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StartseiteBüchermarktMensch und Mond - ein Sehnsuchtsgespann27.11.2011

Mensch und Mond - ein Sehnsuchtsgespann

Buch der Woche: Bernd Brunner: Mond. Die Geschichte einer Faszination

Immer schon haben sich die Fantasien der Menschen um den Mond gerankt. Er war Studienobjekt und Projektionsfläche zugleich. Der Kulturgeschichtler Bernd Brunner hat sich auf die Umlaufbahn des Himmelstrabanten begeben und ist in seinem großartigen Buch den Geschichten in Fiktion und Wissenschaft durch die Jahrhunderte gefolgt.

Von Anja Hirsch

Der Mond, sagt Bernd Brunner, habe immer etwas mit dem Menschen zu tun.  (AP)
Der Mond, sagt Bernd Brunner, habe immer etwas mit dem Menschen zu tun. (AP)
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Die Wiederentdeckung des Mondes

Der Mensch und der Mond führen eine merkwürdige Beziehung. Distanziert, muss man wohl sagen. Aber keineswegs ohne Leidenschaft. Was vielleicht daran liegt, dass man lange Zeit so wenig voneinander wusste. Erst das Vage, Unbestimmte regt bekanntlich die Fantasie an, die in Worte zu fassen der Mond naturgemäß um vieles zurückhaltender ist. Ungestümer hingegen der Mensch, der wie nebenbei alle Aspekte dieser komplizierten Beziehung in seinen Texten gleich mitzuverarbeiten scheint. Etwa in einer Erzählung aus dem Jahre 1735. Da locken zwar engelsgleiche Stimmen die Menschen gen Himmel, reine, duftende Wesen, die sich vom Wasser eines Flusses ernähren. Ihre im Vergleich zwangsläufig schlecht riechenden Erdengäste unterwerfen sie allerdings erst einmal einer intensiven Reinigungsprozedur, bevor sie sie durch ein kompliziertes Höhlensystem führen. Dort werden die unperfekten Menschen auch gleich noch moralisch geläutert, von allegorischen Figuren, die sie unterrichten, in Sachen Liebe, Vertrauen, Sicherheit, Neid, Eifersucht, Versuchung und Betrug. Leichter hat es der Held bei Jacques Boucher de Perthes, 1832: Er fällt auf eine Wolke, die ihn empor trägt. Auch nicht ein ganz reines Vergnügen, denn er dreht sich dabei so schnell, dass er kaum noch zu atmen vermag. Runter geht es dafür zügig - er beugt sich ein wenig zu weit über den Rand des Mondes und fällt. Jacques Bujault dagegen dachte 1845 ganz logisch: Der Mond, von dem wir heute wissen, dass er nur ein Viertel der Größe unseres Planeten hat, erschien ihm viel kleiner als die Erde, folglich müssten auch die Mondbewohner schrumpfige, nichtsdestotrotz entzückende Wesen sein:

Männer, Frauen und Kinder, kleiner als wir, aber von überaus reizender Physiognomie, voller Ausdruck, Anmut, Glück.

Das mondlichte Fallen und Steigen durch die Jahrhunderte in Fiktion und Wissenschaft ist Leitfaden durch Bernd Brunners großartiges Buch "Mond", das die Geschichte einer Faszination erzählt. Geschichten, im Plural, muss man richtig sagen. Und damit uns beim Lesen nicht selbst ein Drehschwindel ereilt, hat Brunner seinem liebevoll vom Kunstmann-Verlag gestalteten Text filigrane Schwarz-Weiß-Illustrationen aus den unterschiedlichsten Zeiten einverleibt, Bilder, die uns den Erden nächsten Himmelsgiganten und die verführerisch um ihn sich rankenden Fantasien nahe bringen. Dass seine Darstellung trotzdem nicht den Charakter eines physikalischen Lehrbuchs hat, sondern eher einem wundersamen Märchenbuch gleicht, liegt an Brunners Grundthese, die zugleich seine Auswahl bestimmt: Der Mond, sagt er, habe immer etwas mit dem Menschen zu tun. Das wusste schon Mark Twain:

Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Neben dem ersten Schritt auf dem Mond war der Blick zurück zur Erde bekanntlich mindestens ebenso wichtig. Mensch und Mond sind ein Sehnsuchtsgespann mit einem großen Frageschweif: Gibt es noch andere Welten? Wer sind wir im Vergleich zu denen dort draußen? Und der Mond ist nun mal der anschaulichste Himmelskörper, an dem unsere Sehnsucht am schnellsten entflammt. Je nach Konstitution des Betrachters wird dessen Projektion passend gemacht. George Fowlers etwa sah in seiner 1813 erschienenen Erzählung "A Flight to the Moon" eine "Wolke, so weiß wie Milch", die sich, oh Wunder, bei näherer Betrachtung als Frau entpuppt, mit einer Haut "so weiß wie langsam fallender Schnee", mit rosafarbenen Wangen und Lippen und Augen so hell wie funkelnde Diamanten, die den Helden zart in ihre Welt einlädt:

Du sollst nun mit deinen eigenen Augen das Objekt sehen, das so oft Gegenstand deiner einsamen Betrachtungen gewesen ist, nun pass auf, du bist dazu bestimmt, den Mond zu besuchen!

Bernd Brunner schreibt unterhaltsam, aber trotzdem informativ. Komplexe Phänomene erklärt er für Laien verständlich. Er ist der ideale Sachbuchautor, weil er aus einer Kulturgeschichte stets eine Mentalitätsgeschichte macht. Herausgekommen sind von ihm nun schon Sachbücher zu fünf völlig unterschiedlichen Themen, aus Fragen entstanden, die Kinder hätten stellen können, weil Erwachsene oft zu beschäftigt dafür sind: Wie kommt das Meer nach Hause, wie also schwimmen die Fische ins Zimmeraquarium? Wer hat den Weihnachtsbaum erfunden? Wo kommt der Bär her und welche Beziehung hat er zum Menschen? Was zog deutsche Einwanderer nach Amerika? Dort hat Brunner lange gelebt, seine Bücher zunächst auf Englisch veröffentlicht und in Seattle und San Francisco an den Universitäten gelehrt. Und obwohl er kein Astronom, sondern Kulturwissenschaftler ist, dreht und wendet er auch sein neuestes Objekt, den Mond, schwerelos unter verschiedenen Lupen. Er erzählt, was ein Mondregenbogen ist, warum wir den bleichen Erdbegleiter fälschlich als weiß erleben und wie die katholische Kirche und Maria sich zu ihm verhalten. Er fragt, ob er ein Geschlecht hat, und schaut nach, wer ihn alles bedichtet hat - etwa wunderbar melancholisch der englische Dichter Percy Bysshe Shelley:

Wie eine Sterbende, die, bleich und schwach,
In dünne Schleier gehüllt, aus dem Gemach
Hervorwankt, vom wahnwitzigen, irren Benken
des trübeträumenden Gehirns befangen:
Steigt über dunstige Erd`der Mond empor,
Ein weißer und formloser Klumpen.


