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StartseiteSport AktuellAufklärung oder Feigenblattpolitik?15.05.2017

Missbrauchsvorwürfe TauberbischofsheimAufklärung oder Feigenblattpolitik?

Der Fechtverein FC Tauberbischofsheim hat eine Kommission gegründet, um die bekannten Fälle und mögliche noch unbekannte Fälle sexueller Belästigung aufzuarbeiten. Das Magazin "Der Spiegel" berichtet von starken Zweifeln an deren Unabhängigkeit. Zweifel denen der Leiter der Kommission nun widerspricht.

Von Andrea Schültke

Zwei Fechter kämpfen gegeneinander. (Imago)
Im Fechtzentrum in Tauberbischofsheim soll es zu mehreren Fällen sexueller Belästigung gekommen sein. (Imago)
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Abhängigkeit und Befangenheit. Das ist wohl das Schlimmste, was man einer Aufklärungskommission unterstellen kann – vor allem, wenn es um das sensible Thema sexuelle Belästigung geht. Diesen Verdacht will der Leiter der Tauberbischofsheimer Kommission, Sebastian Warken, nicht auf sich sitzen lassen – und sagt gegenüber dem Deutschlandfunk, Zitat: "Für alle Mitglieder der Task Force gilt, dass diese unabhängig sind und keinen Interessenskonflikten oder sonstiger Befangenheit unterliegen."

Vorwurf der "Alibiaufklärung"

Räumliche Nähe zum betroffenen Fechtclub war einer der Vorwürfe, mit denen der Spiegel die Unabhängigkeit der Task Force angezweifelt hatte. Tatsächlich leben Warken und ein weiteres Mitglied der fünfköpfigen Kommission in Tauberbischofsheim. Ein anderes wohnt ca. 30 Kilometer entfernt. Zwei weitere haben eine Anreise von 70 bzw. mehr als 100 Kilometern.

Zudem schreibt der Spiegel, die Kinder des Task Force-Leiters Warken seien Mitglied im FC Tauberbischofsheim und gingen dort zum Kinderturnen. Und: Die Ehefrauen von zwei Mitgliedern seien im Vorstand einer Stiftung, die von einem der Beschuldigten Spenden erhalte. Details, zu denen sich Warken auf Deutschlandfunk-Anfrage nicht äußert. Er verweist auf eine schriftliche Erklärung des Fechtclubs. Darin wird der Vorwurf der Befangenheit als unhaltbar zurückgewiesen – und die Aussagen einer vom Spiegel zitierten Missbrauchs-Expertin indirekt in Frage gestellt. Es geht um Ursula Enders. Die Leiterin der bundesweit bekannten Missbrauchsberatungsstelle Zartbitter hatte die Arbeit der Task Force im Spiegel als "Alibiaufklärung" bezeichnet.  Zitat: "Die Personen der Task Force und die möglichen Täter kommen aus demselben sozialen System." Zitat Ende.

Fehlendes Fachwissen im lokalen Netzwerk?

Der FC Tauberbischofsheim schreibt jetzt, die Leiterin von Zartbitter habe zu keinem der Task Force Mitglieder Kontakt aufgenommen.

Das bestätigt Ursula Enders auf Nachfrage des Deutschlandfunks zwar, wiederholt aber ihre Kritik: Allein der Blick von außen zeige, bei der Task Force handele es sich um Personen aus einem lokalen Netzwerk. Darüber hinaus vermisse sie in der Kommission Fachwissen zum Thema Missbrauch in Institutionen.

Ursprünglich sollte es Mitte Mai erste Ergebnisse der Untersuchung zu mutmaßlichen sexuellen Übergriffen auf mehrere Athletinnen geben. Das wird sich aber verschieben. Der Grund ist laut Fechtclub die "gründliche und umfassende Vorgehensweise" der Task Force.

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