Dienstag, 21.11.2017
17.10.2016

Biokraftstoff Forscher haben etwas erfunden, was in der Natur schon lange existiert

2014 sorgte es für Aufsehen: Forscher hatten genetisch veränderte Pappeln erzeugt, deren Lignin - eine Substanz, die Zellen verholzen lässt - eine Sollbruchstelle aufweist. Die Hoffnung dahinter: Pflanzen leichter zu Biokraftstoff oder Papier abbauen zu können. Jetzt schreiben Biologen - darunter auch Autoren der damaligen Studie - in "Science Advances", dass viele Pflanzen auf natürliche Weise ein vergleichbares Sollbruch-Lignin produzieren können.

Unter anderem mit Hilfe von Massen-Spektrometrie gelang es den Forschern, Sollbruch-Lignin in unterschiedlichen Pflanzen nachzuweisen, darunter in Pappeln, Strelitzien-Gewächsen und Reis.

An der Bildung von Sollbruch-Lignin sind dabei unterschiedliche Gene beteiligt. Sie hat sich also in der Evolution mehrfach unabhängig voneinander entwickelt, schließen die Forscher.

Die Entdeckung könnte helfen, gezielt leichter abbaubare Pflanzen aus vorhandenen zu züchten.

Bis jetzt ist unklar, welchen evolutionären Vorteil Pflanzen davon haben, leicht abbaubares Lignin zu bilden.

Quelle: Science Advances

Medizin Darmbakterien beeinflussen die Heilung bei Rückenmarksverletzungen

Solche Verletzungen könnten etwa zu Stuhl-Inkontinenz führen, was die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verändert. Das wiederum kann neurologische Schäden verstärken und die Heilung behindern. Diesen Zusammenhang beschreiben Neurowissenschaftler im "Journal of Experimental Medicine" mit Verweis auf Tierversuche. Die Behandlung mit einem ausgewählten Bakterien-Cocktail wiederum könne die Heilung der Nervenschäden unterstützen.

In Experimenten mit Mäusen entdeckten die Forscher, dass Rückenmarksverletzungen die Darmflora der Nager stark veränderten. So wanderten etwa Bakterien in umliegende Gewebe ab. Die Mäuse mit den größten bakteriellen Veränderungen erholten sich besonders schlecht.

Erhielten verwundete Mäuse dagegen täglich Probiotika, um ihre Darmflora zu regenerieren, gewannen die Tiere mehr Bewegungsfähigkeit zurück.

Die Probiotika aktivierten entzündungshemmende Immunzellen. Außerdem könnten die Bakterien Moleküle bilden, die das Nervenwachstum fördern, schreiben die Autoren.

Quelle: Journal of Experimental Medicine

Meereskunde Buckelwale nutzen über Generationen dieselben Futterplätze

Die Säugetiere können tausende Kilometer zwischen unterschiedlichen Nahrungsgründen in den Ozeanen zurücklegen. Dabei kehren sie immer wieder zu einzelnen Orten zurück, die bereits ihre Vorfahren besucht haben. Das Wissen um die Wanderrouten zwischen den Futterplätzen wird von den Müttern an die Kälber weiter gegeben. Diese Regionen zu schützen, sei für das Überleben der Art entscheidend, schlussfolgern Meeresbiologen im Fachmagazin "Endangered Species Research".

Die Wissenschaftler untersuchten Buckelwale in zwei Gebieten Südost-Alaskas anhand von Fotografien und DNA-Proben. Dabei verglichen sie die Identität von Tieren aus den 70er und 80er Jahren mit der von Walen, die 2004 und 2005 gesichtet worden waren. Die Analysen zeigten: Drei Viertel der Tiere waren identisch oder Nachkommen von Müttern der ursprünglichen Besucherschaft.

Weitere Erbgut-Analysen weisen darauf hin, dass keine oder nur wenige Wale im Untersuchungszeitraum von anderen Futterplätzen zugewandert sind.

