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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Kunstschau ist an ihre Grenzen gestoßen21.09.2017

Millionenverlust bei der documentaDie Kunstschau ist an ihre Grenzen gestoßen

Der Millionenverlust bei der gerade zu Ende gegangenen Kunstschau documenta zeige, wie unorganisiert, fast amateurhaft die Institution agiere, kommentiert Claudia Wheeler. Sie müsse sich für die Zukunft neu aufstellen, um ihren Anspruch als weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst zu behaupten.

Von Claudia Wheeler

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Ein Stadtreiniger kehrt am 18.09.2017 auf dem Friedrichsplatz in Kassel (Hessen) die Stufen vor dem leeren "Parthenon der Bücher" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Die Weltkunstausstellung documenta 14 ist am Vorabend nach 100 Tagen zu Ende gegangen. Wegen des drohenden Defizits, schlechter Kritiken und dem Streit zwischen Gesellschaftern und Kuratoren bleibt sie aber in der Krise.  (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Die nächste documenta benötigt bessere Kontrollmechanismen, meint Claudia Wheeler (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
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Die documenta muss ein Millionengrab verkraften. Doch der große Eklat blieb heute aus. Ja, es gibt ein Defizit von sieben Millionen Euro, und die documenta nimmt vorsichtshalber einen Kredit von acht Millionen Euro auf, als Puffer sozusagen. Und schuld daran ist - auch wenn dieses Wort nicht direkt in den Mund genommen wurde - der zweite Ausstellungsort Athen. Und nein, wofür genau das Geld ausgegeben wurde, ist noch nicht geklärt, die Wirtschaftsprüfer arbeiten noch. Und auch die Frage, wer denn eigentlich die Verantwortung für das Defizit trägt, bleibt offen - vorerst.

Zwei Aussagen stehen im Raum: Die des künstlerischen Leiters Adam Szymcyk, der behauptet, alle Beteiligten hätten gewusst, dass die Doppeldocumenta das Budget von 34 Millionen Euro überschreiten würde - der Aufsichtsrat bestreitet das. Wer hätte wann wen informieren müssen? Der Aufsichtsrat sei nicht in der Bringschuld, hieß es heute, er müsse informiert werden und nicht Informationen einholen. Dieses Hin- und Hergeschiebe von Verantwortung, die ganzen Fragen darum wer Dinge getan hat, die er nicht hätte tun dürfen, zeigt deutlich, wie unorganisiert, fast schon amateurhaft diese ganze Institution documenta agiert. Sie muss sich neu aufstellen - auch um ein rentables Wirtschaftsunternehmen zu sein. Darüber wurde heute in erster Linie gesprochen - dass man Kontrollmechanismen brauche. Dass es nötig sei, künftig mit externer Expertise und mit Blick auf andere Großausstellungen genau zu prüfen, wie die nächste documenta aufzustellen sei. Und die soll stattfinden, in Kassel. Das hat Oberbürgermeister Christian Geselle betont: Kassel wird documenta-Stadt bleiben. Kassel sei die DNA der documenta. Zwar sagte er im gleichen Atemzug, dass das nicht heißen soll, andere documenta-Orte auszuschließen. Schließlich wolle man weltoffen bleiben. Doch zwischen den Zeilen heißt es: Noch einmal einen zweiten Standort ins Spiel zu bringen, wird ganz, ganz schwer. Man darf nur hoffen, dass diese ganzen Diskussionen nicht die künstlerische Freiheit der Kuratoren beeinträchtigen - auch wenn heute unterstrichen wurde, dass diese natürlich nicht beschnitten werden soll.

Doch die künstlerische Freiheit hat ihre Grenzen, sagte Christian Geselle, nämlich da, wo sie die Institution documenta gefährdet. Das ist natürlich richtig, trotzdem lässt so ein Satz aufhorchen. Die documenta ist vielleicht nicht in der Krise, aber sie ist im Wandel. Sie ist an ihre Grenzen gestoßen - finanziell und organisatorisch. Eine Lösung könnte sein, den Bund als Gesellschafter mit ins Boot zu holen. Damit die documenta auch weiterhin ihren Anspruch als weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst behaupten kann.

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