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StartseiteKalenderblattDie Radsport-Maschine aus dem Baskenland23.07.2015

Miguel IndurainDie Radsport-Maschine aus dem Baskenland

Unter den Radsportlern war er so etwas wie ein physiologisches Wunder: Miguel Indurain, der Bauernsohn aus dem spanischen Baskenland, glänzte mit einer beachtlichen Körpergröße und beeindruckte mit einer Lungenkapazität, die jedes Normalmaß überschritt. Heute vor 20 Jahren trug er seinen fünften Tour-de-France-Sieg in Folge nach Hause. Ein bislang ungebrochener Rekord.

Von Eduard Hoffmann

Der frühere Radsport-Profi Miguel Indurain am 15. Juli 1995 während der Tour de France. (picture-alliance/ dpa - afp Pascal Pavani)
Der frühere Radsport-Profi Miguel Indurain am 15. Juli 1995 während der Tour de France. (picture-alliance/ dpa - afp Pascal Pavani)

"Sagenhaft, Bestzeit für Miguel Indurain, Tour de France Sieg. Jetzt ist er im Zelt eingelaufen, er hat nirgendwo Zeit verloren, weder in den Alpen noch in den Pyrenäen, und er ist fantastisch durchgefahren. Ein perfekter Fahrer, in allen Disziplinen, Zeitfahren, beim Sprint hat er sich zurückgehalten, fantastisch am Berg."

1991 gewann der Spanier Miguel Indurain erstmals die Tour de France. Dabei hatte der baskische Bauernsohn aus Villava in der Provinz Navarra erst sehr spät seine Liebe zum Radrennen entdeckt. Mit neun Jahren galt seine sportliche Leidenschaft der Leichtathletik und dem Basketball. Später spielte der hoch gewachsene Jugendliche Fußball. Erst 1978, da war Indurain schon 14 Jahre alt, begann er mit dem Radrennen – anfangs nicht sonderlich erfolgreich.

"Meine Stärke war das Zeitfahren"

Dann entdeckte José Miguel Echavarri das Talent des Jungen und nahm ihn als Trainer unter seine Fittiche. Die erste Zeit ackerte Indurain als "Wasserträger" für seinen Teamkameraden Pedro Delgado, dem er auch 1988 zum Tour de France Sieg verhalf. Die 90er-Jahre, jedenfalls die erste Hälfte, gehörte dann aber "Big Mig", wie Indurain liebevoll genannt wurde.

"Meine Stärke war das Zeitfahren. Mir war klar, dass ich dort Zeit gutmachen und sie in den Bergen verteidigen musste. Wenn Außenstehende das als defensive Fahrweise angesehen haben: bitte schön! Ich habe das nicht, sondern es war meine Strategie, um Rennen zu gewinnen."

Mit diesem Rezept radelte Indurain von einem Tour-Erfolg zum anderen. Viele sprachen von der "spanischen Rennmaschine", die mit dem Rechenschieber kühl ihre Siege kalkulieren würde. Mit der unspektakulären Fahr- und Verhaltensweise passte der bescheidene und bodenständige Bauernsohn so gar nicht in den schrillen Radrennzirkus rund um die Tour de France. Nichts schien den 1,88 Meter großen und auf 78 Kilogramm abgespeckten Basken aus der Ruhe zu bringen.

"Beobachter der Szene sagen, er sitzt so entspannt auf dem Rennrad, dass man den Eindruck haben könnte, bei größtem Stress sei er noch auf Urlaubsfahrt.", urteilte Reporter Wolfgang Fritschmann. Miguel Indurain schien unschlagbar.

Auch 1992, '93 und '94 gewann er unangefochten die Tour de France. Ein Jahr später, im Sommer 1995, galt der kräftige Baske erneut als Favorit. Nach dem Einzelzeitfahren der 8. Etappe setzte sich Indurain an die Spitze und wehrte scheinbar unbeeindruckt alle Angriffe seiner Gegner ab. Auch der tödliche Sturz des Italieners Fabio Casartelli bei einer Abfahrt auf der 15. Etappe brachte "Don Miguel" nicht aus der Ruhe. Die kommerzialisierte Tour schenkte derartigen Schicksalsschlägen kaum noch Beachtung. The Show must go on! Und so ging die Rundfahrt weiter, als wäre nichts geschehen.

Am Ende triumphierte erneut Miguel Indurain. Als erster Fahrer gewann er am 23. Juli 1995 die Tour de France zum fünften Mal in Folge.

Rücktritt vom Radsport folgte zwei Jahre später

"Und der Sieger der Tour de France heißt Miguel Indurain. Und für den wird nun alles bereitet, er wird das gelbe Trikot, das er seit 13 Tagen auf der Schulter hat, nun mit nach Hause nehmen können."

Im selben Jahr wurde der Ausnahmeradrennfahrer Weltmeister im Einzelzeitfahren, und 1996 gewann Indurain in dieser Disziplin ebenfalls olympisches Gold. Die Tour de France hatte er jedoch nicht mehr für sich entscheiden können.

Für alle überraschend verkündete der zum spanischen Sportler des 20. Jahrhunderts gekürte Baske am 2. Juli 1997 seinen Rückzug aus dem Radsport-Zirkus. Die lukrativen Millionenverträge und das Renngeschäft interessierten den damals 32-Jährigen nicht mehr. Mit seiner Frau Marisa zog er sich auf einen Hof zurück, ganz in der Nähe seines Geburtsortes.

"Mir reicht es, ab und zu nach Paris zu kommen zum Finale und fürs Fernsehen zu arbeiten, das ist genug."

Vor wenigen Jahren geriet auch Miguel Indurain noch unter Dopingverdacht, als er mit dem skandalumwitterten Mediziner Francesco Conconi in Verbindung gebracht wurde. Der hatte schon früh zum verbotenen Blutdoping mit Epo geforscht und in den 90er-Jahren mit Indurains langjährigem Rennstall Banesto zusammen gearbeitet. Nachweisen konnte man dem fünfmaligen Tour-Gewinner jedoch nichts.

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