffs besteht darin, dass der Körper sich nicht an ihn gewöhnt. Der untersuchte Lerchensporn wird als Heilpflanze in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. //[reu]//

 

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2013.11.039

Neurowissenschaften Auch die Lunge kann Düfte wahrnehmen.

In bestimmten Zellen der Lunge sitzen Geruchsrezeptoren. Das berichten Forscher aus den USA im "American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology". Im Gegensatz zu den Sinneszellen in der Nase leiten die Zellen in der Lunge jedoch keine Nervensignale an das Gehirn weiter. Vielmehr schütten sie Hormone aus, die dafür sorgen, dass sich die Atemwege zusammen ziehen. Dadurch werde ein Hustenreiz ausgelöst, der die Duftstoffe aus der Lunge heraus befördert. Den Zellen mit den Geruchsrezeptoren käme damit eine Wächterfunktion für die Lunge zu, wie die Forscher schreiben. Es könne jedoch auch sein, dass die Zellen ein Rolle bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen spielen. //[reu]//

 

Quelle: DOI: 10.1165/rcmb.2013-0003OC

Internet Akademiker fordern ein Ende der Massenüberwachung.

Über 250 Akademikerinnen und Akademiker aus 26 Ländern haben heute eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Regierungen dazu auffordern, die Privatsphäre der Menschen zu achten. Das Recht auf Privatsphäre gehöre zu den Grundrechten und sei geschützt etwa durch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Europäische Menschenrechtskonvention. Durch eine breit angelegte Massenüberwachung werde die Unschuldsvermutung ins Gegenteil verkehrt. Die gängige Überwachungspraxis untergrabe die Demokratie, heißt es in dem Papier. //[reu]//

Quelle: http://academicsagainstsurveillance.net/

02.01.2014

Umwelt Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt.

Doch wie stark die Erde dadurch erwärmt, ist schwierig zu berechnen. Die Wolken haben einen großen Einfluss. In "Nature" präsentiert ein australisch-französisches Forscherteam jetzt eine Berechnungsmöglichkeit. Die Wirkung der Klimaerwärmung auf die Wolkenbildung müsse mitbedacht werden. Beobachtungen hätten gezeigt, dass höhere Temperaturen über dem tropischen Meer zu einer schwächeren Wolkenentstehung in geringer Höhe führten. Das heißt: Mehr Sonnenlicht erreicht die Oberfläche und führt zu einer noch stärkeren Erwärmung. Die Forscher hatten 43 Klimamodelle ausgewertet und festgestellt, dass bei vielen der Effekt der Wolken auf die Erwärmung unterschätzt wurde. Aufgrund ihrer neuen Berechnung gehen sie davon aus, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 um mindestens vier Grad erwärmt. //[tj]//

Quelle: Nature

Biologie Mit übelriechendem Nikotinatem schützen sich Raupen vor ihren Feinden.

Der Tabakschwärmer-Schmetterling kommt in Nord und Südamerika vor. Die Raupen ernähren sich vor allem von Tabakpflanzen. Dabei nehmen sie Nikotin aus den Tabakblättern auf. Es gelangt ins Blut und wird über kleine Öffnungen in der Haut mehr oder weniger wieder ausgeatmet. Das berichten Forscher des Max Planck Instituts für chemische Ökologie in Jena. Sie hatten die Raupen näher untersucht. Wie sie in PNAS schreiben, hat der Nikotinatem durchaus einen Sinn: So schützen sich die Raupen vor ihren Fressfeinden: den Wolfsspinnen. Wurden Raupen auf gentechnisch veränderte nikotinfreie Tabakpflanzen gesetzt, waren sie leichte Beute für die Spinnen. //[tj]//

 

Quelle: PNAS

Verhaltensforschung Hunde koten Richtung Nordpol.

Wenn Hunde ihre Notdurft verrichten, dann orientieren sie sich am Magnetfeld der Erde. Mit großer Wahrscheinlichkeit richten sie sich beim Häufchen machen längs der Nord-Süd-Achse aus . Das hat ein deutsch-tschechisches Forscherteam entdeckt. Dafür beobachteten die Wissenschaftler 70 Hunde insgesamt 1893 mal beim Stuhlgang und 5582 mal beim Urinieren. Im Fachmagazin "Frontiers in Zoology" betonen die Forscher, dass ihre Entdeckung neue Horizonte in der Erforschung der Magnetorezeption eröffne. Man wisse nun, das neben Kühen, Hirschen und Füchsen auch Hunde einen Sinn für Magnetfelder haben, den sie womöglich auch ganz allgemein für die Orientierung nutzen. //[tj]//

 

Quelle: Frontiers in Zoology

Psychologie Die Angst sitzt in der Brust, die Schwermut in den Gliedmaßen.

Finnische Wissenschaftler haben den Zusammenhang von Gefühlen und Körperreaktionen untersucht. Sie hatten bei 700 Teilnehmern aus Finnland, Schweden und Taiwan Emotionen ausgelöst- durch Geschichten, Filmausschnitte, Wörter oder Fotos. Die Probanden sollten dann ihre Emotionen im Körper verorten. Das Ergebnis: Unabhängig vom kulturellen Hintergrund ordnen Menschen ihre Gefühle ganz bestimmten Körperteilen zu. So empfinden sie Angst in der Umgebung des Herzens, Ekel um den Kehlkopf herum, Freude im gesamten Körper und Trauer in Brust und schlappen Gliedmaßen. //[tj]//

 

Quelle: PNAS

Medizin Malaria lässt sich mit einem Laser aufspüren.

Bislang konnte eine Malariainfektion nur mit Bluttests nachgewiesen werden. US-amerikanische Forscher haben nun eine schnellere und nicht-invasive Methode getestet und im Fachorgan PNAS vorgestellt. Sie konzentrierten sich auf Hämozoin. Das ist ein Nanopigment, welches die Malariaparasiten selber bilden. Werden kurze Laserimpulse auf das Hämozoin gegeben, dann nimmt es die Energie auf und erhitzt eine winzige Flüssigkeitsmenge um sich herum, die über eine Nanoblase verdampft. Diese Nanoblase läßt sich optisch und akustisch aufspüren. Die Forscher testen die neue Methode an infiziertem menschlichen Blut und an infizierten Mäusen. In beiden Fällen waren Nanodampfblasen schon nachzuweisen, wenn nur 0,0001 Prozent der roten Blutkörperchen infiziert waren. Bei mit Malaria infizierten Mäusen nutzten die Wissenschaftler eine photoakustische Apparatur, um durch die Haut am Ohr die Nanoblasen in einem Blutgefäß verfolgen zu können. Die neue Methode führte zu keinerlei Schädigungen des Gewebes oder der Blutkörperchen. //[tj]//

 

Quelle: PNAS

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