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StartseiteUmwelt und VerbraucherViele Produkte sind weiterhin belastet18.10.2016

Mikroplastik in KosmetikaViele Produkte sind weiterhin belastet

Ob in Peelings, Sonnencremes oder Haarpflegemitteln: Mikroplastik-Partikel sind mittlerweile in unzähligen Kosmetikprodukten zu finden. Eigentlich hatten viele Unternehmen mit freiwilligen Selbstverpflichtungserklärungen zugesagt, bis Ende 2014 auf Plastikstoffe in ihren Produkten zu verzichten. Eine Untersuchung hat jetzt gezeigt: Nur die wenigsten halten sich daran.

Von Thomas Weinert

Kunden gehen am 15.04.2015 durch einen Drogeriemarkt dm in Stuttgart. (dpa/ picture alliance/ Daniel Naupold)
In vielen Kosmetikprodukten ist weiterhin Mikroplastik enthalten. (dpa/ picture alliance/ Daniel Naupold)
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Das Plastik ist klein, die Wirkung groß. In der heute vom BUND und dem Startup-Unternehmen Codecheck vorgelegten Studie werden gute Gründe aufgezeigt, warum das Thema Mikroplastik vermehrt in den Focus der Verbraucher rücken sollte:

Nur eine Änderung im Konsumverhalten kann derzeit verhindern, dass immer mehr kleine Plastikstoffe in die Weltmeere gelangen. Die Hersteller jedenfalls -  als Ganzes – verhindern es nicht: Sie versprechen Dinge im Rahmen einer Selbstverpflichtungserklärung, die kaum einer überprüfen kann und auf deren Einhaltung sich die Politik hierzulande anscheinend verlässt.

Hersteller halten sich nicht an Selbstverpflichtung

Und das Schlimme dabei: Die Hersteller – wir sprechen jetzt ausschließlich von Kosmetika – halten sich offensichtlich nicht an diese Selbstverpflichtung.

Der bekannteste Mikroplastik-Stoff ist Polyethylen. Viele große Produzenten hatten für Ende 2014 zugesagt auf diesen Stoff zu verzichten. 2016 – bis August – hat Franziska Grammes von der Firma Codecheck dann das Naheliegende getan und Datenwerte aus dem Jahr 2014 mit jenen dieses Sommers verglichen – aus einem Datenbestand von zuletzt mehr als 58.000 Produkten:

"Wir haben uns auf 19 Kategorien beschränkt, das sind unter anderem Gesichtspeelings, Körperpeelings, aber auch Sonnencremes, Gesichtscremes, dekorative Kosmetik, Duschgele, etc."

Das Ergebnis: Was Gesichtspeelings angeht, sank der Polyethylen-Anteil gerade einmal von 34 auf 30 Prozent, in den meisten anderen Kategorien war sogar eine leichte Zunahme dieses Stoffes zu verzeichnen. Die BUND-Meeresexpertin Nadja Ziebarth zeigte gestern Abend im ZDF einen schlichten Kaffeefilter mit einer weißen wässrigen Creme:

"Das ist aus einem Kosmetikprodukt rausgefiltert worden. Die Hersteller haben schon seit Jahren gesagt, dass sie Mikroplastik aus ihren Produkten rausnehmen wollen. Wir sehen hier, das hat nicht stattgefunden, Mikroplastik ist weiterhin drin. Es werden immer wieder neue Jahreszahlen genannt, wann sie aussteigen wollen, aber wie wir hier sehen, es bleibt drin und zwar in einer großen Menge."

Bis zu 20 Prozent Polyethylen in Körperpeelings

Die Untersuchung hat gerade in Körperpeelings bis zu 20% Polyethylen gefunden, wir stehen in einem solchen Fall quasi unter der Plastikdusche.

Das Kuriose: Zahnpasten mussten nicht untersucht werden, sie gelten seit langem als Beweis dafür, dass die Industrie bei der abrasiven, also glättenden Wirkung ihrer Produkte, durchaus auf Alternativen zugreifen kann, traditionell sind es hier vor allem Silikate, die im Mund zum Einsatz kommen.

Aber auch außen im Körpereinsatz, bei dekorativen Kosmetika an Augen, Lippen und Make ups, beim Sonnenschutz, bei Badezusätzen und Haarpflegemitteln: Plastik überall. Bereits 2013 hatte der BUND auf die Gefahren für die Weltmeere aufmerksam gemacht und Mikroplastik als "unsichtbare Gefahr" beschrieben schließlich auch für uns Menschen am Ende der Nahrungskette, 12.000 Konsumenten schlossen sich einem Online-Boykottaufruf an. Es passierte wenig. Und: Der Branchenverband IKW war zu keinem Interview bereit, als die aktuellen Testergebnisse bekannt wurden.

Natürliche Alternativen werden nur selten genutzt

Dabei gäbe es natürliche Alternativen zu Mikroplastik: Sand, Salze, geschrotete Kerne. Es ist wohl eine Frage des Preises und so bestätigt Franziska Grammes dann auch, dass alle untersuchten Bioprodukte tatsächlich unauffällig sind:

 "Ja. Wir haben kein einziges Naturkosmetikprodukt gefunden, wo Mikroplastik drin ist."

In den USA ist der Einsatz von Mikroplastik schlicht verboten, es geht also auch anders, wenn der Gesetzgeber konsequent eingreift. Hierzulande dagegen verunsichern die Hersteller durch kaum lesbare und vollkommen unverständliche Zutatenlisten und wenn ein unbeliebter Stoff in Untersuchungen ans Licht kommt, dann ersetzt man ein Mikroplastik durch das andere, denn zu allem Übel dürfen die Hersteller auch noch selbst entscheiden, was Mikroplastik ist.

"Was die Sorge von vielen Organisationen ist, ist, dass das bekannte  Polyethylen durch andere Mikroplastikstoffe ersetzt wird, die heißen dann acrylates Copolymer  oder Polyurethan oder acrylates Crosspolymer, es gibt dutzende von Bezeichnungen und die sind sehr verwirrend."

Das Team um Franziska Grammes von der Verbraucher-Plattform Codecheck hat daher als Orientierungshilfe eine App entwickelt inclusive Scanner, der Barcodes oder 2 D Codes erfassen kann. Das Smartphone wird auf den entsprechenden Teil der Produkt-Verpackung gerichtet und …

"….innerhalb von Sekunden erscheint dann eine Einschätzung, es steht dann zum Beispiel  enthält Mikroplastik, auf dieses Wort können Sie raufklicken, dann sehen sie genau, welcher Mikroplastikstoff enthalten ist und warum und von wem dieser Stoff als gefährlich eingestuft wurde."

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