Quelle: Endangered Species Research

Umwelt Die EU hat einen Antrag für das größte Meeresschutzgebiet der Welt eingereicht

Er betrifft etwa 1,8 Millionen Quadrat-Kilometer im Weddell-Meer - dem größten Randmeer des Südlichen Ozeans am antarktischen Kontinent. Die wissenschaftliche Basis für den Antrag haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven geliefert.

Die Auswertung hunderttausender Daten habe gezeigt, dass der Klimawandel bisher wenige Auswirkungen auf die Meeresregion hat. Damit sei das Weddell-Meer ein wichtiger Rückzugsort für kälteliebende Arten.

Über den Antrag entscheidet die "Internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis". Das Gremium, dem 24 Einzel-Staaten und die EU angehören, trifft sich ab heute für elf Tage im australischen Hobart. Die Abstimmung muss einstimmig erfolgen.

Im Weddell-Meer leben etwa 14.000 Tierarten, darunter Blauwale, Kaiserpinguine und sechs Robben-Spezies.

Quelle: DPA, BMEL

Raumfahrt China hat zwei Astronauten ins All geschickt

Das Raumschiff "Shenzou 11" mit der Trägerrakete "Langer Marsch 2F" startete nach offiziellen Angaben am Montagmorgen vom Raumfahrtzentrum Jiuquan im Nordwesten Chinas. Es soll innerhalb von 48 Stunden an das Raumlabor "Tiangong 2" andocken. Das war Mitte September ins All transportiert worden.

30 Tage werden die beiden Astronauten - oder Taikonauten - im Raumlabor bleiben. Während dieser Zeit sollen die Männer Reparaturarbeiten und naturwissenschaftliche Experimente durchführen.

Die Mission ist Chinas sechster bemannter Weltraum-Flug. Im April 2017 soll es einen ersten unbemannten Nachschub-Flug geben, um Fracht zu liefern und das Raumlabor aufzutanken.

China plant, bis zum Jahr 2022 eine eigene, permanent besetzte Raumstation im Orbit in Betrieb zu nehmen.

Quelle: DPA, AFPD

14.10.2016

Prothetik Ein Roboter-Arm lässt Querschnittsgelähmte fühlen

Mit Hilfe des künstlichen Arms und Elektroden war es erstmals einem Querschnittsgelähmten möglich, Berührungen zu spüren.

Wie US-amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt Science Translational Medicine berichten, bekam ein 28-jähriger Mann vier Elektroden in die Gehirnbereiche implantiert, die für die Wahrnehmung von Berührungen zuständig sind.

Stimulierten die Forscher dann die Hirnbereiche mit Hilfe der Elektroden, fühlte es sich für den Querschnittsgelähmten so an, als würden seine eigenen Finger berührt, obwohl es sich nur um die des Roboter-Arms handelte.  

Der 28-Jährige kann den Roboter-Arm mit Hilfe seiner Gedanken und einem an die Elektroden angeschlossenen Computer steuern.

Quelle: Eurekalert, NatureNews

Ichthyologie Im Irak sind blinde Fische aufgetaucht

Nach heftigen Regenfällen mit Überschwemmungen sind im irakischen Zagros-Gebirge mehrere etwa acht Zentimeter lange, farblose Fische aus einer Quelle an die Oberfläche gespült worden. Die Fische haben weder Augen noch Schuppen.

Untersuchungen in Deutschland ergaben, dass die Tiere zu den Schmerlen gehören. Es handele sich um eine neue Art, wie das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn mitteilte.

Die farblosen Fische leben vermutlich in unterirdischen Höhlen.

Die neue Fischart ist im Fachblatt Zootaxa beschrieben.

Quelle: idw, dpa

Epidemiologie Zugvögel zu überwachen könnte helfen, Ausbrüche von Vogelgrippe frühzeitig zu erkennen

Davon zeigt sich ein internationales Forscherteam in Science überzeugt.

Wenn Vögel in ihre Winter- oder Sommerquartiere ziehen, können sie Vogelgrippe-Viren in andere Erdteile bringen. Die Wissenschaftler haben die Verbreitung eines H5N8-Virus nachgezeichnet, das 2014 in Südkorea aufgetaucht ist. Dazu haben sie den genetischen Code des Virus bestimmt. Das Virus stammte aus infizierten Vögeln aus 16 Ländern.

