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StartseiteVerbrauchertippWas wirklich in der Packung steckt17.03.2016

Milch mit schönen NamenWas wirklich in der Packung steckt

Weidemilch, Heumilch, Landmilch: Im Supermarktregal werben Firmen mit idyllischen Namen und bunten Bildern von glücklichen Kühen auf der Weide um die Gunst der Kunden. Alles nur Marketing? Klar ist jedenfalls: Der Geschmack der Milch hat nichts mit der Fütterung zu tun.

Von Hilde Braun

Kühe stehen auf einer Weide. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Der Geschmack der Milch hat nichts mit dem Futter der Kühe zu tun. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
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Viele Verbraucher sind sich sicher: Glückliche Kühe geben auch leckere Milch. Doch das ist vor allem wohl Einbildung. Tatsächlich wirkt sich die Ernährung der Kühe nicht auf den Geschmack der Milch aus, sagt Sprecher Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen:

"Milch schmeckt nach Milch und wenn sie nach was anderem schmeckt, ist irgendwas schiefgelaufen. Rein durch die Fütterung lässt sich der Geschmack der Milch nicht beeinflussen."

Doch der Geschmack allein ist ohnehin nicht das wofür der Kunde bei Weide- oder Heumilch bereit ist, mehr zu zahlen, - in der Regel immerhin rund 40 Cent pro Liter.

Kein geschützter Begriff

Vielen Verbrauchern kommt es auf die artgerechte Haltung der Tiere an. Bei Weidemilch hoffen die Kunden beispielsweise, dass die Tiere überwiegend auf der Weide stehen. Allerdings ist der Begriff Weidemilch in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Es ist deshalb ein Irrtum zu glauben, dass die Kühe auch tatsächlich das ganze Jahr draußen sind, erklärt Sabine Holzäpfel, Verbraucherschützerin aus Baden Württemberg:

"Diese Begriffe legt eben der Anbieter fest, der dann definiert, welche Kriterien er für die Produkte anlegt. Und bei Weidemilch ist es schon so, dass auch andere Futtermittel den Kühen gegeben werden, die heutigen Züchtungen können eigentlich auch nicht mehr auf Kraftfutter verzichten, und die Hauptfütterung findet eben auch im Stall statt, nicht auf der Weide."

Das bedeutet aber nicht, dass der Begriff Weidemilch nur ein Marketingtrick der Hersteller ist, auf ihren Internetseiten geben die meisten Produzenten an, wie die Tiere gehalten werden.

"Das bedeutet, der Anbieter legt das eben fest für seine Landwirte und die müssen das erfüllen. Wie das Ganze kontrolliert wird, liegt dann beim Anbieter, da gibt es keine gesetzliche Kontrolle, da haben wir auch keine besonderen Belege bekommen."

Vorbild Niederlande und Österreich

In Deutschland also eine Vertrauenssache. Geregelt ist der Begriff Weidemilch dagegen beispielsweise in den Niederlanden, dort stehen die Kühe 120 Tage für jeweils sechs Stunden auf der Weide.

Der Begriff Heumilch ist in Österreich durch ein Regulativ geschützt, dort ist genau geregelt wie hoch der Anteil an Gras oder Heu beim Futter ist.

Die Kühe, deren Milch in Deutschland als Heumilch verkauft wird, dürfen neben Heu eben auch Silage – also vergorenes Gras oder Kraftfutter bekommen.

Was die Kühe fressen hat Einfluss auf die Milchleistung, und natürlich auch auf die Landschaft. Aber auch auf den Gehalt der Milch, erklärt Bernhard Rüb:

"Wissenschaftlich erwiesen ist, das Kühe, die regelmäßig frisches Gras bekommen, in der Milch einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben, das ist unumstritten, ob die Kühe sich das Gras auf der Weide holen oder ob der Bauer es ihnen in den Stall fährt ist dafür egal."

Biosiegel als Orientierung

Zuverlässiges Siegel mit strengen Kriterien für die Milch ist das Biosiegel. Allerdings gibt es keine konkreten Vorschriften wie viel frisches Gras die Kühe bekommen, oder wie oft sie auf der Weide stehen. Festgelegt ist aber, dass die Tiere nicht mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden und mindestens sechs Quadratmeter Platz im Stall haben müssen, sowie mindestens 4 Quadratmeter Auslauf im Freien, das kann aber auch ein Hof sein und muss nicht die Weide sein.

Ein Werbetrick ist dagegen der Begriff Landmilch und kein geschützter Begriff, erklärt Verbraucherschützerin Holzäpfel:

"Landmilch, das ist denke ich ein Fantasiename, es ist eine konventionelle Milch - keine Biomilch, und Landmilch – ja woher soll die Milch sonst kommen, in der Stadt habe ich noch keinen Kuhstall gesehen."

 

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