• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 14:35 Uhr Campus & Karriere
StartseiteCampus & KarriereHarsche Kritik an Schulen10.05.2017

MINT-FrühjahresberichtHarsche Kritik an Schulen

In Berlin wurde der aktuelle MINT-Report vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vorgestellt - mit ernüchternem Ergebnis: Im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik fehlen so viele Arbeitskräfte wie noch nie. Wirtschaftsverbände kritisierten vor allem die Schulen.

Von Thomas Weinert

Der Forscher Rudolf Binder (r) beobachtet am 25.09.2015 im Schülerforschungszentrum Südwürttemberg in Bad Saulgau (Baden-Württemberg), wie Schüler Luca Braunger (Mitte) eine bestimmte Menge gefärbtes Wasser mit einer Pipette entnimmt.  (dpa/ picture alliance / Felix Kästle)
Hier wird versucht, Jugendliche für MINT-Fächer zu begeistern - am Schülerforschungszentrum Südwürttemberg. (dpa/ picture alliance / Felix Kästle)
Mehr zum Thema

Nachwuchs für MINT-Fächer TU Illmenau eröffnet Schülerforschungszentrum

Fachkräftemangel in MINT-Berufen "Der Osten droht dauerhaft abgehängt zu werden"

Noch nie war die MINT-Lücke so groß wie heute, noch nie die Kritik vor allem an der schulischen Ausbildung so deutlich. 237.500 Arbeitskräfte fehlen im Bereich Mathe, IT, Naturwissenschaft und Technik, heute schlug die Wirtschaft Alarm. Die Rettung: Frauen!

"Und der MINT-Report zeigt, der Hochtechnologiestandort Deutschland braucht dringend Technikerinnen, Meisterinnen, Ingenieurinnen, Informatikerinnen und der MINT-Report zeigt, dass eigentlich, dass die Umfeldbedingungen für Karrieren im MINT-Sektor außerordentlich gut sind."

Bessere Bezahlung, bessere Karrierechancen, ein schnellerer Bildungsaufstieg, warum nur, so fragt sich Thomas Sattelberger vom Bundesverband der Deutschen Arbeitgeber, erzählen Schulen und Eltern das offensichtlich nur Ihren Söhnen?

"Ein Girls Day ist symbolisch wichtig, aber er bringt mehr auch nicht. Die Stagnation im Bereich der Berufsausbildung von jungen Damen bei zehn Prozent haben wir seit 20 Jahren!"

Unzufriedenheit bei den Wirtschaftverbänden

Bei der Vorstellung des MINT-Reports heute in Berlin merkte man die Unzufriedenheit, ja fast Verzweiflung der Wirtschaftsverbände über diese Zustände, würden nicht Zuwanderer massiv ausgleichen, wir hätten hierzulande ein richtiges Problem, weil aus deutsche Schulen zu wenig – insbesondere eben Mädchen – etwas Lernen, was, so Sattelberger – Sicherheit bringt bei der Lebensplanung. Und eine Schulform bekam es heute in Berlin besonders ab:

"Was wir dringend benötigen ist nicht, dass ein Berufsberater einen Vortrag hält in der Schule, sondern dass eine systematische, breitere Berufsorientierung am praktischen Erleben schon in der Schule gestaltet wird. Und insbesondere auch die Gymnasien – da wird nämlich häufig das Studium präferiert und die berufliche Ausbildung vernachlässigt – insbesondere die Gymnasien müssen die beruflichen Entwicklungschancen, die mit einer dualen Ausbildung verbunden sind, besser informieren."

Hat es immer noch zu tun mit der Arroganz der Akademiker? Oder noch schlimmer?

"Dort findet eine Vernachlässigung dieses Themas statt bis hin zu einer Inkompetenz."

Rückläufiger Trend

Das Schlimme: Dieser Trend ist sogar rückläufig. Seit zehn Jahren verlassen etwas mehr MINT-Absolventen die Universitäten, aber deutlich weniger die Berufsschulen und Betriebe. Wenn sich dieser Trend nicht stoppen lässt, wird er zu einem Bremsklotz für die wirtschaftliche Entwicklung, so die Verbände BDA, BDI, Institut der Deutschen Wirtschaft und schließlich Gesamtmetall. Bildungsgeschäftsführer Michael Stahl:

"Herr Sattelberger hat das ja zum Teil angerissen: Die MINT-Initiativen der Wirtschaft, unser Schulnetzwerk, MINT EC, also der Excellence-Center der Schulen, die MINT freundlichen Schulen stärken, wir tun eine Menge ist die Botschaft hier."

Die Kultusminister der Länder bekamen heute also ihr Fett weg, auf Bundesebene kritisierten die Wirtschaftsverbände außerdem die Rente mit 63 als vollkommen kontraproduktiv und das Fehlen einer modernen Zuwanderungspolitik.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk