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StartseiteVerbrauchertippÜbergabeprotokolle schützen vor Extrakosten02.03.2018

MietrechtÜbergabeprotokolle schützen vor Extrakosten

Interessenten einer Mietwohnung müssen offensichtliche Mängel nicht hinnehmen. Doch nur, wer sich vor dem Bezug der Wohnung die Beseitigung der Schäden durch den Vermieter schriftlich bestätigen lässt, ist auf der sicheren Seite. Ein weiterer Tipp: Auch Übergabeprotokolle schützen vor Extrakosten.

Von Klaus Deuse

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Mehrere Euromünzen und 500-Euro-Scheine liegen auf einem Mietvertrag. (imago / Christian Ohde)
Wichtig vor der Unterschrift: Übergabeprotokoll erstellen, um den Zustand der Wohung zu dokumentieren (imago / Christian Ohde)

Der Zuschnitt der Wohnung und die Lage gefielen Angelika Wiesner und ihrem Mann auf den ersten Blick. Andere Dinge waren dagegen nicht ganz so schön.

"Bei der Besichtigung der Wohnung stellten wir fest, dass der Parkettboden total verkratzt war. Außerdem lag da ein alter, dreckiger Teppichboden. Und der Vermieter erklärte sich aber bereit, dies zu beheben. Nur das hat er natürlich nicht getan. Und somit sind wir auf den Kosten der Renovierung sitzen geblieben, weil wir keine schriftliche Vereinbarung hatten."

Dabei hätte sich Angelika Wiesner Ärger und Geld sparen können - sagt Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum:

"Wenn ich also beispielsweise eine Wohnung anmiete, die schon beim Einzug bestimmte Mängel hat und diese Mängel so leicht erkennbar waren, dass ich die mit geringer Sorgfalt hätte bemerken müssen, dann kann ich später wegen dieser Mängel keine Ansprüche an den Vermieter stellen. Das sind dann sogenannte Anfangsmängel, die ich hingenommen habe. Und mit der Unterschrift unter den Mietvertrag habe ich mich dann mit diesem Zustand der Wohnung einverstanden erklärt."

Mängel schriftlich festhalten

Vor dem Einzug sollten deshalb in einem Übergabeprotokoll alle Mängel in der Wohnung festgehalten werden, egal ob es um kaputte Fliesen im Bad oder um undichte Fenster geht. Außerdem sollte im Übergabeprotokoll stehen, welche Arbeiten der Vermieter noch in der Wohnung ausführen muss.
Egal ob es dabei um einen neuen Deckenanstrich oder die Aufarbeitung eines Parkettbodens geht. Kommt es zu Streit, ist man mit Übergabeprotokollen auf der sicheren Seite, sagt Mietrechtsexperte Hoffmann.

"Die sind, wenn sie von beiden Parteien unterschrieben worden sind, natürlich auch gerichtsverwertbar. Wenn ein Vermieter schriftlich bescheinigt hat, dass er eine defekte Kloschüssel auswechselt und er tut es dann nicht, dann habe ich als Mieter eben entsprechend auch was in der Hand."

Übergabeprotokolle sind nicht vorgeschrieben

Vorgeschrieben ist ein Übergabeprotokoll übrigens nicht. Falls ein Vermieter keine gemeinsame Wohnungsabnahme machen kann oder möchte, sollten sich Mieter allerdings unbedingt anders absichern, rät Aichard Hoffmann:

"Dann macht es Sinn natürlich, mit irgendeinem neutralen Zeugen die Wohnung einmal zu begehen und möglicherweise Anfangsmängel auch fotografisch festzuhalten."

Zum Beispiel zusammen mit einem Handwerker. Über die Beseitigung von Mängeln kann man sich danach mit dem Vermieter durchaus trotzdem arrangieren. Aber immer schriftlich bestätigt.

"Dass man sagt: So, das und das ist schadhaft, der Mieter repariert das selbst und dafür wird eben für einen gewissen Zeitraum die Miete gesenkt."

Wer eine möblierte Wohnung mietet, sollte den Zustand der Einrichtungsgegenstände beim Einzug mit detaillierten Fotos dokumentieren. Damit lässt sich beim Auszug belegen, dass beanstandete Schäden schon vorher vorhanden waren.

Grundsätzlich können übrigens auch Angestellte von Hausverwaltungen oder Wohnungsgesellschaften sowie manchmal auch die Hausmeister die Wohnungsübergabe und das Anfertigen des Übergabeprotokolls übernehmen.

"Das sind dann Beauftragte des Vermieters, die für ihn tätig werden. Und an deren Wort der Vermieter dann natürlich auch gebunden ist."

Übergabeprotokoll biem Auszug besonders wichtig

Aber nicht nur beim Einzug – auch beim Auszug ist ein Übergabeprotokoll von Nutzen. Hier sollte zum Beispiel vermerkt sein, ob gegebenenfalls vereinbarte Malerarbeiten oder andere Schönheitsreparaturen ordentlich ausgeführt worden sind.

"Deshalb ist es da sogar ganz besonders wichtig, den Zustand der Wohnung festzuhalten. Denn man will als Mieter ja auch seine Kaution möglichst bald zurückbekommen."

Außerdem lässt sich so im Zweifel auch nachweisen, dass ein bestimmter Schaden erst nach der Wohnungsrückgabe eingetreten ist.

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