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StartseiteWirtschaft und GesellschaftMillionenschäden durch Cyberkriminalität17.09.2012

Millionenschäden durch Cyberkriminalität

Laut Bundeskriminalamt wächst das Gefährdungspotenzial für Internetnutzer

Immer mehr Deutsche werden Opfer heimtückischer Cyber-Attacken. Das geht aus dem aktuellen Bundeslagebild zur Internetkriminalität des Bundeskriminalamtes hervor. Der Gesamtschaden betrug 2011 laut BKA gut 70 Millionen Euro.

Von Katharina Hamberger

Die Zahlen zur Kriminalität im Netz beziehen sich nur auf die Fälle, die angezeigt werden. Die Dunkelziffer sei vermutlich höher, so der Präsident des Bundeskriminalamtes  (Stock.XCHNG / Daniel V.)
Die Zahlen zur Kriminalität im Netz beziehen sich nur auf die Fälle, die angezeigt werden. Die Dunkelziffer sei vermutlich höher, so der Präsident des Bundeskriminalamtes (Stock.XCHNG / Daniel V.)

Zwar ist die Zahl der Fälle von Cyberkriminalität im Jahr 2011, die angezeigt wurden, im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – allerdings nur um rund 0,6 Prozent. So geht es aus dem Bundeslagebild zu Cybercrime 2011 hervor, das vom Bundeskriminalamt herausgegeben wird. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, ist sogar ein Anstieg zu sehen. 2007 waren es noch gut 34.000 Fälle, 2011 bereits über 59.000. Diese Zahlen zur Kriminalität im Netz beziehen sich jedoch nur auf die Fälle, die auch angezeigt werden. Die Dunkelziffer sei vermutlich um einiges höher, so der Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Zierke:

"Fest steht, die Intensität der kriminellen Aktivitäten im Bereich Cyber-Crime und damit hat das für jeden Internetnutzer bestehende Gefährdungspotenzial zweifelsohne weiter zugenommen."

Das größte Feld bei der Cyberkriminalität nimmt laut der Statistik des BKA der Computerbetrug ein - 45 Prozent aller Fälle kommen aus diesem Bereich. Darunter fielen unter anderem, so BKA-Präsident Zierke:

"Das bekannte Phishing von Online-Banking-Daten oder auch der missbräuchliche Einsatz von im Internet abgegriffenen Kreditkartendaten. Insgesamt ein Schaden allein im Bereich Computerbetrug von 50 Millionen."

Der Gesamtschaden durch Cyberkriminalität betrug 2011 laut BKA gut 70 Millionen Euro - rund 16 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Allerdings sind dafür bislang nur zwei Bereiche erfasst. Zum einen der Computerbetrug, zum anderen der Betrug mit Zugangsdaten zu Kommunikationsdiensten, zum Beispiel Email. Bei den Internetnutzern insgesamt ist anscheinend bereits ein Bewusstsein für die Gefahren von Cyberkriminalität vorhanden. Denn drei Viertel, so geht es aus einer Umfrage des Branchenverbandes der Informationswirtschaft BITKOM hervor, fürchten sich davor, Opfer von Computerkriminalität zu werden. Allerdings sei diese Angst größer als das reale Risiko. So der Präsident von BITKOM, Dieter Kempf. Diese Sorge sei aber durchaus berechtigt:

"52 Prozent, also eine knappe Mehrheit der privaten Internetnutzer, hat nach eigenen Angaben bereits persönliche Erfahrungen mit Internetkriminalität gemacht. Das wären in absoluten Zahlen 28 Millionen Personen."

Da diese Hochrechnung eben auf einer Umfrage beruhe und nicht auf der Kriminalitätsstatistik, liege der Wert bei vielen Delikten über der amtlichen Statistik, so BITKOM-Chef Kempf. Den meisten Tätern gehe es darum, Geld zu stehlen, sagt Kempf weiter. Allerdings nehme auch die negative Erfahrung mit verbalen Angriffen zu. 14 Prozent hätten schon unangenehme Anfragen von Fremden bekommen. 2010 seien es noch zwei Prozentpunkte weniger gewesen. Jeder achte hat in der BITKOM-Studie, die unter gut 1000 Internetnutzern durchgeführt wurde, angegeben, im Internet sexuell belästigt worden zu sein – das entspräche 6,5 Millionen Menschen. Fünf Prozent sagten, über sie seien schon einmal Unwahrheiten im Netz verbreitet worden.

Bedenklich nannte BITKOM-Präsident Kempf die Vorbereitung vieler Firmen auf Cyberkriminalität. Laut einer Umfrage von BITKOM unter Unternehmen hat fast die Hälfte keinen Notfallplan für Datenverluste oder andere IT-Sicherheitsvorfälle. Knapp 40 Prozent sehen Angriffe von Hackern, Konkurrenten, Kriminellen oder ausländischen Geheimdiensten nicht als Gefahr. Deshalb sollte generell offener mit dem Thema Cyberkriminalität umgegangen werden, so Kempf – nur so könne ein Erfahrungsaustausch stattfinden.

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