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StartseiteWissenschaft im BrennpunktHinter die Kulissen des Fortschritts15.10.2017

Michael Lichtwarck-Aschoff: "Als die Giraffe noch Liebhaber hatte"Hinter die Kulissen des Fortschritts

In vier fesselnden Kurzgeschichten erzählt der ehemalige Intensivmediziner Michael Lichtwarck-Aschoff in "Als die Giraffe noch Liebhaber hatte" von bahnbrechenden Entdeckungen, etwa aus den Anfängen der Impfstoffforschung oder der Anatomie.

Von Ralf Krauter

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Hinter bahnbrechenden Entdeckung steckt oft ein brillanter Forscher, der seiner Zeit voraus war und seine revolutionären Einsichten gegen alle Widerstände verteidigte. Auf diese Formel verdichtet, scheint wissenschaftlicher Fortschritt im Rückblick oft zwangsläufig und zielgerichtet. Dabei war der Pfad der Erkenntnis in Wahrheit häufig verschlungen.

In seinem Buch "Als die Giraffe noch Liebhaber hatte" erzählt Michael Lichtwarck-Aschoff die Geschichte vier wegweisender Entdeckungen aus der ungewohnten Perspektive von Nebendarstellern, die nie im Rampenlicht standen.

Bemerkenswert leichtfüßig erzählt

Ein Tierpfleger des berühmten Zoologen und Entwicklungsbiologen Geoffroy Saint-Hilaire bringt dessen Theorie über die menschliche Anatomie auf den Punkt. Jean-Marie, der Labordiener des auf dem Schafott verstorbenen Chemie-Revolutionärs Antoine de Lavoisier, beschreibt, warum eigentlich dessen Ehefrau Marie-Anne der Ruhm für das grundlegende Verständnis des Stoffwechsels gebührt. Und das Leben und Sterben von Joseph Meisters, den der berühmte Louis Pasteur als Achtjährigen von der Tollwut heilte, illustriert die Anfänge der Impfstoffforschung.

Der Autor, ein ehemaliger Intensivmediziner, vermittelt seinen ungewöhnlichen Stoff bemerkenswert leichtfüßig, quasi durch die Hintertür. Seine fesselnden Kurzgeschichten haben literarische Qualität und öffnen neue Horizonte. Der Blick hinter die Kulissen des Fortschritts offenbart die Irrungen, Wirrungen und persönlichen Unzulänglichkeiten seiner Wegbereiter. Ein faszinierendes Buch für Wissensdurstige aller Couleur!

Als die Giraffe noch Liebhaber hatte: Vier Entdeckungen
Von Michael Lichtwarck-Aschoff
Klöpfer&Meyer-Verlag, 242 Seiten, 22 Euro

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