Demnach hat sich das Virus über zwei Zugvogelrouten verbreitet: Von Südkorea nordwärts zur arktischen Küste und weiter nach Europa. Die andere Route führte von Südkorea über die Beringstraße nach Nordamerika.

Eine intensivere Beobachtung von Zugvögeln an deren Brutplätzen könne helfen, Vogelgrippe-Ausbrüche frühzeitig zu erkennen, so die Wissenschaftler.

Quelle: Eurekalert, BBCNews

Ornithologie Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Dies gab der Naturschutzbund Deutschland bekannt.

Die etwa 40 Zentimeter große Eule benötige für ihr Überleben vor allem alte Bäume mit Höhlen. Nur wenn diese in ausreichender Zahl zur Verfügung stünden, sei ein Überleben der Waldkäuze auf Dauer gesichert, so die Naturschützer.

Nach Schätzungen gibt es zwischen 40.000 und 75.000 Brutpaare in Deutschland.

Seit 1971 küren der Naturschutzbund und der Landesbund für Vogelschutz den Vogel des Jahres.

Quelle: Agenturen

Teilchenphysik Forscher wollen Neutrinos wiegen

Wissenschaftler vom Karlsruher Institut für Technologie wollen die Masse der winzigen Elementarteilchen mit einer 200 Tonnen schweren und 70 Meter langen Waage bestimmen. Heute starten die Forscher das Experiment.

Neutrinos entstehen bei atomaren Zerfallsprozessen, etwa in der Sonne. Weil sie nicht elektrisch geladen sind, durchdringen sie jegliche Materie.

Quelle: Agenturen

Paläontologie Ein Kometeneinschlag könnte eine Warmzeit vor 55 Millionen Jahren ausgelöst haben

Diese These vertreten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin Science.

Schon lange rätseln Wissenschaftler, was die Ursache für das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum war. Diese Warmzeit war mit 200.000 Jahren recht kurz, die Temperatur stieg um fünf bis neun Grad Celsius.

Die Forscher der aktuellen Studie hatten in Bohrkernen aus New Jersey winzige Tektite gefunden. Das sind Glassplitter, die entstehen, wenn ein Komet irdisches Material aufwirbelt, das dann zu Glas erstarrt.

Die Warmzeit wurde durch einen deutlichen Anstieg von Treibhausgasen verursacht. Der Komet habe möglicherweise Kohlenstoff unterhalb der Erdkruste freigesetzt, sowie gefrorenes Methan vom Meeresgrund. Er könnte außerdem gewaltige Vulkanausbrüche in Gang gesetzt haben.

Einige Forscherkollegen unterstützen diese These, andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Warmzeit andere Auslöser hatte.

Quelle: Eurekalert, ScienceNews, BBCNews

Astronomie Das Weltall besitzt zehn Mal mehr Galaxien als bislang gedacht

Zu diesem Schluss kommen britische Astronomen im Fachmagazin The Astrophysical Journal. Sie hatten Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops und mehrerer Observatorien ausgewertet.

Über mathematische Modelle schätzten sie die Zahl jener Galaxien, die mit heutigen Teleskopen noch gar nicht beobachtet werden können. Die Gesamtzahl der Galaxien liege demnach bei etwa einer Billion.

Bisherige Schätzungen gingen von etwa 100 Milliarden Galaxien aus.

Quelle: dpa, NatureNews

Arachnologie Springspinnen können prima hören

Von den kleinen Spinnen wusste man bislang, dass sie vor allem sehr gut sehen können. Nun haben Experimente US-amerikanischer Forscher gezeigt, dass Springspinnen auch einen ausgeprägten akustischen Sinn besitzen, obwohl sie keine Ohren im klassischen Sinn haben.

Die Wissenschaftler beobachteten die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn der Gliederfüßer. Die Zellen reagierten auf Geräusche, die bis zu drei Meter entfernt waren. Bislang ging man davon aus, dass die Tiere nur Geräusche aus wenigen Zentimetern Entfernung wahrnehmen können.

Die Nervenzellen reagierten auch, wenn die Forscher winzige Härchen auf den Vorderbeinen berührten - ein Hinweis darauf, dass diese Härchen mit dem Hörvorgang zu tun haben.

Wie die Biologen im Fachmagazin Current Biology schreiben, diene der akustische Sinn vermutlich dazu, Feinde sowie Beute wahrzunehmen.

Quelle: dpa, EurekAlert, ScienceNews

13.10.2016

Medizin Die Zahl der Tuberkulose-Neuinfektionen steigt wieder

Laut dem Tuberkulose-Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich 2015 10,4 Millionen Menschen erstmals mit Tuberkulose infiziert. Das sind 600.000 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig starben weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Lungenkrankheit, auch das ist ein Anstieg.

Die höheren Zahlen werden unter anderem mit neuen Daten aus Indien begründet. Das Land gehört neben Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika zu den am stärksten betroffenen Nationen. Auf diese sechs Länder entfallen etwa sechzig Prozent der Tuberkulose-Toten.

Bis 2030 wollen die WHO und die Weltgesundheitsversammlung der Vereinten Nationen die Todesfälle durch Tuberkulose um 90 Prozent senken.

Quelle: WHO/epd

Ornithologie Die individuelle Persönlichkeit von Blaumeisen beeinflusst ihr Zugverhalten

Das haben Ornithologen von der Universität Oslo herausgefunden. Blaumeisen in bestimmten Regionen Europas entscheiden jedes Jahr neu, ob sie im Winter Richtung Süden ziehen oder in ihrem angestammten Lebensraum bleiben. Wie einzelne Tiere diese Entscheidung treffen, war bisher unklar. Die Forscher fingen deshalb Blaumeisenweibchen während ihrer Reise an der Südspitze Schwedens ab. Je nachdem, ob die Vögel früher oder später in der Saison dort ankamen, zeigten sie unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale, wie die Forscher in der Fachzeitschrift PLOS One berichten.

Individuen, die erst spät ihr angestammtes Quartier verlassen hatten, zeigten sich erkundungsfreudiger als Vögel, die früh auf die Reise gegangen waren. Das ist auch nötig, weil sie, am Zielort  angekommen, schneller in der neuen Umgebung zurechtkommen und Nahrung finden müssen.

Darüber hinaus sei auch die Figur der Vögel aufschlussreich. Große und schlanke Tiere ziehen früher in den Süden als kleine oder solche mit ausreichende Fettreserven.

Das zeige, dass auch der individuelle Energiebedarf bei der Entscheidung über den Start der Reise eine Rolle spielt, schreiben die Forscher.

Quelle: PLOS One

Raumfahrt Asgardia soll die erste Nation im Weltraum werden

Eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Rechtsexperten hat den virtuellen Staat im All gegründet, um eine Debatte über die internationale Regulation der Raumfahrt anzuregen. Bisher ist jeder Staat, der Objekte ins All schickt, alleine für sie zuständig. Eine gemeinsame, staatenübergreifende Verantwortung für die Aktivitäten im All gibt es nicht.

Darüber hinaus will die Gemeinschaft laut ihrer Internetseite Raumfahrt-Technologien zugänglicher machen und die Erde vor Bedrohungen durch Weltraummüll oder Asteroiden schützen. Nächstes Jahr soll ein erster eigener Satellit ins All geschickt werden, der die Nation repräsentiert.

Asgardianer kann jeder werden, der auf der Internetseite ein Formular ausfüllt. Knapp 50.000 Bürger haben sich dort bisher registriert.

Wenn 100.000 Staatsangehörige zusammengekommen sind, wollen die Gründer der Gruppe die Mitgliedschaft ihres Staates in der UN beantragen.

Quelle: Asgardia

Agrarwissenschaften Vielfalt schützt vor Schädlingen

Während Monokulturen, also die Bepflanzung eines Feldes mit einer einzigen Pflanzenart, zwar hohe Erträge bringen, aber auch Fraß-Schädlingen optimale Bedingungen bieten, reduzieren Mischkulturen sowohl den Schädlingsbefall als auch die Ernte. Amerikanische Populationsbiologen schlagen in der Fachzeitschrift Nature deshalb einen dritten Weg vor, der die Erträge konstant hoch halten und gleichzeitig schlechtere Bedingungen für Raupen und Käfer schaffen soll.

