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StartseiteTag für TagBeten für Peter03.08.2017

MenschenrechteBeten für Peter

Seit einem Monat ist Peter Steudtner ist in der Türkei in Haft, er hatte dort für Amnesty International gearbeitet. Der Vorwurf: Er habe eine Terrororganisation unterstützt. Steudtners Berliner Gemeinde betet täglich um 18 Uhr für ihn in der Gethsemane-Kirche, einem Ort des Widerstands gegen die DDR-Diktatur.

Von Thomas Klatt

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Zettel mit dem Aufruf zur Andacht und zum Gebet für den in der Türkei verhafteten Menschrechtsaktivisten Peter Steudtner an der Gethsemanekriche in Berlin-Prenzlauer Berg. (imago / Seeliger)
Zettel mit dem Aufruf zur Andacht und zum Gebet für den in der Türkei verhafteten Menschrechtsaktivisten Peter Steudtner an der Gethsemanekriche in Berlin-Prenzlauer Berg. (imago / Seeliger)
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Die Gethsemane-Kirche im Ostern Berlins füllt sich pünktlich um 18:00 Uhr zum halbstündigem Fürbittgebet. Schon am Eingangsgitter um das Kirchgelände herum hängen Din A-4-Zettel wie einst in der Wendezeit 1989. Wieder steht darauf: Wachet und betet! Aber dieses Mal auch: Freiheit für Peter Steudtner.

Denn der in der Türkei in Untersuchungshaft sitzende Peter Steudtner ist hier aktives Gemeindemitglied. Etwa wenn es um das Fotografieren und die mediale Begleitung von Gemeindeveranstaltungen geht, oder als Gesprächsleiter bei der AG Flucht. Pfarrer Christian Zeiske sagt:

"Ich werde immer wieder gefragt: Wissen wir etwas Neues von Peter Steudtner? Wir wissen, dass er zusammen mit seinem Freund Ali Gharavi in einer Zelle ist. Das ist der schwedische Journalist, der mit ihm verhaftet wurde. Dass er türkisch lernt inzwischen und dass er auch Bücher hat und man überlegt, ihm die Gitarre zu geben. Unter den Umständen geht es ihm gut. Wir bitten, dass er von aller Gewalt verschont bleibt."

Pfarrer Christian Zeiske bei der Fürbitt-Andacht für den in der Türkei verhafteten Peter Steudtner in der Berliner Gethsemanekriche. (imago / Seeliger)Pfarrer Christian Zeiske bei der Fürbitt-Andacht für den in der Türkei verhafteten Peter Steudtner in der Berliner Gethsemanekriche. (imago / Seeliger)

Gebete gegen staatliche Repression

Weiterhin ist die Medienaufmerksamkeit groß. Kamerateams und Fotografen bauen sich an den Seiten des Kirchenschiffs auf. Zumindest dann, wenn Prominenz dabei ist, etwa der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller, der selbst evangelisch ist.

"Dieser Ort Gethsemanekirche ist ein ganz besonderer Ort in Berlin. Diese Gemeinde weiß, was Willkür bedeutet. Diese Gemeinde weiß wie es ist, wenn man sich nur mit dem Wort, mit dem Glauben erwehren muss gegen staatliche Repression. Diese Gemeinde weiß wie es ist, wenn man fürchten muss unter fadenscheinigen Gründen verhaftet zu werden. Wir alle wissen aber auch, dass Wut und Rachegelüste und Pauschalierung keine guten Ratgeber sind. Oftmals ist eben das stille Wort, das Gespräch hinter den Kulissen, das Gebet, die Solidarität, die Mauern zum einstürzen bringen können."

SPD-Bürgermeister Müller warnt vor Pauschalisierungen gegenüber allen Türken. Trotz oder gerade wegen der undemokratischen Politik Erdogans wolle man sich das gute Miteinander nicht nehmen lassen.

"Ich weiß aus Gesprächen, dass es vielen türkischen Mitbürgern das Herz zerreißt, mit ansehen zu müssen, was in ihrer Heimat, was in der Türkei passiert. Istanbul ist und bleibt unsere Partnerstadt."

In der Gemeinde beliebt und bekannt

Es geht um mediale Aufmerksamkeit, aber eben auch um Selbstvergewisserung im Gebet, wie diese Gemeindeglieder nach der Andacht sagen.

"Das hätte ja vielen passieren können. Man muss nicht nur rumsitzen und hilflos gar nichts tun, sondern man trifft sich, man stärkt sich, und Peter hoffentlich kriegt das mit. Und kleine Schritte können am Ende doch die Welt verändern. Ich glaub daran."

"Medienaufmerksamkeit ist leider notwendig um im Gespräch zu bleiben. Vielleicht gibt es einfach nur diesen Ort der Zuflucht und den stiftet Kirche noch heute."

Mitarbeiter der Gethsemane-Gemeinde protestieren bei einer Kundgebung vor der türkischen Botschaft in Berlin für die Freilassung der in der Türkei inhaftierten Menschenrechtlsaktivisten Özlem Dalkiran und Peter Steudtner sowie acht weiteren Menschenrechtsaktivisten. (imago / Christian Ditsch)Mitarbeiter der Gethsemane-Gemeinde protestieren bei einer Kundgebung vor der türkischen Botschaft in Berlin für die Freilassung von Peter Steudtner. (imago / Christian Ditsch)

Auch mehrere Mitglieder einer kleinen Mosambikanischen Gemeinde in Berlin sind zur Andacht gekommen. Einige von ihnen kennen Peter Steudtner schon seit vielen Jahren. Sie loben sein friedliches Engagement im ehemaligen DDR-Vertragsland.

"Ich weiß, dass er 2 Jahre in Mosambik gelebt hat. Er hat Mosambik als seine Wahlheimat deklariert...Peter kenn ich als Vater, er hat auch Kinder in Mosambik, die er selber adoptiert hat. Ich kenn ihn privat, wir essen auch gemeinsam. Ist ein Freund so einfach...Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er Terrorist ist. So ein Mensch wie Peter als Terrorist zu bezeichnen, ich kenn ihn fast 20 Jahre, solche Ideen sind nie zum Vorschein gekommen."

"Wenn wir durchhalten können, hilft Beten"

Jeden Tag also um 18:00 Uhr wird nun Fürbitte in der Berliner Gethsemane-Kirche gehalten. Im schlimmsten Fall kann Peter Steudtner bis zu 5 Jahre in türkischer Untersuchungshaft einsitzen. Hilft beten? Pfarrer Christian Zeiske:

"Wenn wir es durchhalten können ja. Und ich weiß auch nicht, was es für eine Alternative gibt. Die Alternative wäre, dass die Gefangenen freigelassen werden, dann können wir auch mit den Fürbittgebeten wieder aufhören, müssten dann aber vielleicht auch anfangen mit Fürbittgebeten für andere und uns ermutigen lassen, uns jetzt auch für Gerechtigkeit einzusetzen und nicht uns zurückzulehnen, sondern das ist eine größere Geschichte, sich für Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen."

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