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StartseiteForschung aktuellMischen im Dienst der Forschung06.09.2007

Mischen im Dienst der Forschung

Britische Aufsichtsbehörde genehmigt Herstellung von Zellen aus Mensch und Tier

Klonforschung. – Die Chimäre war in der griechischen Sage ein aus drei Tieren zusammengefügtes Wesen mit dem Kopf eines Löwen, dem einer Ziege und dem einer Schlange. In der modernen Zellforschung sind Chimären Zellen, die von mehreren Arten stammen. In England gestattete die Aufsichtsbehörde jetzt zwei Forschergruppen, Mischzellen von Mensch und Kuh herzustellen. Der Wissenschaftsjournalist Michael Lange erklärt im Gespräch mit Grit Kienzlen, warum.

Menschlicher Embryo (AP)
Menschlicher Embryo (AP)

Kienzlen: Herr Lange, was ist denn der Unterschied zwischen einer Chimäre und einem zytoplasmatischen Embryo?

Lange: Das ist das gleiche. Die Wissenschaftler nennen es zytoplasmatische Embryonen oder Hybrid-Embryonen. Die Presse nennt es Mischwesen oder Chimären. Da kommen Zellen von zwei Arten zusammen, genauer gesagt die Eizelle von einem Tier und der Zellkern, und damit das gesamte Erbmaterial eines Menschen. Das Erbmaterial eines Menschen wird in eine Eizelle ohne eigenes Erbgut hineingespritzt, also die Hülle, das Drumherum, ist vom Tier, die Erbinformation vom Menschen.

Kienzlen: Und ist das dann ein Mischwesen?

Lange: Es ist eigentlich kein Mischwesen, weil daraus, wie man heute weiß, überhaupt kein Lebewesen entstehen kann. Es entwickelt sich zwar ein Embryo, ein Frühstadium eines Embryos, und die Wissenschaftler in Großbritannien wollen daraus embryonalen Stammzellen gewinnen, für die Forschung.

Kienzlen: Forschung sagen Sie. Um welche Forschungsprojekte geht das?

Lange: Es in sind zwei Forschungsprojekte, die bereits beantragt wurden, vor einigen Monaten, und die einen längeren Diskussionsprozessbei der HFEA ausgelöst haben. Das ist zum einen ein Parkinson-Forschungsprojekt der Universität von Newcastle, und ein Forschungsprojekt, da geht es auch um Parkinson, aber auch um Diabetes und die erbliche Muskelschwäche, des Kings College in London. Beides sind Arbeitsgruppen, die schon seit langer Zeit mit embryonalen Stammzellen arbeiten.

Kienzlen: Aber was wollen die nun genau mit diesen Chimären oder Nicht-Chimären machen, um etwas über Parkinson herauszubekommen?

Lange: Sowohl die Parkinson-Krankheit als auch Diabetes sind Krankheiten, bei denen sowohl eine erbliche Komponente gibt, das heißt, es sind Risikofaktoren im Erbgut. Aber es gibt auch eine Umweltkomponente. Um das genau zu erforschen, will man Forschung mit menschlichen Zellen machen. Und zwar mit embryonalen Stammzellen, die aber diese Risikofaktoren für diese Krankheiten in sich tragen. Und dann kann man verschiedene Medikamente an diesen Zellen ausprobieren, und man hofft einfach, dass die Ergebnisse, die man dann herausbekommen, für den Menschen relevanter sind als Tierversuche, wie man sie bisher durchführt.

Kienzlen: So wie ich Sie verstanden habe, geht es darum, Parkinson-Zellen herzustellen, indem man eine Zelle von einem Parkinson Patienten klont?

Lange: Ja.

Kienzlen: Warum muss ich dazu eine Kuh-Eizelle benutzen? Warum kann ich das nicht mit einer menschlichen Eizelle machen?

Lange: Das könnte man auch, genauso gut. Aber es ist so, dass in vielen Ländern, und eben auch in Großbritannien fehlt es an den Eizellen. Man bräuchte frische Eizellen, Eizellen, die das Erbgut reprogrammieren, also wieder jung machen, und an diesen Eizellen fehlt es. Es fehlt an Spenderinnen. Es darf auch in Großbritannien kein Geld dafür bezahlt werden, andererseits gibt es keine freiwilligen Spenden, also da ist ein Engpass, und diesen Eizellenengpass, den wollen die Wissenschaftler mit Hilfe von Eizellen von Tieren überwinden.

Kienzlen: Nun ist es ja nach deutschem Recht so, dass das Klonen in jedem Falle verboten ist, egal ob man jetzt eine menschliche Eizelle oder eine Kuheizelle nimmt. Was spricht denn ethisch dagegen? Warum hat man sich im deutschen Recht entschieden, das anders zu regeln?

Lange: Im deutschen Recht geht es ja immer um zwei Dinge: einmal Schutz des Embryonen, aber auch Würde des Menschen. Und hier ist das auch eindeutig, dass zwischen Mensch und Tier unterschieden wird, da wird eine klare Grenze gezogen. Und deshalb verbietet das deutsche Embryonenschutzgesetz ausdrücklich auch die Forschung an Chimären-Zellen. Und das bleibt auch so. Auch dürfen diese Zellen, die so entstanden sind, nicht aus Großbritannien importiert werden. Also in Deutschland wird keine solche Forschung mit solchen Stammzellen stattfinden.

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