Sie empfehlen Landwirten, eine Mischung innerhalb der Pflanzenart anzubauen, also zum Beispiel verschiedene Brokkolisorten, bei denen der Kopf zwar gleich ist, die Blätter sich aber im Nährstoffgehalt unterscheiden. Dadurch soll ein Feld für die Insekten vom Schlaraffenland zum spärlich gedeckten Tisch werden und so den Befall reduzieren.

Quelle: Nature

Medizin Das X-Chromosom hat keinen Einfluss auf das Auftreten von Herzinfarkten

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlerinnen aus Lübeck hat das X-Chromosom nach genetischen Faktoren untersucht, die einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnten. Gefunden haben die Forscher - trotz groß angelegter Suche bei rund 100.000 Personen - nichts. Damit scheiden das X-Chromosom und die darauf enthaltenen Erbanlagen als Ursache für die Unterschiede bei Herzinfarkten von Männern und Frauen aus.

Die Studie lege nahe, dass andere Faktoren wie Hormone, Ernährung oder Lebensweise für das unterschiedliche Auftreten verantwortlich seien, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal Scientific Reports.

Insgesamt sind Männer häufiger von Herzinfarkten betroffen als Frauen. Wenn Frauen einen Herzinfarkt erleiden, sterben sie allerdings häufiger daran.

Quelle: Scientific Reports

Astronomie Der Mond verändert alle 80.000 Jahre sein Aussehen

In diesem Zeitraum entstehen durch herabstürzende Asteroiden und Kometen so viele neue Einschlagskrater, dass die Oberfläche des Mondes sich komplett verändert. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Wissenschaftler, die mit einer speziellen Software Bilder der Mondoberfläche aus den letzten sieben Jahren ausgewertet haben. Die Forscher verglichen die Aufnahmen von einzelnen Mond-Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und konnten so die Einschlagsrate für den gesamten Himmelskörper ermitteln. 222 neue Krater mit einem Durchmesser von mindestens zehn Metern kamen im beobachteten Zeitraum allein in den abgebildeten Regionen dazu. Ein Drittel mehr als bisher gedacht. Das berichten die Forscher im Fachmagazin Nature.

Zusätzlich wühlten tausende kleinerer Einschläge die oberste Schicht des Mondes auf. Sie hinterließen zwar keine Krater sondern kleine Narben, tragen aber auch zum veränderten Antlitz des Mondes bei, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: Nature

12.10.2016

Raumfahrt Der Raumfrachter Cygnus darf wegen des Hurrikans Nicole noch nicht starten

Der für morgen angesetzte Versorgungsflug des privaten Raumfrachters zur Internationalen Raumstation (ISS) ist wegen des Hurrikans Nicole über dem Atlantik zunächst auf frühestens Sonntag verschoben worden. Das teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit. Der Hurrikan soll sich in der Nacht zum Donnerstag den Bermuda-Inseln östlich der US-Küste nähern. Der Frachter hätte nach seinem Start über die Inseln fliegen sollen, zudem gibt es dort eine Überwachungsstation. Nach dem Sturm soll die Überwachungsstation zunächst auf mögliche Schäden untersucht und danach ein neuer Starttermin festgelegt werden.

Quelle: Agenturen

Satire Ryke Geerd Hamer erhält das Goldene Brett 2016

Die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften hat gestern in Wien zum sechsten Mal die Auszeichnung "Das Goldene Brett vorm Kopf" für den größten wissenschaftlichen Unfug des Jahres verliehen. Preisträger ist der ehemalige Mediziner Ryke Geerd Hamer, der unter dem Namen "Germanische Neue Medizin" seine Thesen verbreitet. Krebs hält er für eine "Krankheit der Seele", Behandlungsmethoden wie Chemotherapie oder chirurgische Entfernung von Tumoren lehnt er ab.