Heute hat dieser "Klumpen" Zuwendung nötiger denn je. Leider ist ja kürzlich Sojus abgestürzt, das sowjetische, kosmische Versorgungsschiff. Betuchte, mögliche Weltraumtouristen hatten bekanntlich schon große Hoffnung auf eine Umkreisung des Mondes gesetzt, sich sogar beim amerikanischen Unternehmen Space Adventures eigens dafür angemeldet, das allerdings auf russische Technologie setzte, die wiederum von abgestürzter Sojus abhing - aus der Traum. Oder zumindest verschoben. Überhaupt hat der Mond, sagt Brunner, an Attraktivität etwas verloren. Science-Fiction-Autoren verlegen ihre Geschichten lieber in ferne Galaxien. Und wenn der bleiche Himmelskörper doch eine Rolle spielt, wie 2009 im depressiven Film "Moon", gedreht vom David-Bowie-Sohn Duncan Jones, interessiert er vornehmlich als Ziel kapitalistisch orientierter Ausbeutungsorgien: Das im Mondgestein vorhandene Edelgas Helium-3 zu gewinnen, würde tatsächlich die Energieprobleme auf der Erde lösen helfen. Und so ist es etwas still geworden um unseren Mond. Nur der Autor Frank Schätzing hat in seinem Bestsellerroman "Limit" den Trabanten besetzt, gleich mit einer ganzen Batterie an Mondtechnologie. Warum also eine Kulturgeschichte des so unpopulär gewordenen Mondes? Man kann Bernd Brunners Interesse verstehen und sofort teilen, denkt man sich das fahle Himmelslicht für immer, nicht nur bei Wolken und Neumond, erlöscht. Heute zu Zeiten des ewigen Kunstlichts vielleicht nicht mehr so bemerkenswert - der englische Essayist Alfred Alvarez meint sogar, dass Großstädter die Nacht, also auch den Mond vergessen. Früher wäre das undenkbar gewesen. Dramatische Nächte im antiken Rom beschreibt der französische Historiker Jérome Caropino:

Roms Straßen versanken, wenn der Mond nicht schien, in tiefste Dunkelheit. Keine Öllampen, keine Wandleuchter mit Kerzen, keine Laternen an den Türpfosten erhellten die Nacht. Rom erstrahlte lediglich bei den außergewöhnlichen Illuminationen, die zum Zeichen eines allgemeinen Freudenfestes stattfanden... In normalen Zeiten jedoch legte sich die Nacht düster und drohend wie ein unheilvoller Mantel über die Stadt. Jeder eilte nach Hause, schloß ab und riegelte sich ein. Die Geschäfte lagen verlassen, die Sicherheitsketten spannten sich fest hinter den Türflügeln, die Blumentöpfe mit ihrer bunten Pracht wurden von den Fensterbänken hereingeholt, die Läden der Wohnungen geschlossen.

Licht und Schatten strukturieren auch Bernd Brunners Buch: die immer heller alle Mondwinkel ausleuchtende Geschichte der Wissenschaft auf der einen Seite, und der Mond unserer dunklen Gedankenwelt auf der anderen Seite. Brunner zeigt den Mond als Studienobjekt und Projektionsfläche. Realität und Fiktion, so erweist sich, sind dabei keineswegs komplett voneinander getrennte Phänomene. Im Gegenteil: Oft sind sie, und das ist vielleicht das Erstaunlichste an dieser Übersicht, eng miteinander verzahnt. Vor der Beweisführung dieser These, die Brunner mit vielen Beispielen unterstreicht, erst einmal ein paar Fakten, um unser scheues Untersuchungsobjekt etwas heranzuzoomen. Wie zum Beispiel steht es sich überhaupt so auf dem Mond' Bernd Brunner war zwar selbst noch nicht da. Aber er beschreibt es anschaulich:

Das Fehlen einer Atmosphäre bewirkt, dass der Himmel selbst während des längeren Mondtages dunkel bleibt. Hell und Dunkel werden, verglichen mit der Erde, auf den Kopf gestellt: Der bräunlich-graue Mond"boden" kontrastiert mit der Schwärze des Weltalls. Der grelle, von der Mondoberfläche reflektierte Schein verengt die Pupillen, die Sicht wird erschwert. Während Vibrationen fühlbar bleiben, herrscht völlige Stille. Das Fehlen atmosphärischer Trübungen macht es auf dem Mond auch sehr viel schwerer, Entfernungen einzuschätzen.

Kein Wind, keine Jahreszeiten, keine Klimazonen. Abrupt wechselnde Temperaturen nicht nur zwischen Tag und Nacht. Körniger Untergrund. Kalt und ohne Leben. Ist der Mond überhaupt eine "Welt"? Behände wechselt Bernd Brunner immer wieder von physikalischen zu philosophischen Fragen. Das verleiht seinem mythenreichen Buch reflexive Tiefe und unterscheidet es von rein informativen Darstellungen. Man hält beim Lesen verblüfft inne, wechselt den Standort, schaut plötzlich nicht mehr vom Mond auf die Erde, sondern gottgleich auf beide Himmelskörper, um dann wieder in Sekundenschnelle durch ein paar Sätze, gefunden 1937 in der "World of Science", in pure Verlassenheit gestoßen zu werden:

Der Mond bietet einen Anblick der Melancholie und auch der Schönheit. Er ist eine Sphäre des Todes - ein Bild vom Zustand des Planeten, den Luft und Wasser verlassen haben. Er dreht sich, das Skelett einer Welt.

