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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr ist nicht zu bekommen02.05.2017

Merkel bei PutinMehr ist nicht zu bekommen

Der Besuch von Angela Merkel bei Wladimir Putin zur Vorbereitung des kommenden G20-Gipfels war richtig, kommentiert Thielko Grieß. Auch wenn Putin und Merkel sich weiter uneinig seien - die Einladung Putins zeige Gesprächsbereitschaft aufseiten der russischen Regierung. Und mehr könne man gerade nicht erwarten.

Von Thielko Grieß

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Händedruck am 02.05.2017 in Sotschi (Russland) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (TASS / Mikhail Metzel)
Kanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Sotschi bei Russlands Präsident Wladimir Putin (TASS / Mikhail Metzel)
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Die Sonne hat Sotschi leuchten lassen, im präsidialen Park zwitscherten die Vögel. Alles war hergerichtet für einen Nachmittag, dessen Wärme auf die beiden Gesprächspartner hätte abstrahlen können. Allein die Mauern sind dick in der Schwarzmeer-Residenz des russischen Präsidenten, damit drinnen alles so blieb wie gehabt: kühl, gegensätzlich, uneinig, Fortschritte höchstens in Millimetern zu messen.

Die Kanzlerin wird sich wohl keine andere Vorstellung davon gemacht haben, was sie in Sotschi erwartet. Erreicht hat sie einzig die Zusage, Russland unterstütze Deutschlands Bemühungen, beim G20-Gipfel Anfang Juli zu akzeptablen Ergebnissen zu kommen. Es wird also in etwa zwei Monaten etwas gesagt und schriftlich festgehalten werden zum Klima, zu Afrika. Russland trägt es leidenschaftslos mit. Aber bei den weitaus drängenderen Fragen, Ukraine und Syrien, bleiben beide Seiten in ihren Stellungen. 

Einer fehlt: Donald Trump

Die frühsommerliche Bühne in Sotschi ist nicht zu dem Ort geworden, an dem wenigstens irgendeine Idee bekannt geworden wäre, wie es in beiden Konflikten weiter gehen soll. Dabei hat die russische Seite, wenigstens was Syrien betrifft, ein starkes Interesse daran, den Krieg nicht unendlich fortzuführen.

Doch dazu hätte auf die Bühne neben Putin und Merkel noch ein weiterer Mann gehört. Der, der seit einigen Monaten die größte Militärmacht der Welt mittels Twitter-Dekreten regiert: Donald Trump. Ohne ihn zuckt der Kreml nicht, wird es keine Bewegung geben. Das bedeutet aber auch – und das ist das Grauenvolle: Ohne eine US-Position gilt in Syrien weiter ein brüchiger Waffenstillstand, wird weiter Hunger gelitten, leben hunderttausende Flüchtlinge in Lagern. Allein das lässt den Sonnenschein von Sotschi vergessen. 

Hamburg bietet die Bühne für alles weitere

So wie es heute aussieht, wird G20 in Hamburg die Bühne, auf der endlich die meisten Beteiligten – Iran und Israel allerdings nicht eingeschlossen – miteinander ins Gespräch kommen können. Das ist in Berlin im Kanzleramt früh gesehen worden. Es ist eine Chance, klein zwar, aber größere sind zurzeit nicht zu haben. Und deshalb ist es richtig, wenn Angela Merkel für ein paar Stunden nach Sotschi kommt und mit Putin spricht. Der weicht von seiner Argumentation zwar nicht ab, die seit Jahren kurzgefasst lautet: Die Situation in der Ukraine ist die Folge eines Staatsstreichs und in Syrien verhindert Russland das offene Chaos.

Merkel kennt das, sie kennt ihn. Er wiederum kennt sie – und hatte sie dennoch nach Sotschi eingeladen. Das ist der Wink! Die russische Regierung ist daran interessiert, von der Kanzlerin Widerworte zu hören, sich auch mit ihr zu streiten. Noch einmal: Mehr ist nicht zu bekommen. Gerade deshalb ist es gut, wenn die Bundesregierung in Hamburg eine Bühne bereitet. Wer sollte es sonst tun? Und die Theaterstadt Hamburg ist für Bühnen immer schon der richtige Ort gewesen.

Thielko Grieß (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Thielko Grieß (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Thielko Grieß, geboren in der Nähe von Osnabrück, hat Kultur-, Politik- sowie Medienwissenschaften in Leipzig, Ljubljana und Jena studiert. Während des Studiums hat er in verschiedenen Hörfunkredaktionen des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle und Magdeburg sowie als freier Mitarbeiter für das Deutschlandradio gearbeitet. Er war im Gründungsteam der Nachrichtenredaktion von DRadio Wissen und hat beim Deutschlandradio volontiert. Danach hat er im Deutschlandfunk u. a. die Frühsendung "Informationen am Morgen" moderiert. Nach einem Studienaufenthalt an der Staatlichen Universität im russischen Nowosibirsk berichtet er seit Februar 2017 aus dem Studio Moskau über Russland, Weißrussland, den Kaukasus und Zentralasien.

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