Weder der Entzug der Approbation als Arzt noch Haftstrafen konnten ihn bislang davon abhalten, seine Ideen zu verbreiten. Seine Ansichten verknüpft er zudem mit antisemitischen Verschwörungstheorien. Zahlreiche Patienten, die der Germanischen Neuen Medizin vertrauten und wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethoden ablehnten, verstarben, hieß es in der Begründung. Mit der Verleihung des Satire-Preises will die Skeptiker-Vereinigung  über Pseudowissenschaften und Scharlatanerie aufklären und die Wissenschaft sowie das wissenschaftliche Denken fördern.

Quelle: GWUP

Molekularbiologie Genetiker entdecken eine neue Virenstrategie

Molekularbiologen der Vanderbilt Universität haben bei Metagenomanalysen von Wolbachia-Bakterien einen überraschenden horizontalen Gentransfer entdeckt. Wie sie im Fachblatt "Nature Communications" schreiben, entdeckten sie Viren, die Gene von Spinnen in sich trugen, um damit Bakterien zu kapern, die wiederum Insekten infizieren.

Bei den Viren handelt es sich um den Bakteriophagen WO, dessen Genom mit mehr als 14.000 Basenpaaren recht groß ist. Verantwortlich für die Größe dürften die angesammelten Gene anderer Arten sein. Unklar ist noch, ob die übernommenen Gene für den Phagen vorteilhaft sind. Möglich wäre es, dass sie ihnen den Weg in einen neuen Wirt erleichtern, vermuten die Studienautoren.

Quelle: Nature Communications

Säugetier Forscher klären, weshalb Nacktmulle nahezu schmerzfrei sind

Die unterirdisch lebenden Nagetiere gelten vielen Wissenschaftlern als besonderes Forschungsobjekt, da die Säugetiere nicht nur krebsresistent, sondern auch langlebig und kaum schmerzempfindlich sind. Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft berichten im Fachblatt Cell Reports über eine winzige Veränderung im Rezeptormolekül TrkA bei diesen Tieren. Diese macht die Nacktmulle unempfindlich gegenüber Temperatur-Reizen bei Verletzungen oder Entzündungen. Diese Erkenntnisse könnten bei der Suche nach neuen Therapien für Menschen mit chronischen Schmerzen helfen, hoffen die Studienautoren.

Quelle: idw-online

Ernährung Calcium kann auch schädlich sein

Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die US-amerikanische Kardiologen im "Journal of the American Heart Association" vorstellen. Zwar wirkt sich eine natürliche, calciumreiche Ernährung positiv auf Knochen, Gefäße und Herz aus. Jedoch verkehrt sich dies ins Gegenteil, sobald eine Person große Mengen dieses Mineralstoffs über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt.

Probanden, die täglich ausreichend Calcium über konventionelle Nahrung zu sich nahmen, entwickelten innerhalb eines Jahrzehnts 27 Prozent weniger häufig Arteriosklerose oder Herzerkrankungen als jene, die zu wenig Calcium zu sich genommen hatten. Bei Probanden, die täglich auf Nahrungsergänzungsmittel vertrauten,  gab es keine positiven, sondern negative Effekte: Bei ihnen stieg das  Arteriosklerose-Risiko um 22 Prozent. Die Forscher vermuten, dass der Körper künstlich zugeführtes Calcium nicht effektiv aufnehmen und verarbeiten kann.

Quelle: Journal of the American Heart Association

11.10.2016

Biotechnologie Mäuse und Flugzeugtriebwerke haben etwas gemeinsam

Nämlich die Art, wie sie ihre Geräusche erzeugen. Es geht hierbei nicht um das Fiepen der Mäuse, sondern um Ultraschall-Gesänge, die wir nicht hören und mit denen die Tiere kommunizieren. Bisher war nicht klar, wie die Mäuse diesen Ultraschall erzeugen. Forscher aus den USA, Dänemark und dem Vereinigten Königreich sind dem nun auf den Grund gegangen. Mit Hochgeschwindigkeitskameras filmten sie Kehlkopf und Stimmbänder der Tiere.