Dass menschliche Spinnerei und faktengesättigte Forschung oft aufeinander reagieren, beweist die Geschichte um die Entdeckung eines möglichen zweiten Erdmonds, die 1846 mit einer kaum gesicherten Behauptung in Gang kommt: Der französische Astronom Frédéric Petit, seinerzeit Direktor an der Sternwarte von Toulouse, will ihn durch sein Fernglas entdeckt haben. Er bleibt nicht lange allein mit seiner Idee - eine Reihe von Astronomen folgen ihm nach. Einer sieht gleich eine ganze Gruppe von Zwergmonden, der britische Autor Walter Gornold hingegen einen dunklen Mond, der angeblich nur sichtbar ist, wenn er vor der Sonne vorbeizieht - er tauft ihn Lilith. Mondgeschichten, zeigt Brunner sehr schön, spiegeln die Eitelkeit der Menschen, aber eben auch ihre einzigartige Fähigkeit, nicht aufzugeben und wenigstens grenzenlos zu fantasieren. Und zwar offenbar um so wilder, je unbekannter der Mond noch ist. Über Jahrtausende hinweg, das vergisst man ja oft, war er ein Rätsel, eine luna incognita. Aischylos sah in ihm "das Auge der Nacht". Und Lukian von Samosata seufzt im 2. Jahrhundert nach Christus erschöpft:

Am meisten aber machte mir der Mond zu schaffen, dessen Eigenheiten mir ganz seltsam und unerklärlich vorkamen und dessen wechselnde Gestalten, so däuchte mir, irgendeine geheimnisvolle und unergründliche Ursache haben müssten.

Lange Zeit wurde der Mond nur als bedrohlich wahrgenommen. Verfinsterte er sich, zerbrach eine Ordnung. Man hatte Angst, dass nach dem Gestirn auch die Menschenleben erlöschten. Die Massai in Ostafrika schleuderten Sand in die Luft. Manche Indianervölker schepperten mit Töpfen und Pfannen und schossen brennende Pfeile Richtung Mond. Eine Ruhelosigkeit, die man auch bei einer Sonnenfinsternis beobachten kann - hier geschildert vom französischen Autor Camille Flammarion in Afrika:

Man sah auch ihre Tiere sich den Dörfern zudrängen, wie bei Beginn der Nacht, die Enten sich zu Gruppen zusammendrängen, die Schwalben zu den Häusern fliegen, die Schmetterlinge sich verbergen, die Blumen und namentlich die Hibiscus afrikanus ihre Kelche schließen.

Anderen gab der Mond Kraft, etwa Siddharta Gautama, dem Begründer des Buddhismus. Er soll bei Vollmond, unter einem Bodhi-Baum sitzend, die Erleuchtung erlangt haben. Brunner arrangiert seine Beispiele immer so, dass man einen Pluspol und einen Minuspol erkennt. Die Geschichte der Beziehung des Menschen zum Mond wirkt, so erzählt, wie eine Kette von magnetisch einander anziehenden Ereignissen. Sie ist weit weniger chaotisch, als man glaubt. Obwohl Brunners Mondbuch populärwissenschaftlich angelegt bleibt, nennt es Befunde oder Beobachtungen. Auffallend ist zum Beispiel, dass Romanautoren zunächst häufig romantische Mondreisen mit Phantasie-Apparaten entwarfen, später hingegen mit dem 18. Jahrhundert lieber technischen Fortschritt abbildeten - Newton hatte gerade sein drittes Gesetz über den Rückstoßantrieb formuliert. Damit war zwar die Rakete noch längst nicht erfunden, aber in greifbare Nähe gerückt. Der amerikanische Rechtsanwalt George Tucker schickt in seinem unter Pseudonym 1827 veröffentlichten Roman "A Voyage to the Moon" einen Offizier in einem Kupferbehälter gen Mond, mit Hilfe eines ganz besonderen Stoffs und genauer Anleitung:

Auf dem Kupferkasten und an seiner Außenhaut brachten wir so viel von dem Mondmetall an (das ich künftig 'Lunarium' nennen werde), das, basierend auf unserer Berechnung und unserem Experiment, genügen würde, um die Masse des Apparats einschließlich seines Inhalts zu überwinden und uns am dritten Tag den Mond erreichen zu lassen.

An den kreisenden Mondanekdoten lassen sich Kulturtechniken begreifen. Etwa die Geste der Dominanz durch Wissen, die koloniale Herrschaft markiert. Kolumbus zum Beispiel war darin ein Meister. Als er zum vierten Mal in die Neue Welt reiste, durchlöcherten Würmer die Planken seines Schiffes, und es drohte zu kentern. Er strandete auf Jamaika und steckte dort fest, weil die Einheimischen sich weigerten, den Europäern zu helfen. Schließlich berechnete er kurzerhand die nächste Mondfinsternis, rief am Vorabend alle Häuptlinge zusammen und drohte, dass der Mond vom Himmel verschwände, sollten die Einheimischen nicht mit ihm zusammenarbeiten. Kein Wunder, die Ureinwohner lenkten ein. Bernd Brunners "Geschichte einer Faszination" rückt den großen Eifer ins Zentrum, den Mond zu begreifen, zu nutzen, sich anzueignen. Ein ganzes Kapitel widmet er deshalb der Sehnsucht der Menschen, den Mond zu kartografieren. Er zeigt uns eine erste Federzeichnung aus dem 16. Jahrhundert, noch vor Erfindung des Teleskops, entworfen vom Leibarzt der Königin Elizabeth I, William Gilbert, der auf die schöne Idee kam, die dunklen Mondflecken "Meere" zu nennen - bis heute in der Nomenklatur enthalten, etwa "Mare Crisium", "Meer der Gefahren". Wie ein Golfplatz mit schwulstig am Rande aufgeworfenen Löchern mutet eine Mondkarte um 1800 an, mit spitzem Blei gezeichnet von einem gewissen Johann Hieronymus Schröter, auf den die Begriffe Rille und Crater zurückgehen. Selten trägt Brunner seine Fundstücke nur zusammen. Er deutet, was er auflistet - und entdeckt hinter Geschichten deren Ästhetik und Symbolkraft:

Mondkarten sind im Grunde eine eigentümliche Sache. Einmal abgesehen davon, dass sie die Eitelkeit von Herrschern befriedigten, die sich über ihre Namen auf den Karten freuen konnten, erfüllten sie keine politische Funktion. Sie standen im Gegensatz zu Landkarten der Erde nicht in Zusammenhang mit der Erhebung territorialer Ansprüche. Genauso wenig halfen solche visuellen Darstellungen des Mondes Reisenden dabei, sich in unbekanntem Terrain zu orientieren.

Und heute? Wem gehört überhaupt der Mond? Welche Gesetze gelten dort? Tatsächlich existiert seit 1967 ein sogenannter Weltraumvertrag. Darin wurde der Mond zu einer Terra nullius erklärt, zu einer Welt, die niemandem gehört. Und die übrigens niemanden stört - Zusammenhänge zwischen Psyche und Mondphasen bleiben Spekulation; wissenschaftlich ist das nicht bewiesen. Schade eigentlich. Bleibt es, sich in Bescheidenheit zu üben - oder, in den Worten des Philosophen Günther Anders:

Wir werden durch die Erweiterung der Welt nicht erweitert werden.

Bernd Brunner: Mond. Die Geschichte einer Faszination
Antje Kunstmann Verlag, München 2011. 320 Seiten, 19,90 Euro

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