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StartseiteKommentare und Themen der WocheTiefpunkt der transatlantischen Beziehungen28.04.2018

Merkel und Macron bei TrumpTiefpunkt der transatlantischen Beziehungen

Die Besuche von Emmanuel Macron und Angela Merkel in Washington hätten offenbart, an welchem Tiefpunkt die transatlantischen Beziehungen angekommen seien, meint Stephan Detjen. Trump hätte nicht mit sich reden lassen. Weder über den Handelsstreit, noch über das Atomabkommen mit dem Iran.

Von Stephan Detjen

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Gerissene Fahnen von den USA und EU, Symbolfoto für drohenden Handelskrieg  (imago stock&people)
Das harte Spiel Trumps mit eigenen Interessen stelle Europa auf die Probe, so Stephan Detjen (imago stock&people)
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Am Ende dieser Woche steht Donald Trump in einem neuen Licht als nicht geliebter aber endlich von seinen Partnern respektierter Staatsmann auf der weltpolitischen Bühne. Die Besuche Emmanuel Macrons und Angela Merkels verschafftem dem US Präsidenten ein Maß an Anerkennung seiner Gäste, das er aus Europa so bisher nicht gewohnt war. Trump badete im Glanz des jugendlichen Charmes, den Emmanuel Macron bei seinem mehrtägigen Staatsbesuch in Washington ausstrahlte. Mit viel Schulterklopfen vor der Kulisse posierender Gattinnen konnte sich Trump in der klassischen Rolle des transatlantischen Männerfreunds inszenieren. So unterschiedlich Macron und Trump in fast jeder Hinsicht sind, fanden sie zusammen als new kids on the global block – als neue Akteure in der internationalen Politik die – jeder auf seine Weise – alte Ordnungen der Politik überwunden haben und ganz verschiedene aber neue Stile in ihren Ämtern verkörpern.

Internationaler Triumph für Trump

Trump, der bisher allein als ungeschliffener Berserker in der Weltpolitik wahrgenommen wurde, kann zugleich erstmals einen internationalen Triumph für sich verbuchen. Die spektakuläre Annäherung von Nord- und Südkorea nimmt er als Ergebnis seiner Härte für sich in Anspruch. Gestern bescheinigte sogar die Bundeskanzlerin dem US-Präsidenten, dass seine Stärke in Korea neue Möglichkeiten eröffnet habe. Wegen seiner kraftmeierischen Twitter-Depeschen war Trump als brandgefährlicher Nuklear-Zocker abgestempelt worden. Nun kann er sich die Respektsbekundung der Bundeskanzlerin wie ein Gütesiegel auf das Smartphone kleben. Der Erfolg auf der koreanischen Halbinsel wird ihn dazu ermuntern, auch in der Politik gegenüber dem Iran weiter auf Härte zu setzen.

Am 12. Mai will Trump entscheiden, ob er das auch von Deutschland und Frankreich mit ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufkündigt. Es gab weder nach den langen Gesprächen mit Macron noch nach dem kurzen mit Merkel einen Hinweis darauf, dass der US Präsident in der Sache nachdenklich geworden und einem multilateralen Vorgehen neue Vorzüge abgewonnen habe könnte.

Trumps Position gefestigt

Ein gutes halbes Jahr vor den Midterm Elections, bei denen die amerikanischen Wähler ihrem Präsidenten ein politisches Zwischenzeugnis ausstellen, wird sich Trump in den Grundsätzen seiner Politik mehr denn je bestätigt fühlen: Härte zahlt sich aus und wer mit der Faust aufs Schachbrett schlägt, gewinnt die Chance, bei der Neuaufstellung der Figuren den einen oder anderen Stellungsgewinn für sich zu erzielen. Keine der großen Partien, die Trump spielt, ist damit gewonnen. Aber seine Position in der Mitte des Feldes ist erst einmal gefestigt.

Auch Angela Merkel hat sich offenkundig darauf eingestellt, dass sich auf absehbare Zeit nichts an den Grundzügen der amerikanischen Weltpolitik ändern wird - nicht durch Belehrung oder Überzeugungsarbeit, nicht durch die Hoffnung auf eine Implosion der Regierung Trumps oder einen Sturz des Präsidenten im Zuge der Russland-Ermittlungen.

Geradezu schicksalsergeben nahm Merkel es hin, dass Trump über ihr Hauptanliegen, den Handelsstreit zwischen Europa und den USA, gar nicht mehr wirklich mit sich reden ließ. Auch nach einer Woche der diplomatischen Großoffensive konnten weder Emmanuel Macron noch die Kanzlerin auch nur einen Millimeter Bewegung vermelden. Dass der französische Staatspräsident und die deutsche Bundeskanzlerin aus Washington abreisen, ohne irgendeine Aussage dazu erhalten zu haben, illustriert, auf welchem Tiefpunkt die transatlantischen Beziehungen nach wie vor stehen.

Merkel muss Spaltung Europas verhindern

Für Angela Merkel geht es jetzt vor allem darum, eine Spaltung Europas zu verhindern. Trotz aller Bekundungen der Geschlossenheit sind die Interessen der Europäer weder im Handelsstreit noch in der Außenpolitik deckungsgleich. Das deutsche Handelsbilanzdefizit, dass der US Präsident anprangert, ist auch innerhalb Europas umstritten. Im Nahen Osten verhandelt Frankreich mit Deutschland und bombt mit den USA. Nichts käme Donald Trump mehr gelegen, als Gewinn aus einem Zerfall Europas zu ziehen. Das harte Spiel Trumps mit eigenen Interessen stellt Europa auf die Probe. Das kann Deutschland, Frankreich und ihre europäischen Partner spalten oder zusammenschweißen. Besinnen sie sich im transatlantischen Ringen auf die Stärke ihrer Gemeinsamkeit, geht Donald Trump am Ende noch wider Willen als treibende Kraft zur Einigung Europas in die Geschichte ein.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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