Das Ergebnis: Die Mäuse erzeugen einen schmalen Luftstrahl, der auf den Kehlkopf trifft und so das Geräusch hervorbringt. Solch eine Tonerzeugung sei bei Tieren bisher nie beobachtet worden, berichten die Forscher im Fachblatt "Current Biology". Man kannte sie bisher etwa von Strahltriebwerken bei senkrecht startenden Flugzeugen.

Quelle: Current Biology

Artenvielfalt Großbritannien verzeichnet einen Schmetterlingsschwund

Das geht aus dem so genannten "Big Butterfly Count" hervor. Zigtausende Freiwillige zählen bei dieser Aktion Schmetterlinge und melden ihre Ergebnisse. Dieses Jahr kamen sie im Schnitt auf 12,2 Tiere, 2013 waren es noch 23. Das berichtet die BBC. Die Organisation hinter der Zählaktion kann sich den großen Rückgang der Zahlen nicht erklären. Das Wetter sei für die Schmetterlinge gut gewesen und sei damit wahrscheinlich kein Grund.

Der Rückgang betrifft nicht alle Schmetterlings-Arten gleichermaßen.  Die Zahlen des Admirals etwa stiegen um 70 Prozent, die des Rapsweißlings um knapp 60 Prozent. Den größten Rückgang verzeichnete die Organisation beim Hauhechel-Bläuling. Er wurde dieses Jahr nur halb so oft gezählt wie 2013.

Weitere Informationen auf bbc.com

Quelle: BBC

Technologie Internationale Atomenergie-Organisation spricht von Cyberattacke auf ein Atomkraftwerk

Der Angriff habe sich vor zwei oder drei Jahren ereignet. Das sagte der Leiter der Atomenergie-Organisation, Yukiya Amano, gestern. Um welches Kraftwerk es sich gehandelt habe, sagte er nicht und nannte auch keine Details zum Angriff. Im Kraftwerk sei nichts zerstört worden und es habe auch nicht runtergefahren werden müssen. Dennoch müsse man die Gefahr von Cyberattacken auf Atomkraftwerke ernst nehmen. Im April erst musste der Energieversorger RWE bei der Sicherheit nachbessern, nachdem Computerviren im Kraftwerk Gundremmingen gefunden worden waren.

Weitere Informationen auf reuters.com

Quelle: Reuters

Fortpflanzung Forscher haben eine neue Form der Zellteilung bei Bakterien entdeckt

 

Bei der Fortpflanzung von Bakterien spielt ein Proteinring eine wichtige Rolle: Wie ein Gummiband legt er sich um die Zelle, schnürt sie ab und leitet die Zellteilung ein. Das gilt zwar für die bisher untersuchten Modellorganismen, jedoch nicht für alle Bakterien, wie österreichische und deutsche Forscher nun gezeigt haben. Sie untersuchten Bakterien, die auf einem Fadenwurm leben. Es handelt sich um stäbchenförmige Bakterien, die sich der Länge nach und ohne den Proteinring teilen.

Die Teilung beginnt an der Stelle des Bakteriums, die den Wurm berührt und zieht sich dann fort. Die Forscher vermuten, dass der Wurm das Signal zur Zellteilung gibt. Diesen und andere Fortpflanzungsmechanismen von Bakterien genauer zu verstehen, könnte bei der Entwicklung neuer Antibiotika helfen.

Weitere Informationen auf nature.com

Quelle: Nature

Zellforschung Eine schwere Kindheit kann Alterungsprozesse beschleunigen

Das gilt zumindest auf Zellebene, wie eine Studie von US-Forschern nahelegt. Sie haben bei knapp 5000 Erwachsenen die Telomere untersucht. Das sind schützende Strukturen auf den Chromosomen, deren Länge Aufschluss über die Zellalterung gibt.

Die untersuchten Personen wurden nach finanziellen, traumatischen und sozialen Stresserlebnissen in der Kindheit befragt. Eine Auswertung der Daten ergab: Studienteilnehmer mit einer schweren Kindheit hatten öfter kurze Telomere. Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit früheren Erkenntnissen,  wonach eine schwere Kindheit die Zellalterung im Erwachsenenalter beeinflusst, notieren die Forscher im Fachblatt "PNAS".

Quelle: PNAS

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