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StartseiteUmwelt und VerbraucherMHD ist kein Wegwerfdatum19.03.2012

MHD ist kein Wegwerfdatum

Ministerin Ilse Aigner stellt Kampagne zur Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatum vor

Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland Jahr für Jahr weggeworfen. Ein großer Teil der Verschwendung findet in privaten Haushalten statt. Bundesernährungsministerin Ilse Aigner will über das Mindesthaltbarkeitsdatum mit einer Kampagne aufklären.

Von Philip Banse

Wer wirklich nur das kauft, was er braucht, kommt nicht in die Verlegenheit, Lebensmittel wegschmeißen zu müssen. (picture alliance / dpa - Karl-Josef Hildenbrand)
Wer wirklich nur das kauft, was er braucht, kommt nicht in die Verlegenheit, Lebensmittel wegschmeißen zu müssen. (picture alliance / dpa - Karl-Josef Hildenbrand)
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Wider die Wegwerf-Mentalität

Die Botschaft ist ziemlich klar. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner, CSU, formulierte sie heute Vormittag so:

"Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum. In der Regel ist das Produkt auch nach Ablauf dieses Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Hier heißt es dann, seine eigenen Sinne einfach einschalten: Riechen, Schmecken und auch Ansehen kann man dann verwenden, um zu sehen, ob das Produkt noch gut ist. Es ist eine Orientierungshilfe, die eine Güteklasse sozusagen auch beschreibt und deshalb ist das Produkt durchaus noch verwendbar."

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also nur ein Anhaltspunkt: Davor ist Verzehr kein Problem, danach bitte mal genauer hinsehen oder riechen. Das ist der Slogan der Aufklärungskampagne. Kern dieser Kampagne ist ein kleines Faltblatt, dass in diesen Tagen in 21.000 Lebensmittelgeschäften ausgelegt werden soll. Das ist angeblich die Hälfte aller Lebensmittelgeschäfte in Deutschland. Dabei sind auch einige Discounter und Branchengrößen wie Lidl und Rewe, Edeka und Kaufland. In dem Flugblatt stehen Tipps zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln: Wer wirklich nur das kauft, was er braucht, kommt nicht in die Verlegenheit, Lebensmittel wegschmeißen zu müssen; wer wirklich nur die Packungen öffnet, die gebraucht werden, und diese dann zügig verbraucht, muss auch weniger wegschmeißen; bei Jogurt kann sich nach längerer Aufbewahrung eine Wasserschicht bilden – kein Problem. Schimmliges Brot dagegen ist etwas anderes als schimmliger Käse und sollte nicht verzehrt werden. Das sind so einige Tipps. Wenn der Verzehr abgelaufener Lebensmittel nicht nur unangenehm, sondern gesundheitsgefährdend sein kann, kommt das Verbrauchsdatum ins Spiel. Nach diesem Datum sollte wirklich nichts mehr verzehrt werden – bei Hackfleisch gibt es das Verbrauchsdatum oder bei frischem Geflügel. Einige Kritiker verlangen die Einführung eines absoluten Verfallsdatum. Der Lebensmittelhandel lehnt das ab. Der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, Friedhelm Dornseifer, sagt, das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, habe er sich bewährt:

"Aus Umfragen wissen wir, dass die Verbraucher den Begriff MHD besser verstehen, als in den letzten Tagen immer wieder zu hören und zu lesen war. Wir sehen daher keinen Grund, eine Formulierung, die verständlich und 30 Jahre gelernt ist, abzuschaffen."

Die Diskussion über das Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel habe bereits dazu geführt, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Verhalten verändert haben, sagte Ilse Aigner. Sie beruft sich dabei auf eine Forsa-Umfrage, die ihr Haus, das Verbraucherschutzministerium, in Auftrag gegen hatte. Danach haben über 81 Prozent der Bürger von der Diskussion etwas mitbekommen; knapp 20 Prozent von ihnen hätten daraufhin auch ihr Verhalten geändert. Silke Schwartau von der Verbraucherzentral Hamburg sagt, die Aufklärungskampagne sei im Prinzip richtig, erfasse aber nur einen Teil des Problems.

"Es muss auf allen Stufen der Produktion und des Verkaufs Aktionen geben und es darf nicht nur den Verbrauchern in die Schuhe geschoben werden."

So ist die Mehrheit der Lebensmittel, die unnötiger Weise weggeworfen werden, Obst und Gemüse – und da steht bekannterweise kein Mindesthaltbarkeitsdatum drauf. Verbraucherschützerin Schwartau sieht auch die Landwirtschaft in der Pflicht:

"In der Landwirtschaft muss man sicher darüber nachdenken, dass diese Qualitätsnormen ja noch sehr ausgeprägt sind. Das heißt, der Apfel darf keine Stelle haben, die Möhre muss glatt sein. Darüber muss man nachdenken, so dass man auch mal wieder Handelsklasse 2 im Handel findet. Wenn Ware mal einen kleinen Fehler hat, würden bestimmt gerade auch viele Verbraucher mit kleinerem Portemonnaie zugreifen."

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